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Streit um den FeierabendIW-Chef will den Acht-Stunden-Tag abschaffen

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IW-Direktor Hüther

Es gehe nicht um mehr Arbeitszeit, sagt Hüther. (Archivbild)

Soll der Acht-Stunden-Tag fallen? Über eine flexible Wochenarbeitszeit streiten Wirtschaft, Gewerkschaften und Politik.

Die Vorteile einer angedachten wöchentlichen Arbeitszeitregelung hat Michael Hüther, der Leiter des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), hervorgehoben. Für die Industriegesellschaft sei der Acht-Stunden-Tag bedeutsam gewesen, äußerte Hüther im ARD-„Morgenmagazin“. „Wir haben heute eine sehr viel stärker dienstleistungsorientierte Wirtschaft, wir haben ganz andere Bedingungen in den Familien, wo zwei arbeiten, und damit auch ganz andere Zeitausgleiche zwischen Arbeitszeit und Freizeit, zwischen Familie und Beruf zu organisieren sind.“

In Deutschland existiert der Acht-Stunden-Arbeitstag seit dem Jahr 1918. Kontrovers diskutiert werden jedoch die Pläne von Union und SPD, alternativ einen wöchentlichen Arbeitszeitrahmen zu etablieren. Das Arbeitszeitgesetz schreibt vor: „Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten.“ Eine tägliche Arbeitsdauer von zehn Stunden ist lediglich in Sondersituationen zulässig.

Arbeitgeber und Gewerkschaften uneins

Unternehmensverbände fordern eine Lockerung der Vorschriften sowie Entlastungen, wohingegen der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die Vorhaben zurückweist.

Laut Hüther drehe sich die Debatte nicht darum, ob ein Arbeiter in der Industrie zwölf Stunden durchgehend arbeiten könne, sondern fokussiere sich im Wesentlichen auf Bürotätigkeiten. Eine gesteigerte Flexibilität und mehr Anpassungsoptionen würden zudem die Arbeitsplatzsicherheit erhöhen, weil sich der ökonomische Spielraum für Firmen einfacher und effektiver gestalten ließe. „Es geht ja nicht um mehr Arbeitszeit, sondern es geht um eine andere Verteilung der Arbeitszeit, die gegebenenfalls notwendig ist.“

Widerstand aus der Politik

Von der anvisierten Aufhebung des Acht-Stunden-Tags hat sich Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) distanziert. „Wenn es nach der SPD und mir persönlich geht, fassen wir das Thema gar nicht erst an, aber es steht im Koalitionsvertrag“, erklärte Bas. Sie appellierte auf dem DGB-Bundeskongress, zusammen mit den Sozialpartnern eine Einigung zu erarbeiten.

Der Juso-Vorsitzende Philipp Türmer erhob gegenüber Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) den Vorwurf, dass die beabsichtigte Einführung einer Wochenarbeitszeit die Belange der Beschäftigten ignoriere. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.