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Ein modernes MärchenWarum die Hochzeit von Taylor Swift die Massen fasziniert

6 min
Taylor Swift küsst Travis Kelce

Die Verlobung der beiden wurde im August 2025 bekannt. (Archivbild)

Gerüchte um eine Hochzeit von Taylor Swift und Travis Kelce gibt es viele. Was steckt hinter der Faszination für Promi-Ehen?

Gerüchte um eine Heirat von Taylor Swift und Travis Kelce halten sich hartnäckig. Doch was macht den Reiz aus? Es geht um mehr als nur Klatsch.

Könnten Taylor Swift und Travis Kelce am 3. Juli in New York den Bund fürs Leben schließen? Diese Spekulation wurde von der US-Klatschseite «Page Six» verbreitet. Ein namhafter Promi-Journalist erwähnte diesen Termin ebenfalls in einem Gespräch mit dem Sender Fox 5 in New York. Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür nicht, genauso wenig wie für den 13. Juni, ein weiteres Datum, das im Umlauf ist. Die Mutmaßungen und angeblichen Insider-Details zur vielleicht bedeutendsten Trauung des Jahres nehmen zu – und damit steigt auch das Interesse der Anhängerschaft. Was ist der Grund, weshalb die Eheschließungen von Berühmtheiten so viele Personen fesseln?

Die plausibelste Antwort dürfte Eskapismus sein. Laut der Forscherin Svenja Reiner haben Hochzeiten von Prominenten diverse gesellschaftliche Aufgaben: Für die Boulevardpresse sind sie ein sicherer Anlass zur Berichterstattung und gleichzeitig ermöglichen sie eine Art seelischer Entlastung.

Die Flucht aus dem Alltag als Erklärung

Die Moderatoren Jack Remmington und Sarel erläutern im BBC-Podcast «Famously in Love» diese Anziehungskraft als eine gezielte Pause vom persönlichen Alltag. Besonders in krisenhaften Phasen kann die Betrachtung des Lebens von anderen Personen wie eine kurze Unterbrechung wirken. Man schaut sich Zeitschriften an oder bewegt sich durch soziale Netzwerke und betritt für einen Augenblick eine fremde Sphäre.

Reiner hebt hervor, dass dieser Eskapismus nicht zwangsläufig negativ zu bewerten ist. Anstelle einer Abkehr ins Private könne er auch als Kraftquelle dienen. Die Wissenschaftlerin, die sich unter anderem mit Fankultur beschäftigt, interpretiert dies folgendermaßen: «Eskapistische Momente können auch wichtige Orte der Ruhe werden und des erneuten Zu-Kräfte-Kommens. Um sich vor Augen zu führen, dass vielleicht noch mehr geht als das, was die Realität uns manchmal so explizit oder implizit zu vermitteln versucht.»

Zugleich merkt sie kritisch an: «Auch, wenn dieser Rückzugraum bei Taylor Swift als stärkendes Moment den Ausblick auf eine weiße, heterosexuelle, monogame Ehe anbietet.» Nach ihrer Beobachtung tendieren derzeit viele Personen dazu, sich in die private Paarbeziehung zurückzuziehen. «Die Figur des Drinnies, der Introvertierten, die lieber zu Hause bleiben, erlebt seit der Corona-Pandemie einen Aufschwung und führt nicht automatisch dazu, dass man sich nach dem ruhigen Abend daheim im politischen Außen organisiert.»

Der Trend zur Romantik als gesellschaftliches Phänomen

Ein zusätzlicher Erklärungsansatz findet sich in der aktuellen Tendenz zur Romantik. Die Journalistin Salwa Houmsi äußerte kürzlich in ihrem Podcast «House of Houmsi»: «Romance ist gerade irgendwie überall in der Popkultur».

Unter «Romance» versteht man Erzählungen, die sich sehr deutlich um Liebesemotionen drehen. Dieses Genre erfährt auf Booktok sowie generell in der Literatur seit einiger Zeit einen Aufschwung. In ihrem Podcast weist Houmsi darauf hin, dass die Suchanfragen bei Google für den Ausdruck «Romance» zu Jahresbeginn erheblich zugenommen haben.

Als Beispiele führt sie die Kinofilme «Hamnet», «Wuthering Heights» und «The Drama» an, ebenso die Serie «Heated Rivalry», welche alle dieses Sujet behandeln. «Das ist so ein bisschen das, wonach sich viele gerade sehnen. Dieses Träumen nach der großen Liebe.» Dies stehe ebenfalls in Verbindung mit der derzeitigen krisenhaften Atmosphäre.

