Ein russischer Geheimdienst soll maßgeblich an der Drohnenattacke von Leipzig beteiligt gewesen sein.
MedienberichteBundesregierung macht Russland für Angriff in Leipzig verantwortlich

Eine ukrainische Antonow parkt am Flughafen Leipzig/Halle hinter einem Zaun auf dem Flughafengelände. Anfang August wurde eine mit Sprengstoff ausgestattete Drohne nach der Maschine gefunden. (Archivbild)
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Die Bundesregierung geht offenbar davon aus, dass die am Flughafen Leipzig/Halle gefundene Drohne Teil eines Anschlagsversuchs im Auftrag Moskaus war. Das berichten die „Bild“-Zeitung und der „Spiegel“ am Dienstag (1. September) übereinstimmend. Die Erkenntnisse hätten sich so weit verdichtet, dass der Vorfall einem mutmaßlich russischen Geheimdienst zugeschrieben werden solle. Demnach macht Berlin Russland erstmals direkt für die Attacke verantwortlich.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Außenminister Johann Wadephul (CDU) wollen wohl offenbar noch am Dienstag über den Fall informieren. Die mit rund 600 Gramm Sprengstoff beladene Drohne war in der Nacht zum 5. August nahe einem ukrainischen Frachtflugzeug entdeckt worden, ihr Zünder hatte mutmaßlich versagt.
Wadephul kündigt ausgewogene Reaktion an
Außenminister Johann Wadephul kündigte unterdessen am Dienstag eine ausgewogene und überlegte Reaktion der Bundesregierung auf den Vorfall am Flughafen Leipzig an. „Von unserer Seite gibt es keine Überreaktionen, aber Reaktionen, wenn wir angegriffen werden“, sagte der CDU-Politiker am Rande seines Besuches in der algerischen Hauptstadt Algier. Wadephul reagierte damit auf die Frage, ob sich Deutschland vor möglichen Gegenreaktionen von Kremlchef Wladimir Putin fürchten müsse.
Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte ebenfalls von einer klaren Reaktion der Bundesregierung auf die gescheiterte Drohnenattacke gesprochen. Zu den konkreten Maßnahmen äußerte sich Wadephul ebenso wenig wie dazu, wen die Bundesregierung für den Drahtzieher hält. Unklar ist weiterhin auch, ob sich Merz persönlich zu Urhebern und Konsequenzen äußern will.
„Deutschland lässt sich in keiner Weise einschüchtern“
„Deutschland lässt sich in keiner Weise einschüchtern, und das wird auch weiterhin die Grundeinstellung unserer Politik sein“, sagte der Außenminister. Die Bundesregierung stehe „an der Seite unseres ukrainischen Partners“. Wadephul betonte: „Russland muss wissen, dass Deutschland ein Stabilitätsfaktor in Europa ist, der immer auch zu Verhandlungen bereit ist, aber der sich in keiner Weise einschüchtern lässt.“
Im ZDF-„Morgenmagazin“ sagte Wadephul, man arbeite mit Hochdruck an der Lösung, aber diese müsse sorgfältig abgestimmt werden. Man müsse genau analysieren, welche Erkenntnisse man habe, und in Ruhe absprechen, welche Konsequenzen man daraus ziehe. „Es wird aber eine konsequente Antwort der Bundesregierung geben“, ergänzte er. „Deutschland muss sich so aufstellen, dass jeder, der uns angreift, weiß, wir finden Antworten. Und das bereiten wir jetzt sorgfältig vor.“
Kiesewetter fordert Taurus-Lieferung an die Ukraine
Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter forderte derweil als Reaktion auf den Leipziger Drohnenvorfall die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine. Dies wäre „eine besonders wirksame und glaubwürdige Reaktion und daher dringend erforderlich“, sagte er dem „Handelsblatt“ nach Angaben vom Dienstag. Kiesewetter forderte zudem die Aktivierung von Artikel 4 des NATO‑Vertrags, der Beratungen der Verbündeten bei einer äußeren Gefährdung vorsieht.
Auch müsse die russische Schattenflotte strenger kontrolliert werden. „Das Ziel möglicher Maßnahmen muss sein, maximal wirksam Druck auf Russland auszuüben“, betonte Kiesewetter. Der CDU-Politiker forderte die Bundesregierung auf, „den politisch bequemen Weg der Beschwichtigung“ zu verlassen. (das/dpa)

