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Höchste Kirche der WeltSagrada Família überragt mit deutschem Kreuz Ulmer Münster

5 min
Sagrada Família in Barcelona

Papst Leo XIV. wird den Hauptturm der Basilika Sagrada Família, den Torre de Jesús, am Mittwoch (10.6.2026) segnen.

Die Sagrada Família ist nun die höchste Kirche der Welt. Doch Gaudís Bau für die Armen ist heute ein Touristenmagnet.

Wenn Papst Leo XIV. am Mittwoch in Barcelona zur Grabstätte von Antoni Gaudí in der Krypta der Sagrada Família hinabsteigt, zollt er dort einem Geistesverwandten Respekt.

Ähnlich dem als «gute Amerikaner» bekannten Robert Prevost, war der Schöpfer des heutigen Symbols von Barcelona von Bescheidenheit und starker Frömmigkeit gekennzeichnet. Er setzte sich für Bedürftige ein, würdigte die Natur als Manifestation göttlicher Ordnung und führte ein schlichtes Leben ohne Pracht.

Die Kluft zwischen Anspruch und Realität erlebte Gaudí jedoch persönlich: Als ihn 1926 eine Tram erfasste, während er zum Gebet in eine Kirche ging, verweigerte man dem schwer verletzten Mann zunächst die Hilfe. Der Grund war, dass man den einfach gekleideten Baumeister für einen Almosenempfänger hielt.

In einem Hospital für Mittellose verstorben

Drei Tage darauf, am 10. Juni 1926, verstarb Gaudí mit 73 Jahren in einem Hospital für Bedürftige. Die jetzige Ehrung erfolgt durch einen Pontifex, der während seiner Afrikareise im April appellierte, die Würde jener Menschen zu wahren, denen heutzutage häufig Unterstützung versagt wird. Das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken verlangte, dass Migranten keine schlechtere Behandlung als Haustiere erfahren dürften.

Bei seinem Ableben waren von Gaudís Lebenswerk, der Sagrada Família, für das 1882 der Grundstein gelegt wurde, nur etwa 15 Prozent abgeschlossen. Die Krypta und die äußere Apsiswand waren fertiggestellt, Teile der Geburtsfassade errichtet und vier Türme standen zur Hälfte.

Gaudí selbst soll auf die Frage nach dem Fertigstellungstermin geantwortet haben: «Mein Kunde hat keine Eile.» Diese Aussage ist weiterhin zutreffend, da der Abschluss des monumentalen Bauwerks erst in den 2030er Jahren erwartet wird.

Zerstörungen während des Spanischen Bürgerkriegs

Nach Gaudís Ableben war die Fortsetzung der Bauarbeiten nur mit erheblichen Problemen möglich. Im Spanischen Bürgerkrieg ab 1936 wurde überdies seine Werkstatt vernichtet, wobei ein Großteil der Konstruktionspläne, Gipsmodelle und Skizzen verloren ging.

Architekten, die noch mit ihm kooperiert hatten, halfen bei der Rekonstruktion der Pläne anhand von Modellfragmenten und Fotografien. Diese Aufgabe wurde durch Gaudís auf mathematischen Berechnungen basierende Konzeptionen vereinfacht.

Sagrada Família

«Die gerade Linie gehört zum Menschen, die krumme Linie gehört zu Gott», soll Gaudí der Überlieferung nach gesagt haben.

Gerade Linien mied Gaudí, da er der Überlieferung zufolge sagte, sie «gehört zum Menschen, die krumme Linie gehört zu Gott». Im Innenraum gleichen die Säulen Bäumen, deren Äste sich zum Gewölbe erstrecken und so einen Wald aus Stein formen.

Der Lichteinfall durch die farbigen Glasfenster wechselt von grünen Tönen, die für die Geburt stehen, zu roten, welche Leid und Sterben versinnbildlichen. Von «mystischem Licht» sprach Gaudí in diesem Zusammenhang. Obwohl die Gestaltung an die Natur angelehnt ist, erscheinen die Innenräume teilweise wie von einem anderen Stern. Das Interieur des Marienturms beispielsweise könnte als Schauplatz für einen Zukunftsfilm dienen.

Sagrada Família

Ein Trichter im Inneren des Marienturms lenkt das Tageslicht auf den darunterliegenden Altarraum.

