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Kölner Pegel fällt auf Rekord-TiefNRW will Krisenstab für Schifffahrt

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ARCHIV - 15.07.2026, Nordrhein-Westfalen, Köln: Binnenschiffe fahren bei Niedrigwasser vor der Kulisse des Kölner Doms über den Rhein. (zu dpa: «Wie das Niedrigwasser der Wirtschaft zusetzt») Foto: Rolf Vennenbernd/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Binnenschiffe fahren bei Niedrigwasser vor der Kulisse des Kölner Doms über den Rhein. Foto: dpa

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer will kurzfristig eine nationale Taskforce einrichten, um Maßnahmen zur Verbesserung der Transportlage zu beschließen.

66 Zentimeter in Köln, 22 Zentimeter in Düsseldorf, 150 Zentimeter in Duisburg-Ruhrort: Nach den historischen Tiefständen der Rhein-Pegel vom Sonntag schlägt NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer Alarm.

„Es sieht alles danach aus, dass sich die Lage für die Rhein-Schifffahrt verschärft. Auch an der Donau ist die Lage schwierig“, sagte der Grünen-Politiker am Sonntag. „Wir brauchen kurzfristig eine nationale Taskforce für Maßnahmen, um die Transportlage zu verbessern.“

Deshalb müsse die Niedrigwasser-Situation bei der Sonderkonferenz der Verkehrsminister das vordringliche Thema sein. Sie wollten sich am kommenden Donnerstag bei einer Videoschalte eigentlich um die Bahn-Trassenpreise kümmern.

Es sieht alles danach aus, dass sich die Lage für die Rhein-Schifffahrt verschärft
Oliver Krischer, NRW-Verkehrsminister

„Es geht darum, die Fahrrinne zwischen Duisburg und Köln besser befahrbar zu machen, gleichzeitig damit den Grundwasserhaushalt zu stabilisieren und ein langsameres Abfließen des Wassers zu erreichen“, so Krischer. Durch diese Maßnahmen werde der Rhein auch bei Niedrigwasser besser schiffbar.

Der erste Bauabschnitt zwischen Duisburg und Krefeld ist laut Krischer bereits umgesetzt. Nach Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA Rhein) konnte dort im Juli in einigen Abschnitten bei Krefeld die Tiefe der Fahrrinne stabilisiert werden. Beim zweiten Abschnitt zwischen Krefeld und Düsseldorf geht aus laut Krischer aber nicht weiter, „weil die Bundesregierung 2025 die Mittel gestrichen hat“.

Beim dritten Abschnitt zwischen Köln und Düsseldorf müsse die WSA Rhein die Planungen weiter konsequent vorantreiben. „Wir erwarten, dass der Bund die Mittel kurzfristig zur Verfügung stellt, damit gebaut und weiter geplant werden kann. Dazu werden wir bei Länder-Konferenz Rhein am 4. September mit Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg vom Bund einfordern, seiner Verantwortung für die Bundeswasserstraße Rhein endlich gerecht zu werden.“

Der Ausbau der Fahrrinne soll den Rhein auch bei Niedrigwasser besser schiffbar machen. Nach Angaben des Ministeriums sollen dafür unter anderem an einzelnen Stellen große Steine entfernt werden, die in die Fahrrinne ragen. Dadurch könnten Schiffe bei niedrigem Wasserstand mit größerer Ladung fahren, ohne auf Grund zu laufen. Das gesamte Projekt soll rund 201 Millionen Euro kosten und ist im Bundesverkehrswegeplan 2030 als vordringlich eingestuft.

In Köln selbst ist die Fahrrinne mit einer Tiefe von 2,50 Meter laut WSA Rhein ausreichend. Dort müsse daher nicht ausgebaggert werden. Schiffe, die Köln aus Richtung Norden oder Süden ansteuern, würden durch die Untiefen bei Duisburg und dem Abschnitt Koblenz/Mainz ausgebremst. Sobald diese Engpässe beseitigt sind, könnten die Frachtschiffe auch Köln problemlos passieren.

Die Lage ist ernst. Der Rhein ist eine zentrale Schlagader für den Güterverkehr in Deutschland
Thilo Schaefer, Institut der Deutschen Wirtschaft

„Die Lage ist ernst. Der Rhein ist eine zentrale Schlagader für den Güterverkehr in Deutschland“, sagt Thilo Schaefer vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Höhere Transportkosten seien die Folge. Der Druck auf Straße und Schiene nehme zu, wobei nur begrenzt ausgewichen werden könne. Deshalb drohten Engpässe in Lieferketten.

Betroffen sind Experten zufolge vor allem Branchen, die auf große Mengen an Rohstoffen und Vorprodukten angewiesen sind - etwa Chemie, Stahl und Mineralöl. „Dort lässt sich der Ausfall des Rheintransports kurzfristig nur sehr begrenzt kompensieren“, sagt Schaefer.

Drei Verbände der Recycling- und Rohstoffwirtschaft warnen gemeinsam, die Versorgung der Stahlindustrie sei gefährdet. Binnenschiffe könnten nur noch ein Drittel bis die Hälfte der üblichen Ladung transportieren. Frachtkosten auf einzelnen Verbindungen hätten sich verdrei- bis vervierfacht. Hinzu kämen Kosten wegen Verzögerungen und Umplanungen.

Die Bundesanstalt für Gewässerkunde rechnet in den kommenden Tagen mit weiter sinkenden Wasserständen. Die Niedrigwassersituation werde voraussichtlich weiter anhalten, sich räumlich ausweiten und bei ausbleibenden Niederschlägen weiter verschärfen. Moritz Axt vom WSA Rhein sagte: „Entspannung kann es erst geben, wenn großflächige, langanhaltende Niederschläge im Einzugsgebiet fallen.“ (mit dpa)