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„Son of Sam“Was wurde aus dem Serienmörder David Berkowitz?

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Der Serienmörder David Berkowitz auf alten Fotos.

Der Serienmörder David Berkowitz ging als „Son of Sam“ in die US-amerikanische Kriminalgeschichte ein. (Archivbild)

David Berkowitz schockierte New York als „Son of Sam“. Fast 50 Jahre später sitzt der Serienmörder noch immer im Gefängnis.

Im Sommer 1977 lag über New York City eine ungewöhnliche Hitze, begleitet von einem flächendeckenden Stromausfall und einer Welle der Angst. Verantwortlich dafür war ein einzelner Mann mit einem Kaliber-44-Revolver: David Berkowitz, bekannt als „Son of Sam“. Zwischen Juli 1976 und Juli 1977 schoss er auf 13 Menschen, tötete sechs von ihnen und verletzte sieben zum Teil schwer. Seine Opfer waren fast ausschließlich junge Frauen und Paare in parkenden Autos.

Der Serienmörder ging neben anderen berüchtigten Tätern wie Ted Bundy oder John Wayne Gacy in die US-amerikanische Kriminalgeschichte ein. „TIME“ berichtete bereits während der Mordserie und nach Berkowitz' Festnahme mehrfach ausführlich und nahm den Fall später in die Reihe „Crimes of the Century“ über die bekanntesten Verbrechen des 20. Jahrhunderts auf. Auch die „Washington Post“ widmete den Ermittlungen, der Festnahme und den Folgen des Falls zahlreiche ausführliche Berichte.

Wer ist David Berkowitz und was waren seine Motive?

David Berkowitz wurde 1953 in New York geboren und wuchs bei Adoptiveltern auf. Nach dem Dienst in der US-Armee geriet er Mitte der 1970er-Jahre in isolierte Verhältnisse und entwickelte eine Faszination für Okkultismus.

In seinen ersten Verhören behauptete Berkowitz, ein Dämon habe ihm die Befehle zu den Morden erteilt. Der Dämon habe durch den Hund seines Nachbarn Sam Carr zu ihm gesprochen. Berkowitz bezeichnete sich deshalb in seinen späteren Briefen als „Son of Sam“ – als „Sohn von Sam“, dem Besitzer des Hundes. Die Medien griffen den Namen auf, unter dem der Serienmörder weltweit bekannt wurde.

Der unter Mordverdacht stehende David Berkowitz wird 1977 mit Handschellen von Polizisten zum Polizeipräsidium in Lower Manhattan gebracht.

Der unter Mordverdacht stehende David Berkowitz wird 1977 mit Handschellen von Polizisten zum Polizeipräsidium in Lower Manhattan gebracht. (Archivbild)

Später räumte Berkowitz jedoch ein, dass diese Geschichte frei erfunden war, um sich selbst vorzugaukeln, nicht die alleinige Verantwortung zu tragen. Nach mehreren psychiatrischen Untersuchungen wurde er als verhandlungsfähig eingestuft.

Als Motive nannte Berkowitz später in einer Netflix-Doku von 2025 vor allem Wut und Frustration sowie seine negativen Gefühle gegenüber Frauen. Zugleich beschrieb er einen starken Drang zu töten und den Wunsch, durch seine Taten Aufmerksamkeit zu erlangen. 

Wie wurde der „Son of Sam“ 1977 gefasst?

Der Durchbruch bei den Ermittlungen gelang der New Yorker Polizei nicht durch Profiling, sondern durch einen einfachen Verkehrsverstoß. In der Nacht seines letzten Mordanschlags Ende Juli 1977 beobachtete eine Anwohnerin im Stadtteil Brooklyn einen Mann, der einen Strafzettel von der Windschutzscheibe seines Autos entfernte.

David Berkowitz Mugshot

David Berkowitz tötete zwischen 1976 und 1977 bei acht Schussangriffen in New York sechs Menschen und verletzte sieben weitere. (Archivbild)

Die Auswertung der an diesem Abend ausgestellten Knöllchen führte die Ermittler nach Yonkers zu dem damals 24-jährigen Postangestellten David Berkowitz. Bei der Festnahme vor seinem Wohnhaus leistete er keinen Widerstand; im Auto fanden die Beamten die Tatwaffe. Berkowitz gestand die Taten noch in derselben Nacht vollumfänglich.

Wo ist David Berkowitz heute und sitzt er noch im Gefängnis?

David Berkowitz sitzt bis heute im Hochsicherheitsgefängnis Shawangunk Correctional Facility im Bundesstaat New York. Nach seinem Schuldeingeständnis wurde er zu sechs aufeinanderfolgenden Haftstrafen von jeweils 25 Jahren bis lebenslänglich verurteilt. Bei der Verkündung des Strafmaßes im Mai 1978 kam es im Gerichtssaal zu einem Eklat: Berkowitz rief unter anderem, er werde „sie alle töten“, woraufhin die Verhandlung unterbrochen werden musste.

In den ersten Jahren seiner Haft kam es zu einem weiteren dramatischen Vorfall: 1979 wurde Berkowitz in der Justizvollzugsanstalt Attica von einem Mithäftling mit einem Messer am Hals schwer verletzt. Er überlebte den Angriff und weigerte sich, seinen Angreifer zu nennen. In den späten 1980er-Jahren wandte sich Berkowitz dem Christentum zu und bezeichnet sich seither als wiedergeborenen Christen.

Obwohl Berkowitz grundsätzlich alle zwei Jahre für eine Bewährungsanhörung infrage kommt, strebt er keine Entlassung an. Bei seiner ersten Anhörung im Jahr 2002 bat er sogar darum, die Prüfung abzusagen. 2024 wurde seine Bewährung zum zwölften Mal abgelehnt. Für 2026 war eine weitere Anhörung vorgesehen, auf die Berkowitz jedoch erneut verzichtete.

Der heute 73-Jährige erklärte, er wolle seine lebenslange Haftstrafe bis zum Ende absitzen, da er die Schwere seiner Taten anerkenne. Im Gefängnis wandelte sich sein Leben offenbar grundlegend. In einem Schreiben an die Bewährungskommission erklärte Berkowitz 2016, Mitarbeiter der Haftanstalt Sullivan hätten ihn als „vertrauenswürdig, zuverlässig und respektvoll“ eingeschätzt. 

Er arbeitet als Helfer der Gefängnisseelsorge und engagiert sich für andere Gefangene. Gegenüber jüngeren Häftlingen nahm er laut der „New York Post“ zunehmend eine Art Vaterrolle ein.

Wer sich ausführlicher mit dem Fall beschäftigen möchte, findet bei Netflix zwei Dokumentarserien über David Berkowitz und die „Son of Sam“-Morde. „Son of Sam: Selbstporträt eines Serienmörders“ aus dem Jahr 2025 enthält unter anderem Interviews sowie historische Aufnahmen.

Die vierteilige Serie „The Sons of Sam: Ein Abstieg in die Dunkelheit“ aus dem Jahr 2021 beleuchtet vor allem die Recherchen des Journalisten Maury Terry und dessen Theorie, Berkowitz habe nicht allein gehandelt. Beide Produktionen sind bei Netflix mit deutscher Sprachfassung beziehungsweise deutschen Untertiteln verfügbar.