Sie sei „dumm“, „klein“, fliege „sehr viel“ - all das muss sich Luisa Neubauer am Rande einer AfD-Kundgebung anhören. Am Ende ihres Besuchs an der Seite von YouTuber Marcant zeigt sich die Klimaaktivistin deprimiert und ratlos.
Nach Gespräch mit AfD-Wähler ist Luisa Neubauer baff„Tut mir in der Seele weh, das zu hören“

Luisa Neubauer spricht mit AfD-Wählern - und muss sich dabei so einiges gefallen lassen. (Bild: Screenshot YouTube / marcant)
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„Danke, dass du das heute für mich übernimmst. Danke, dass du den Hass heute auf deine Kappe nimmst“, scheint Marcant froh zu sein, auf seiner „Ost-Tour“ prominente Unterstützung zu haben. In einem aktuellen Video des YouTubers zieht es ihn gemeinsam mit Klima-Aktivistin Luisa Neubauer auf ein in Mecklenburg-Vorpommern stattfindendes „Familienfest“ der AfD. Nach einigen Gesprächen mit Besuchern der Veranstaltung erkennt diese, dass sie zum ersten Mal mit ihrer „Kommentarspalte gesprochen“ habe - der „AfD-Beleidigungsfraktion“, wie sie anmerkt.
„Ich dachte, du bist immer so groß - du hast so eine Schnauze“, muss sich Neubauer unter anderem anhören, von einem Mann, den die 30-Jährige nach seinen Beweggründen für den Besuch der Kundgebung fragt. „Du bist so klein“, stichelt er weiter, ohne die Frage zu beantworten: „Wie süß! Wenn du bloß nicht so dumm wärst.“
Auch Neubauers nächster Gesprächpartner scheint die Aktivistin bereits zu kennen. „Sie fliegen sehr viel, ne?“, wirft er ihr an den Kopf, was die „Fridays For Future“-Bekanntheit zu der Annahme veranlasst, dass ihr Gegenüber sich um den Planeten sorge. „Die AfD plant ja aber nicht für Klima und Umwelt, da plant sie ja wirklich das Gegenteil von gut“, sagt sie - und erfährt:“Nein, das können Sie vergessen! Die planen mehr für die Umwelt als Sie.“
Luisa Neubauer: „Es war genuin interessant und genuin deprimierend“
Im späteren Verlauf des Interviews erklärt der Mann, der Klimawandel sei „kein Problem“. „Die vereinigte Wissenschaft sagt, ist ein Problem, aber Sie sagen, ist kein Problem?“, stutzt Neubauer. Alles Propaganda, glaubt ihr Dialogpartner. „Und fanden Sie es jetzt nicht auch in diesem Sommer besonders heiß?“, wagt die Studentin einen weiteren Versuch. „Nein, kann ich nicht sagen“, entgegnet der AfD-Wähler. „Ich bin schon ein bisschen älter, ich kenne die früheren Sommer. Und da waren auch solche Hitzeperioden.“
Neubauers Verweis auf die Daten der Wetterstationen lässt er ebenso wenig gelten wie die Existenz der Klimakrise als solche. „Ich glaube nicht an Klimawandel, sagen wir so“, sagt er und ergänzt, dass er sich diesbezüglich bei der AfD „richtig abgeholt“ fühle. „Umsonst haben die Leute nicht in Sachsen-Anhalt über 40 Prozent die AfD gewählt“, gibt der Mann zu bedenken und fordert: „Man sollte sie erst mal machen lassen - und dann wird man ja sehen, ob es besser wird!“ Da kann Luisa Neubauer nur noch den Kopf schütteln. „Es tut mir wahnsinnig weh in der Seele, das zu hören“, gesteht sie.
Ihr Fazit nach der Veranstaltung: „Es war genuin interessant und genuin deprimierend, wie tief es geht.“ Sie habe „keine einzige Person getroffen, die grobe Akzeptanz hat von wissenschaftlicher Evidenz“, bedauert die Aktivistin. Zudem habe sie „eine so tiefe Frustration über aktuelle Politik“ vernommen. Sie selbst verlasse den gemeinsamen Ausflug mit Marcant mit „großem Erkenntnisgewinn“ - aber auch mit „großer Ratlosigkeit, wohin das alles führen wird“. (tsch)