Abo

„So einen Mist singe ich nicht“Manager verrät, wie Tony Marshall seinen größten Hit hasste

3 min
Tony Marshall und sein früherer Manager Herbert Nold

Als Sänger Tony Marshall (m.) seinen 75. Geburtstag feierte, war neben seinem Sohn Marc (r.) auch sein Manager Herbert Nold mit von der Partie. (Archivbild)

Um seinen Erfolgshit „Schöne Maid“ zu boykottieren, griff Tony Marshall zu einer List, wie sein ehemaliger Manager jetzt in einem Buch offenbart.

Am Anfang seiner Laufbahn unternahm der Schlagerkünstler Tony Marshall (1938-2023) den Versuch, mit reichlich Alkohol seinen wahrscheinlich bekanntesten Erfolg „Schöne Maid“ zu vereiteln. Sein früherer Manager Herbert Nold legt in seiner Neuerscheinung „Tony, die schöne Maid und Ich“ dar, wie der studierte Opernsänger ausgerufen haben soll: „So einen Mist singe ich nicht“. Daraufhin sei Marshall verärgert in die Gaststätte im Parterre des Aufnahmestudios gegangen.

Der Sänger habe dort gezielt getrunken, um die Aufzeichnung zu torpedieren, wie die dpa meldet. „Dort trank er ein, zwei Flaschen Rotwein, bis er richtig betrunken war. Mit voller Absicht“, erläutert der mittlerweile 86-jährige Nold. Marshall sei der Annahme gewesen, dass der Produzent Jack White ihn von dem Vorhaben ausschließen würde, sollte er alkoholisiert und mangelhaft singen.

Produzent Jack White ließ sich nicht beirren

Diese Strategie war allerdings nicht erfolgreich. Der Musikproduzent White habe die Session dennoch vollendet. In seinem Werk hält Nold fest: „Der Punkt war: Wenn man eine ausgebildete Stimme wie Tony Marshall hat, dann ist es wohl gar nicht möglich, schlecht zu singen“. Die Session glückte und der Titel „Schöne Maid“ war somit fertiggestellt.

Nold agierte für eine Gesamtdauer von 44 Jahren als Manager für Marshall. „Kein anderer hat jemals einen einzelnen Künstler so lange vertreten wie ich Tony Marshall. Ich hatte damit einen Weltrekord aufgestellt.“ Seinen Posten als Kriminalpolizist gab er für diese Laufbahn auf, wie er in dem Werk erläutert, das er unlängst in Rheinmünster bei Baden-Baden der Öffentlichkeit präsentierte.

Frühe Gage auf 250 DM heruntergehandelt

Das Werk hat den Charakter einer Autobiografie, die sich hauptsächlich auf die Jahre der Zusammenarbeit mit Marshall konzentriert. Nold enthüllt darin beispielsweise, dass er Marshall seinen ersten Auftritt bei einer Sportveranstaltung im Juni 1970 vermittelt habe, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch nicht dessen Manager war. „Er wollte 500 DM Gage haben, ich handelte ihn auf 250 DM runter.“

Buchpräsentation Herbert Nold

Herbert Nold war 44 Jahre lang Marshalls Manager.

Zu einem späteren Zeitpunkt habe er sich sogar einmal als Marshall personifiziert und Signaturen gegeben. Laut Nold zog er bei seiner Tätigkeit wiederholt Nutzen aus den Kenntnissen, die er während seiner Zeit bei der Kriminalpolizei erworben hatte. Der Verfasser thematisiert in seinem Buch jedoch auch die gesundheitlichen Konsequenzen des mitunter anstrengenden Manager-Lebens.

Treffen mit Persönlichkeiten aus Politik und Sport

Das Lesen der über 300 Seiten, die Nold zusammen mit der Journalistin Andrea Röthe geschrieben hat, kommt einer Reise durch Dekaden der deutschen Musikhistorie gleich. Neben früheren Fernsehformaten wie der „ZDF-Hitparade“ und „Disco“ sowie Kunstschaffenden wie Dieter Thomas Heck, Roberto Blanco und Frank Elstner wird auch Lena Meyer-Landrut erwähnt. Nolds Wirken führte außerdem zu Begegnungen mit Berühmtheiten außerhalb des Musikgeschäfts, darunter die Fußballspieler Fritz Walter, Franz Beckenbauer und Uwe Seeler sowie politische Persönlichkeiten wie Helmut Kohl und Angela Merkel. Den Kabarettisten Dieter Hallervorden konnte er für die Förderung der Volksschauspiele Ötigheim gewinnen. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.