Eine Gleichberechtigung ist längst nicht erreicht. Und das wird sich nur ändern, wenn Frauen (und Männer!) weiter laut sind und dafür einstehen.
GleichberechtigungWeltfrauentag jeden Tag – bis es nicht mehr nötig ist!

Demo zum Weltfrauentag: Eine Teilnehmerin trägt ein Schild mit der Aufschrift „Feminis-muss“.
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Eigentlich müsste jeder Tag Weltfrauentag sein, die nächsten 123 Jahre. So lange dauert es dem Global Gender Gap Report 2025 des Weltwirtschaftsforums zufolge noch, bis eine vollständige Gleichstellung von Männern und Frauen weltweit erreicht ist. Die immer wieder aufkommende Frage „Warum braucht es überhaupt noch einen Weltfrauentag?“ dürfte damit eigentlich schon beantwortet sein – und die Aussage „Frauen und Männer sind doch längst gleichberechtigt“ widerlegt.
Ja, Frauen in Deutschland dürfen heute wählen, arbeiten und auch in der Ehe nicht mehr straflos vergewaltigt werden, auch wenn wir aktuell einen Bundeskanzler haben, der 1997 noch gegen die Reform stimmte, die Vergewaltigung in der Ehe strafbar machte. All diese gesellschaftlichen Fortschritte wurden aber nur errungen, weil Menschen in der Vergangenheit laut und mutig dafür eingestanden sind.
Grundgesetz sieht Gleichberechtigung vor
Es gibt aber immer noch genug gesellschaftliche Bereiche, in denen Frauen nicht ebenbürtig behandelt werden – und das, obwohl es im Grundgesetz doch heißt: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

Am Weltfrauentag findet auf dem Kölner Heumarkt eine Demonstration statt. „Gewalt gegen Frauen ist ein Männerproblem“, steht auf einem Plakat im Vordergrund.
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Um nur mal ein paar dieser Nachteile zu nennen: Da ist der Gender Pay Gap, der laut aktueller Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) sogar bereinigt immer noch bei 6 Prozent liegt. Manche Frauen verdienen hierzulande also trotz vergleichbarer Ausbildung und Job immer noch weniger als ihre männlichen Kollegen. Dazu kommt: Nur knapp jede dritte Führungskraft (29,1 Prozent) war 2024 laut Destatis weiblich. Der Anteil ist seit 2012, also in den letzten fast 15 Jahren, kaum angestiegen.
Für Gleichberechtigung laut sein – damit es keine 123 Jahre mehr dauert
Ein anderes Thema ist die Gewalt gegen Frauen. Laut der Bundeslagebilder „Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten“ und „Häusliche Gewalt“ nahmen die Straftaten gegen Frauen und Mädchen 2024 weiter zu – und die Zahl der Opfer häuslicher Gewalt war sogar auf einem Höchststand. Auffällig dabei: 70 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt sind weiblich, in Partnerschaften sogar 80 Prozent.
Es gibt leider immer noch viel zu viele Argumente dafür, dass Gleichberechtigung auch in Deutschland noch nicht erreicht ist. Damit das passiert, müssen Frauen (und auch Männer!) dafür einstehen. Denn Veränderungen kamen selten von allein, sondern weil mutige Menschen laut waren.
Dazu gehört auch, den Weltfrauentag jedes Jahr zu feiern, wie es seit 1911 in Deutschland getan wird, um für Frauenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter zu kämpfen – nicht gegen die Männer, sondern mit ihnen. Und das möglichst auch an jedem anderen Tag, damit es nicht wirklich noch 123 Jahre dauert.

