Persönliche „Tiefpunkte“, ein lebensverändernder Spaziergang und eine Kettensäge als Therapie: Im Podcast mit Robin Gosens gab Hendrik Wüst ehrliche Einblicke in seine Gedankenwelt und sein Leben abseits vom Plenarsaal. Außerdem verriet er, warum ihn ein Angebot Armin Laschets um den Schlaf brachte.
„Ging mir dreckig“Hendrik Wüst berichtet in Podcast von „Tiefpunkt“ seines Lebens

Hendrik Wüst ist seit 2021 der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. (Bild: Getty Images / Thomas Niedermueller)
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Zwischen AKW-Laufzeitverlängerung, Sarrazin-Debatte und Stuttgart 21: 2010 war ein bewegtes politisches Jahr in Deutschland. Doch für Hendrik Wüst, den heutigen Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, rückte die politische Sphäre damals in den Hintergrund. „Es gab Momente in meinem Leben, wo es mir dreckig ging“, blickt der 50-Jährige im Podcast „Wie geht's? Mit Robin Gosens“ nun zurück. Damals sei nur nicht sein Vater gestorben, sondern er habe sich auch frisch getrennt und sei als Generalsekretär der CDU Nordrhein-Westfalen zurückgetreten.
Nach diesem „relativ umfassenden Tiefpunkt“ sei er mit einer „existentiellen Frage“ konfrontiert gewesen: „Was mache ich jetzt eigentlich mit meinem Leben?“ Er habe damals das Glück gehabt, immer gute Freunde und eine unterstützende Familie an seiner Seite zu haben. Ein langer Spaziergang mit seiner Schwester habe Wüst damals viel dabei geholfen, seine Gedanken zu sortieren.
Zudem habe er damals „ein paar Wochen im Garten meines Elternhauses“ verbracht: „Ich habe jeden Tag einen Baum entwurzelt.“ Damit gelang es dem heutigen Ministerpräsidenten, seine Gedanken zu ordnen: „Ich hatte die Hände blutig von Schwielen, ein paarmal musste ich die Kettensäge nachschleifen lassen, aber ich hatte meinen Kopf sortiert.“
Hendrik Wüst über Angebot von Armin Laschet: „Habe echt schlecht geschlafen“
Aus dieser Zeit habe er zwei entscheidende Dinge gelernt, berichtet der Politiker dem Podcast-Gastgeber, Ex-Fußballnationalspieler Robin Gosens. Einerseits habe er damals einen „Wurzelschlag“ in seiner Heimat gewagt und ein Haus auf dem Grundstück seiner verstorbenen Eltern gebaut. Andererseits habe er wertvolle Erfahrungen in einem Job außerhalb der Politik gesammelt. Dabei habe er gelernt, „nicht zu sehr abhängig zu sein in so jungen Jahren von einem Umfeld, das kaum Lob, kaum gutes Feedback bereithält“.
Trotzdem kehrte er 2017 in die Vollzeitpolitik zurück - trotz unterschriftsreifem Vertrag für einen Job außerhalb von Parlament, Gesetzgebung und Ausschüssen. „Ich habe sehr damit gerungen, wieder voll in die Politik reinzugehen“, beschrieb Wüst seine damaligen Überlegungen. Zudem habe er den Eindruck gehabt: „Einen Hendrik Wüst hätte es im Kabinett von Armin Laschet eigentlich nicht gebraucht. Es hätte keiner gesagt: Der Bursche fehlt da jetzt. Dafür war ich nicht besonders genug.“
Doch als ihn der damals frisch gewählte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet zum Kaffee einlud, sei alles anders gekommen. Danach habe er erst einmal „echt schlecht geschlafen“. Unter anderem habe Wüst damals die Frage beschäftigt: „Bin ich bereit, mich wieder voll in die Öffentlichkeit zu begeben?“ Auch aufgrund des klaren Bekenntnisses seiner damaligen Frau (“Ich bin bei dir, und wir zusammen schaffen das eine wie das andere“) gab er Laschet den Daumen nach oben - und wurde Verkehrsminister Nordrhein-Westfalens. Heute sagt er: „Ich habe das nie bereut.“ (tsch)