Im Bereich des Datings wird dieses Verlangen mittlerweile mit dem Begriff «Yearning» umschrieben. Kürzlich konstatierte die «Vice»: «Old-School-Romantik ist wieder in Mode». Dies korrespondiert mit der öffentlichen Darstellung der Beziehung von Swift und Kelce, einschließlich eines Verlobungsbildes inmitten eines Blütenmeers auf Instagram.

Zum Anreiz von Promi-Hochzeiten meint BBC-Moderatorin Sarel: «Ich glaube auch, dass es da eine gewisse Identifizierbarkeit gibt, vor allem, wenn es um Liebe geht». Sie fügt hinzu: «Denn jeder - wirklich jeder - braucht Liebe, in welcher Form auch immer.»

Swifts strategische Inszenierung der Liebe

Bei Swift tritt eine spezielle Dynamik zutage. Sie verbindet seit langer Zeit ihre musikalischen Werke und ihr öffentliches Bild eng mit Liebeserzählungen. Laut Reiner sei die Erwartungshaltung daher nun hoch, dieses Narrativ fortzusetzen und es «altern zu lassen». Eine Eheschließung wird von zahlreichen Anhängern wohl als konsequenter nächster Schritt wahrgenommen, als das Ende eines Kapitels in einer seit langem mitverfolgten Erzählung.

Reiner äußert: «Ich glaube, es wäre Taylor Swift genauso möglich, ihren Ehemann geheim zu halten, wenn sie es denn wollen würde». Sie fährt fort: «Aber es ist natürlich eine tolle Story, die mit diesem Ehemann verknüpft ist, auch mit ihrem Kennenlernen, dieser offensichtlichen Traumhochzeit.» Durch die Verknüpfung der privaten Beziehung mit dem öffentlichen Narrativ entstehe eine weitere Dimension: neue Themen und Erzählstränge – vom Freundeskreis bis hin zur Funktion der Brautjungfern.

Swift setzt ihre Beziehung demnach auch als Plattform für eine strategische Erzählweise ein. Es dürfte kaum ein Zufall sein, dass der Titel ihrer neuesten Single «Elizabeth Taylor» lautet. Jene Schauspielerin wird als passionierte Romantikerin angesehen und hatte acht Ehen mit sieben verschiedenen Männern.

Reiner bezieht sich auf den Podcast «Sentimental Garbage». Darin erörtern die Autorinnen Caroline O'Donoghue und Jen Cownie die These, dass Swifts neuestes Album «The Life of a Showgirl» als eine Form von Soundtrack für eine Hochzeit gestaltet wurde. Die Lieder seien nicht zum alleinigen Hören gedacht, sondern für die Tanzfläche bei einer Hochzeitsfeier – zusammen mit Kindern, der Großmutter oder Onkeln, denen man sonst nicht oft begegnet.

Prominente als moderne Märchengestalten

Eine Interpretationsweise bezüglich Swift sei, so Reiner, dass sie seit langer Zeit auf der Suche nach «dem Richtigen» sei. Hierzu füge sich das Narrativ des «Endlich gefunden» gut ein. In dieser Perspektive könnten Hochzeiten von Berühmtheiten als zeitgenössische Märchen betrachtet werden. Unter ein Verlobungsbild, welches sie im August 2025 veröffentlichte, schrieb Swift: «Deine Englischlehrerin und dein Sportlehrer heiraten.»

Hierzu merkt Reiner an: «Man hatte so Ideen von "Märchenprinz hat endlich Prinzessin gefunden", oder vielmehr andersherum». Sie führt weiter aus: «Und das hat gerade bei Taylor Swift, die sich zwar als Star, aber auch als Girl von nebenan inszeniert, stark entlastende Funktionen: Wenn dieser dorky (dt. etwa: «schrullige»), jetzt erwachsen gewordene Teenager, der immer noch am liebsten liest und Zeit mit den Katzen verbringt und sich alleine am Klavier ausdrückt, wenn also unsere Englischlehrerin ihren Traumprinzen gefunden hat, dann können wir das alle auch.»

Im Jahr 2026 scheint die Popkultur erneut stark von der Vorstellung einer überragenden Liebe eingenommen zu sein. Letztlich sagen die Mutmaßungen zur Eheschließung von Taylor Swift und Travis Kelce vermutlich auch etwas über die Sehnsüchte vieler Menschen aus: die Hoffnung auf ein glückliches Ende, selbst in schwierigen Phasen. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.