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Extremes WetterphänomenWas ein „Super-El-Niño“ für Deutschland und die Welt bedeutet

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Auf den Philippinen läuft ein Kind in der Provinz Cavite in einem ausgetrockneten Bewässerungskanal spazieren. Grund dafür ist das Wetterphänomen El Niño.

Auf den Philippinen läuft ein Kind in der Provinz Cavite in einem ausgetrockneten Bewässerungskanal spazieren. Grund dafür ist das Wetterphänomen El Niño. (Symbolbild)

Forscher erwarten ein außergewöhnlich starkes Wetterphänomen. Was bedeutet das für Klima, Preise und Deutschland?

Wie der US-Nachrichtensender CNN berichtet, baut sich derzeit im tropischen Pazifik ein ungewöhnlich intensives El-Niño-Ereignis auf. Nach Einschätzung von Wissenschaftlern könnte es sich um das stärkste Ereignis seit mindestens 1950 handeln.

Medien wie „The Guardian“ und „National Geographic“ sprechen daher bereits von einem „Super-El-Niño“. Prognosen zufolge könnten die Auswirkungen des Phänomens bis weit in das Jahr 2027 hinein spürbar bleiben. Doch was bedeutet das konkret für die Menschen?

Ein El Niño entsteht durch überdurchschnittlich hohe Wassertemperaturen im zentralen und östlichen Pazifik. Diese geben große Mengen Wärme an die Atmosphäre ab. Die Veränderungen breiten sich anschließend über die gesamte Erde aus – ähnlich wie die Schallwellen einer Glocke, die angeschlagen wird.

Intensität bedeutet nicht automatisch schlimmere Folgen

Experten betonen jedoch, dass ein Rekord-El-Niño nicht automatisch katastrophalere Auswirkungen haben muss als ein schwächeres Ereignis. Es ist nicht mit weltweiten Megafluten oder riesigen Stürmen zu rechnen, die gleichzeitig überall auftreten.

Vielmehr steigt mit der Stärke des Phänomens laut Wissenschaftlern die Wahrscheinlichkeit, dass typische regionale Wettermuster – sogenannte Telekonnektionen – tatsächlich eintreten. Die bessere Vorhersagbarkeit verschafft Ländern wertvolle Zeit, um sich vorzubereiten.

Mögliche Folgen weltweit:

  1. Trockenheit und Dürre: In Indonesien, Australien, Indien sowie Teilen Afrikas können laut Experten trockenere Bedingungen auftreten. Dadurch drohen Ernteausfälle und Belastungen für die Landwirtschaft.
  2. Überschwemmungen: Andere Regionen Afrikas sowie der Süden der USA müssen mit überdurchschnittlichen Niederschlägen rechnen.
  3. Milderer Winter: Für den Norden der USA wird ein vergleichsweise milder Winter erwartet.
  4. Pazifische Stürme: Während El Niño die Hurrikanaktivität im Atlantik häufig abschwächt, kann die Sturm- und Taifunaktivität im Pazifik zunehmen.

Eine direkte Wettergefahr für Deutschland lässt sich aus dem „Super-El-Niño“ nicht ableiten. „In aller Regel habe selbst ein starker El Niño keine direkten Auswirkungen auf das Wettergeschehen in Mitteleuropa, die man von normalen Fluktuationen unterscheiden kann“, sagt Armin Bunde, Emeritus der Universität Gießen.

Ein Bulldozer arbeitet am Fluss Piura in Peru. Die Regierung verstärkt dort im August 2026 Schutzmaßnahmen gegen mögliche Folgen des sich verstärkenden El-Niño-Phänomens.

Ein Bulldozer arbeitet am Fluss Piura in Peru. Die Regierung verstärkt dort im August 2026 Schutzmaßnahmen gegen mögliche Folgen des sich verstärkenden El-Niño-Phänomens.

Spürbarer könnten demnach die Folgen über die globale Wirtschaft werden: Schlechtere Ernten in wichtigen Anbaugebieten können die Preise für Lebensmittel wie Kaffee, Reis oder Kakao beeinflussen. Deutschland wäre davon vor allem über internationale Märkte und Lieferketten betroffen.

Zusätzlicher Treiber der Erderwärmung

Das Naturphänomen trifft auf eine Erde, die durch den menschengemachten Klimawandel bereits stark erwärmt ist. CNN berichtet, dass der aktuelle El Niño die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass 2026 und 2027 neue Temperaturrekorde als wärmste Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen aufstellen könnten. UN-Generalsekretär António Guterres warnte: „El Niño verstärkt sich – das gießt zusätzlich Öl in ein Planetensystem, das ohnehin schon brennt.“

Drei Männer fischen im Juli 2026 auf einem Bambusfloß auf einem ausgetrockneten See nahe dem Dorf Somang in Indonesien.

Drei Männer fischen im Juli 2026 auf einem Bambusfloß auf einem ausgetrockneten See nahe dem Dorf Somang in Indonesien. Durch die El-Niño-bedingte Dürre sind die Überreste eines versunkenen Dorfes wieder sichtbar geworden.

Auch die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) erwartet für die Monate August bis Oktober in nahezu allen Regionen der Erde überdurchschnittliche Temperaturen. Wissenschaftler betonen jedoch, dass El Niño nicht allein für einzelne extreme Hitzewellen oder Waldbrände verantwortlich ist.

Die Chance zur Vorbereitung

Wissenschaftler vergleichen El Niño mit einer riesigen Herdplatte im Pazifik, die die Atmosphäre über einer großen Fläche zusätzlich erwärmt. „Aufgrund der Vorhersagen und der hohen Sicherheit ist jetzt wirklich die Zeit, sich vorzubereiten“, sagte der Klimaforscher Jeffrey Shaman laut CNN.

Gleichzeitig bieten die vergleichsweise präzisen Prognosen eine wichtige Chance: Städte können Hitzeaktionspläne aktivieren, Landwirte ihre Aussaat anpassen und Hilfsorganisationen Lebensmittel in gefährdeten Regionen bereitstellen. (jag)