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PersonalmangelIn einer Buchheimer Kita ist keine Betreuung der Regelfall

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Eine Frau und ein Mann stehen vor einem Kita-Gelände.

Die Kinder von Brigitta Form und Tobias Wessels gehen in die Kita Malteserstraße, wenn die Betreuung denn sichergestellt ist.

In der Kita Malteserstraße in Buchheim kommt es immer wieder zu Betreuungsausfällen. Die Eltern berichten von einer großen Belastung.

„Die aktuelle Situation belastet uns Eltern, das Personal und unsere Kinder sehr“, sagt Tobias Wessels. Sein Kind geht in die städtische Kindertagesstätte an der Malteserstraße in Köln-Buchheim. Doch im Moment fällt diese Betreuung häufig weg: „Seit Karneval ist jede der vier Gruppen quasi einmal in der Woche geschlossen, an manchen Tagen sind auch zwei Gruppen geschlossen und gerade freitags wird die Betreuung häufig verkürzt“, berichtet Wessels, der im Elternbeirat der Kita ist, „die Nachricht darüber kommt in der Regel erst morgens, das heißt, die Unsicherheit, ob unsere Kinder betreut werden können, ist immer da, dabei haben wir einen Anspruch auf Betreuung“.

Gründe für die Gruppenausfälle seien zum einen, dass es langzeiterkrankte Kolleginnen gebe, die noch nicht vertreten werden, zum anderen habe eine Kinderpflegerin im März zu einer anderen Kita wechseln müssen, weil dort ebenfalls Personalengpässe bestehen. Wenn dann Erzieherinnen oder Kinderpflegerinnen kurzfristig krank sind, müsse die Betreuung ausfallen.

Köln-Buchheim: Kita Malteserstraße kämpft mit Personal-Engpass

Auf Anfrage dieser Zeitung gibt die Stadt Köln als Grund für die Ausfälle an: „Das Kinderbildungsgesetz NRW gibt abhängig von der Größe einer Einrichtung, den dort angebotenen Gruppenformen und dem Alter der betreuten Kinder eine personelle Mindestbesetzung vor, die für jedes Haus anhand der Vorgaben individuell berechnet wird. Sobald diese personelle Mindestbesetzung nicht eingehalten werden kann, muss die Anzahl der Kinder entsprechend reduziert werden“.

An einem Gittertor hängt ein Schild: Kindertageseinrichtung Malteserstraße 20.

In der Kita Malteserstraße in Buchheim kommt es immer wieder zu Betreuungsausfällen.

Der Anspruch der Stadt sei es, für alle Kinder ein verlässliches und bedarfsgerechtes Bildungs- und Betreuungsangebot sicherzustellen und damit die Eltern in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen. „Aufgrund der aktuellen Herausforderungen im Kita-System gelingt dies aktuell leider nicht immer“, so die Stadt.

Für die Eltern sei die Situation stark belastend, berichten Tobias Wessels und Brigitta Form, deren Kind ebenfalls in die Kita geht. Zwar würden sie einander unter die Arme greifen und versuchen, die Ausfälle aufzufangen, doch gerade für Eltern, die nicht im Homeoffice arbeiten können, sei es sehr herausfordernd. „Für das Personal ist es natürlich auch total belastend“, sagt Form, „und die Kinder müssen sich dann teils täglich auf neue Situationen und Leute einstellen, verlieren Bezugspersonen.“

250 Kitastellen in Köln sind derzeit unbesetzt

In die Kita gehen zudem viele Kinder aus zugezogenen Familien, die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben, meint Wessels: „Für diese Kinder wäre es wichtig, in der Kita entsprechend gefördert zu werden, dass die Erzieher genug Zeit haben, sich um diese Kinder zu kümmern, mit ihnen zu reden und zu spielen, um so den Spracherwerb zu fördern“.

Tobias Wessels sieht in der Situation ein allgemeines Problem und sieht die Politik in der Verantwortung: „Wir sind nicht die einzigen, denen es so geht, es braucht insgesamt mehr Geld und Personal für Kinderbetreuung.“ Personalengpässe in den Kitas seien laut Stadt aktuell keine Seltenheit. In den 211 städtischen Kitas der Stadt gebe es derzeit rund 250 vakante Stellen.

„Zur Besetzung der vakanten Stellen werden mehr qualifizierte Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt benötigt. Eine Besetzung der vakanten Stellen würde zu einer deutlichen Entlastung der Teams beitragen“, teilt die Stadt mit. Die Akquise von pädagogischen Fachkräften werde daher intensiv verfolgt. Es werden Nachwuchskräfte ausgebildet und die Zahl der Auszubildenden konnte in den vergangenen Jahren gesteigert werden. Um die Lage an der Kita Malteserstraße zu verbessern, würden Leitung und Eltern immer wieder Gespräche mit der Stadt führen, doch bisher erfolglos, erzählt Brigitta Form: „Ich habe das Gefühl, dass wir nicht gesehen werden und hauptsächlich vertröstet werden“.

Doch die Stadt teilt nun mit: „Kürzlich ist in der Malteserstraße eine notwendige Anpassung des Notfallkonzeptes erfolgt. Die Stadt Köln geht davon aus, dass diese Anpassung dazu beitragen wird, die Zahl der Betreuungsausfälle zu reduzieren.“ Für die langzeiterkrankte Mitarbeiterin soll zudem eine unbefristete Vertretung eingesetzt werden. Weitere vakante Stellen oder Langzeiterkrankungen gebe es nicht.