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Russen flüchten nach AngriffenAusnahmezustand auf der Krim – Meuterei-Drohung gegen Putin

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Ein brennendes Öldepot auf der von Russland besetzten Krim-Halbinsel. Die Ukraine greift immer wieder russische Stellungen auf der Halbinsel an. (Archivbild)

Ein brennendes Öldepot auf der von Russland besetzten Krim-Halbinsel. Die Ukraine greift immer wieder russische Stellungen auf der Halbinsel an. (Archivbild)

Videos zeigen massive Staus rund um die Krim-Brücke – gleichzeitig sorgt eine Drohung gegen Wladimir Putin in Russland für Wirbel.

Nach den jüngsten ukrainischen Angriffen haben die Behörden auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim den Ausnahmezustand ausgerufen. „Es ist eine Entscheidung getroffen worden, Dekrete zu unterzeichnen, mit denen der Ausnahmezustand auf regionaler Ebene in der Republik Krim und der Stadt Sewastopol erklärt wird“, teilte der von Russland eingesetzte Besatzungsgouverneur am Freitag im Onlinedienst Telegram mit. Es ist das erste Mal seit Beginn von Russlands Krieg, dass die Krim derartigen Energieengpässen ausgesetzt ist.

Der Ausnahmezustand ermögliche es, „Fragen im Zusammenhang mit der Aufrechterhaltung des Betriebs aller wesentlichen Sektoren mit größtmöglicher Schnelligkeit zu regeln“, schrieb der Gouverneur Sergej Aksjonow. Der Schritt soll die Freigabe weiterer Mittel ermöglichen und sieht theoretisch auch die Möglichkeit vor, Beschränkungen für die Bevölkerung vor Ort zu verhängen.

Russland: Krim steht vor einer „schwierigen Zeit“

Am Vortag hatte Aksjonow Stromabschaltungen auf der Halbinsel angekündigt, um den durch die ukrainischen Angriffe verursachten Engpässen entgegenzuwirken. Aksjonow erklärte am Donnerstag, die Krim stehe vor einer „schwierigen Zeit“, die Treibstoffsituation sei am schwierigsten.

„Ich kann weder genau sagen, wie lange es dauern wird, noch kann ich den konkreten Aktionsplan öffentlich bekanntgeben – wir ergreifen jedoch Maßnahmen“, erklärte der von Russland eingesetzte Gouverneur.

Videos zeigen massiven Stau rund um Krim-Brücke

Die Ukraine greift seit mehreren Wochen Infrastruktur und Tanklaster an, welche die Krim versorgen, um Energieengpässe zu verursachen. In der Folge wurden der Verkauf von Treibstoff eingestellt und Stromabschaltungen verhängt, aber auch Sommerlager abgesagt.

Die Krim ist trotz des Krieges, in dessen Verlauf zehntausende Menschen getötet und weitreichende Zerstörungen angerichtet wurden, ein beliebtes Urlaubsziel der Russen.

Das scheint sich nun jedoch zu ändern: Am Freitag kursierten mehrere Videos in den sozialen Netzwerken, die einen massiven Stau rund um die Krim-Brücke zeigen. Den Angaben zufolge versuchen tausende Russen, die Halbinsel zu verlassen. Unabhängig überprüfen lassen sich die Aufnahmen nicht. 

Ukrainische Angriffe sorgen für Unmut in Russland

Die ukrainischen Drohnenangriffe treffen jedoch nicht nur die Krim, auch die Hauptstadt Moskau wurde kürzlich massiv angegriffen. Bei vielen Russinnen und Russen herrscht deshalb Verunsicherung, auch offene Kritik an Kremlchef Wladimir Putin und der russischen Regierung wird mitunter laut.

Auch innerhalb der russischen Armee gibt es Medienberichten zufolge immer mehr Unmut über das Vorgehen des Kremls. Der Kriegsblogger Alexander Lunin, ein ehemaliger Soldat, veröffentlichte nun ein Video, in dem er sich an den russischen Machthaber Putin wendet.

Kriegsblogger droht Wladimir Putin offen mit Meuterei

Das Video, das laut der ukrainischen Zeitung „NV“ bereits mehr als fünf Millionen Mal aufgerufen wurde, enthält schwere Vorwürfe gegen die russische Armee. „Sehr viele Menschen werden auf Aufgaben geschickt, die völlig unmöglich sind. Und Menschen kommen von dort nicht zurück“, beklagt der Kriegsblogger etwa und fordert Gespräche mit dem Kreml.

Das Video endet schließlich mit einer offenen Drohung: „Wenn ich in naher Zeit nicht zum Kreml komme und nicht live neben euch spreche, wird die Armee ihre Waffen gegen den Kreml richten.“

Kreml reagiert auf Droh-Video von Kriegsblogger

Lunins Angaben zufolge sei er von russischen Armee-Mitgliedern aufgefordert worden, das Video zu drehen. „Niemand möchte Blutvergießen. Sagen Sie einfach dem Präsidenten, dass bei uns völliges Chaos herrscht, wenn das so weitergehen sollte“, hätten die Männer ihm gesagt, berichtete der Kriegsblogger.

Lunins Drohung sorgte schnell für großes Aufsehen in Russland. Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte gegenüber Reportern schließlich, dass die russische Regierung das Video zur Kenntnis genommen habe, wollte sich jedoch inhaltlich nicht weiter äußern.

Der Vorfall deutet auf tiefe Risse in der russischen Militärstruktur hin – ob Lunin tatsächlich zum Aufnehmen des Videos aufgefordert wurde, blieb zwar zunächst unklar. Die in dem Video erhobenen Vorwürfe sind jedoch deckungsgleich mit früherer Kritik an den Zuständen innerhalb der russischen Armee. (mit afp)