Laut dem norwegischen Rundfunk NRK sieht sich die norwegische Königsfamilie mit einer neuen juristischen Auseinandersetzung konfrontiert. Neben den laufenden Verfahren um den ältesten Sohn von Königin Mette-Marit steht nun deren Bruder Espen Høiby im Fokus der Justiz.
Rund 60 ehemalige Schüler einer insolventen Flugschule fordern Schadenersatz von dem 67-Jährigen sowie von dem langjährigen Geschäftsführer Per Mikael Eriksson.
Die Betroffenen werfen den Verantwortlichen laut Angaben der Gewerkschaft Parat unter anderem vor, zu spät Insolvenz angemeldet und gegen das Buchführungsgesetz verstoßen zu haben.
Insolvenz der „Pilot Flight Academy“: 60 Flugschüler verklagen Bruder von Königin Mette-Marit
Die „Pilot Flight Academy“ am Flughafen Torp hatte kurz nach dem Jahreswechsel Insolvenz anmelden müssen. Durch die Pleite verloren rund 160 angehende Piloten ihren Ausbildungsplatz und etwa 40 Beschäftigte ihre Arbeitsstellung. Viele der Schüler hatten ihre Studiengebühren in Höhe von rund 250.000 norwegischen Kronen im Voraus entrichtet, welche durch die Insolvenz verloren gingen.
Der Insolvenzverwalter Kåre Jølberg hatte nach der Pleite einen kritischen Bericht vorgelegt und die Angelegenheit im Juni an die Polizei weitergeleitet. Laut Jølberg hätte das Unternehmen viel früher einen Insolvenzantrag stellen müssen, da der Verdacht bestehe, die Unternehmensleitung habe Informationen über die finanzielle Krise bewusst zurückgehalten. Ob die Polizei offizielle Ermittlungen einleitet, ist nach Angaben des norwegischen Rundfunks NRK derzeit noch offen.
Verteidigung weist sämtliche Vorwürfe entschieden zurück
Die beschuldigten Espen Høiby und Per Mikael Eriksson lassen sich rechtlich von Anwalt Kristoffer Aasebø vertreten. Dieser wies die Anschuldigungen gegenüber dem Sender NRK entschieden zurück. Laut Aasebø gibt es keinerlei Grundlage dafür, Espen Høiby in dieser Sache zu verklagen.
Zur Begründung erklärte der Anwalt, Høiby habe niemals ein Vorstandsamt bei der Pilot Flight Academy bekleidet und das Unternehmen auch nicht gegenüber den Studierenden vertreten. Die Darstellung der Kläger bezeichnete die Verteidigung als unrichtig und unausgewogen.
Auch die Vorwürfe gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Per Mikael Eriksson wies der Verteidiger zurück. Eriksson habe sich während seiner Amtszeit auf Informationen der Geschäftsführung sowie auf Zusagen der Eigentümer verlassen, weiteres Kapital bereitzustellen. Wie hoch die von den Klägern geforderte Entschädigung im Detail ausfallen soll, ist bislang nicht öffentlich bekannt gemacht worden.
Für das norwegische Königshaus bedeutet der Fall eine weitere Belastung in einer ohnehin krisenhaften Phase, die unter anderem von gesundheitlichen Rückschlägen der Königin und dem Thronwechsel im Sommer geprägt ist. (jag)