Die Finanzierung des Kirchengebäudes erfolgt ausschließlich durch Spenden und Eintrittsgelder – 2025 kamen knapp 4,9 Millionen Besucher zusammen und generierten Einnahmen von 134,5 Millionen Euro. Dies macht die Basilika zum meistbesuchten Bauwerk in Spanien.

Lace ist mit seiner Frau und Tochter aus Vietnam angereist. «Wir sind katholisch und vor allem wegen der grandiosen Architektur hier, aber auch aus religiösen Gründen», äußert der junge Mann. Jessica aus dem US-Bundesstaat Tennessee sieht dies ähnlich. Sie findet die Basilika atemberaubend.

Erfolg mit Schattenseiten

Sagrada Família

Alex stammt aus Nepal und führt einen der vielen Souvenirläden in der Nähe der Sagrada Família. Zurzeit läuft der Verkauf noch besser als sonst.

Allerdings fordert dieser Erfolg einen hohen Tribut. Das Quartier um die Kathedrale versinkt in den Menschenmengen von Touristen. In der Folge klettern die Mietpreise, Einheimische ziehen weg, Wohnungen werden zu Ferienapartments und kleine Läden verwandeln sich in Andenkengeschäfte.

«Gerade jetzt kaufen die Leute mehr als sonst», sagt Alex aus Nepal, der am Eingang seines Geschäfts steht, das überwiegend mit Gaudí- und Barcelona-Nippes aus China gefüllt ist.

Carmen zeigt sich dagegen verärgert. «Ich brauche eine halbe Stunde, um die paar Blocks zu einem Supermarkt zu kommen, so viele Touristen sind ständig unterwegs», beklagt die Verkäuferin in einem kleinen Geschäft für mexikanische Lebensmittel. «Und wegen des Papstes werden bestimmt noch mehr Urlauber kommen», hegt sie die Befürchtung.

George, der aus Rumänien stammt, hat es dagegen nicht oft eilig. Vor einem Café sitzt er auf dem Gehweg, einige Münzen in einem weißen Pappbecher vor sich, während sich gegenüber die Basilika erhebt. «Wenn ich Glück habe, komme ich auf sieben Euro am Tag», berichtet der Mann, der seine Nächte auf Kartons in einem Park verbringt. Mit einem Schulterzucken ergänzt er: «Die Leute geben zurzeit weniger, ist halt Krise».

Gaudís ursprüngliche Vision einer Kirche als «Bibel aus Stein», die den oft des Lesens unkundigen Arbeitern und ihren Familien, welche in der Industrialisierung unter elenden Umständen litten, Trost spenden sollte, scheint in den Hintergrund getreten zu sein.

Tickets, die bei 26 Euro beginnen, sind heutzutage etwa zwei Wochen vorab zu erwerben. Wer an den unentgeltlichen Gottesdiensten teilnehmen will, sollte sich vorzugsweise einige Stunden zuvor einreihen.

«Als Kind war ich mit meinen Eltern oft in der Sagrada Família, aber heute ist das wegen der vielen Touristen viel zu schwierig», klagt die 55-jährige Katalanin Nuria, die unweit von Barcelona lebt.

Weltrekordhöhe durch deutsches Kreuz

Der zentrale Jesus-Turm der Basilika erreichte im Februar mit der Montage des begehbaren Doppelkreuzes seine finale Höhe von 172,50 Metern. Das von weitem erkennbare Doppelkreuz aus Stahl und Glas wurde in Deutschland hergestellt. Seit diesem Zeitpunkt ist die Sagrada Família das höchste Gotteshaus weltweit und hat damit das Ulmer Münster von diesem Rang abgelöst.

Aufstieg zur Spitze noch nicht möglich

Das beinahe 100 Tonnen wiegende Kreuz soll für Besucher voraussichtlich ab dem Jahr 2027 geöffnet werden und wird dann eine spektakuläre Panoramaaussicht über die Metropole am Mittelmeer bieten.

Derzeit finden jedoch noch Arbeiten an den Fahrstühlen statt, weshalb die Menschen dem Leitspruch des Papstbesuchs in Spanien – «Erhebt den Blick» – folgen und von der Straße aus zum neuen höchsten Punkt Barcelonas blicken müssen.

Auch dem Papst, der nach dem Gottesdienst den Turm symbolisch weihen und segnen soll, ist der Aufstieg noch nicht gestattet. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.