Trotz Alkoholsucht, Krebs und Armut sammelt Oliver Trelenberg auf dem Rad Spenden für kranke Kinder.
Trotz Krebs und AlkoholHagener radelt für kranke Kinder und sammelte 110.000 Euro

Bricht zu seiner elften Spendenreise quer durch Deutschland auf: Oliver Trelenberg
Copyright: Federico Gambarini/dpa
„Jammern, das ist für mich weggeschmissene Lebenszeit“, äußert sich Oliver Trelenberg. Der aus Hagen stammende Mann, der aktuell seine elfte aufeinanderfolgende Sommertour durch die Bundesrepublik unternimmt, um Unterstützung für Mitmenschen zu generieren, hätte genügend Anlass zur Hoffnungslosigkeit besessen. Trotzdem konnte er im Verlauf des letzten Jahrzehnts 110.000 Euro für unterschiedliche Hilfsinitiativen zugunsten von Kindern mit schweren Erkrankungen aufbringen.
Die Lebensgeschichte von Trelenberg ist von gravierenden Rückschlägen gezeichnet: eine gewaltvolle Kindheit, eine Dekaden andauernde Alkoholsucht, zwei zerbrochene Ehen, materielle Not und eine Krebserkrankung. „Mein ganzer Lebensweg ist von vorne bis hinten Scheißdreck gewesen“, äußert der 60-Jährige unverblümt. Seine Jugend verbrachte er in einem familiären Umfeld, das von Missbrauch und Trunksucht dominiert wurde. „Ich habe im Alter von elf, zwölf Jahren angefangen zu saufen und war dann bis 2003 schwerer Alkoholiker“, erzählt er. Die seelischen Wunden aus seiner Jugendzeit behandelt er bis in die Gegenwart therapeutisch.
Die Kehrtwende nach langer Sucht

Vor ihm liegen knapp 5.000 Kilometer und mehr als 80 Tagesetappen.
Copyright: Federico Gambarini/dpa
Seinen Abschluss an der Hauptschule erreichte er mit großer Mühe, eine Ausbildung als Schlosser beendete er vorzeitig. „Im Prinzip konnte ich das Leben nur im Suff ertragen“, so Trelenberg. Eines Tages aber war der Punkt erreicht, an dem es ihm reichte. „Jeden Morgen so im Tran wach werden, Restalkohol - das hat mich einfach angekotzt.“ Er löste nicht nur seine zweite Ehe auf, sondern beendete auch abrupt seinen Alkoholkonsum – und das ohne stationäre Behandlung. Der Mann aus Hagen beteuert, seither vollkommen abstinent zu sein.
Um einen Rückfall zu vermeiden, wurde das Fahrradfahren zu seiner Stütze. Dabei handelte es sich für ihn nicht um eine athletische Herausforderung, sondern um Balsam für die Seele. „Ich steige aufs Rad, suche mir einen Weg durch die Natur und mir geht's dann einfach gut“, so beschreibt er seine Methode zum Fortbestehen.
Krebserkrankung als weiterer Rückschlag
Ein Jahrzehnt nach seiner erfolgreichen Abkehr vom Alkohol brachte ihn eine weitere Diagnose in eine Notlage: Kehlkopfkrebs. Ein Teil des Kehlkopfs musste von Medizinern entfernt werden, was nachhaltige Auswirkungen nach sich zog. Trelenberg leidet seitdem unter ständiger Atemnot sowie der Gefahr eines Krampfes im Kehlkopf bei zu großer Anstrengung. Weil sein Kehldeckel nicht mehr vorhanden ist, ist die Gefahr, sich an Nahrung zu verschlucken und zu ersticken, gestiegen.

Vor drei Jahren wurde er für sein Engagement von Ministerpräsident Hendrik Wüst mit dem NRW-Verdienstorden ausgezeichnet. (Archivbild)
Copyright: David Young/dpa
„Ich bin dadurch schon schwer eingeschränkt“, räumt er ein. Für ihn hat es jedoch eine höhere Priorität zu demonstrieren, was dennoch machbar ist. Nach dem chirurgischen Eingriff erarbeitete er sich seine Ausdauer schrittweise wieder. Als er im Jahr 2014 auf Tagesetappen eine Gesamtstrecke von 5.000 Kilometern erreichte, entwickelte sich der Gedanke, seine Passion für einen guten Zweck einzusetzen – obgleich seine Rente aufgrund von Erwerbsminderung kaum zum Bestreiten des Lebensunterhalts genügt.
„Oli radelt“ als neuer Lebenszweck
Unter der Bezeichnung „Oli radelt“ ist er seit 2015 jeden Sommer mit dem Fahrrad unterwegs, um Spenden zu akquirieren. Er verteilt dabei Flugblätter mit seiner Biografie und den notwendigen Bankdaten für Zuwendungen und bereist so die Bundesrepublik. Diese Tätigkeit ist für ihn sowohl Lebensaufgabe als auch Sinngebung. Mittlerweile hat er alle 55 deutschen Fernradwege zumindest abschnittsweise befahren, wobei er seit ein paar Jahren ein elektrisch unterstütztes Fahrrad verwendet.
Seine allererste Tour widmete er dem Sammeln von Geldern für den Hospizdienst für Kinder in Schwerte, dem Ort seiner Geburt. Ein Anliegen war ihm dabei auch, die öffentliche Wahrnehmung seiner Person zu verbessern. „Dann haben die Leute gesehen: Guck mal, das ist gar nicht mehr der Typ, der immer nur besoffen auf der Kirmes rumgelegen hat. Der macht jetzt was anderes.“
Hohe Anerkennung für soziales Engagement

Die Folgen seiner Krebserkrankung schränken ihn ein - doch Radfahren tut ihm gut, solange er sich nicht überanstrengt.
Copyright: Federico Gambarini/dpa
Die Planung seiner Fahrten erfolgt durch Trelenberg mit großer Sorgfalt. Er ist durchgehend solo unterwegs, um seine Rastzeiten selbst bestimmen zu können und sich nicht für das Meiden von Biergärten rechtfertigen zu müssen. Sein Trikot mit dem Aufdruck „Radeln für den guten Zweck“ erleichtert die Kontaktaufnahme mit Passanten. Spenden in bar akzeptiert er aus Prinzip nicht.
Sein Einsatz brachte ihm außergewöhnliche Ehrungen ein. Er hatte die Gelegenheit, sein Vorhaben dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zu präsentieren und wurde vor drei Jahren von Hendrik Wüst, dem Ministerpräsidenten von NRW, mit dem Landesverdienstorden ausgezeichnet. „Ich komme aus der Gosse, vom Rande der Gesellschaft. Da ist natürlich die höchste Auszeichnung des Landes schon eine geile Sache“, sagt Trelenberg, hebt aber hervor, dass solche Ehrungen nicht seine Motivation darstellen.
Seine aktuelle Fahrt erstreckt sich bis Mitte August über eine Distanz von fast 5.000 Kilometern und durchquert dabei zwölf Bundesländer. Die Route startet in Bochum, führt durch das Ruhrgebiet und das Münsterland nordwärts und endet schließlich wieder in Nordrhein-Westfalen. Ein Ende seiner Touren ist für ihn nicht in Sicht: „Ich mache das, bis ich tot vom Rad falle.“ (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.