Evangelischer KirchentagPräsident de Maizière attackiert Kölner Kardinal Woelki

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Thomas de Maizière (CDU), Präsident des 38. Deutschen Evangelischen Kirchentags in Nürnberg, präsentiert auf einem Tablet die Programm-App. Um den Hals trägt er einen Kirchentagsschal mit dem Motto „Jetzt ist die Zeit“.

Thomas de Maizière (CDU), Präsident des 38. Deutschen Evangelischen Kirchentags in Nürnberg

Der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags hält Woelki und Meisner für die Totengräber des liberalen rheinischen Katholizismus.

Der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags (DEKT), Thomas de Maizière, hat einen Totalverfall des rheinischen Katholizismus unter den Kölner Erzbischöfen Rainer Woelki und dessen Vorgänger Joachim Meisner beklagt. „Köln war der Inbegriff der katholischen Liberalität, aber unter den Kardinälen Meisner und Woelki ist das jetzt ins Gegenteil abgeglitten“, sagte de Maizière der „Zeit“-Beilage „Christ und Welt“. Er habe den rheinischen Katholizismus mit seiner „fröhlichen, sinnlichen Form des christlichen Glaubens“ immer bewundert, fügte der CDU-Politiker und frühere Bundesminister hinzu, der schon seit vielen Jahren dem Präsidium des DKT angehört.

Zugleich warf de Maizière dem Erzbistum Köln vor, durch seinen Umgang mit dem Thema Missbrauch „ganz sicher einen „Reputationsschaden für alle Kirchen“ auszulösen. „Viele im Rheinland treten aus der evangelischen Kirche aus. Dabei wird sogar auf die katholische Kirche als Täterorganisation verwiesen.“ De Maizière räumte ein, dass auch seine Kirche ein Problem bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs habe.

De Maizière sieht katholische „Machtballung“ als Problem

Obwohl dazu für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erst im Herbst belastbare Zahlen vorgelegt werden sollen, vertrat de Maizière die These, der Missbrauch im evangelischen Raum habe „wohl nicht das Ausmaß wie in der katholischen Kirche gehabt“. Machtstrukturen, die Täter schützen, „mag es auch bei uns gegeben haben“. Zumindest aber mischten sich „bei unserer Aufarbeitung Person und Institution nicht so unerträglich“, erklärte de Maizière, wiederum mit Blick auf die katholische Kirche. „Wir haben zum Glück nicht diese Machtballung beim Bischof, der Chef über alles ist, gleichzeitig Judikative und Beschwerdeinstanz. Wie soll man da aufklären?“

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An diesem Mittwoch beginnt in Nürnberg der 38. Deutsche Evangelische Kirchentag. Bis Sonntag werden bis zu 100.000 Teilnehmer zu den rund 2000 Veranstaltungen unter dem Motto „Jetzt ist die Zeit“ erwartet. Am Dienstag musste die Ratsvorsitzende der EKD, die westfälische Präses Annette Kurschus, ihre Teilnahme wegen einer Corona-Erkrankung absagen. Aus der Bundespolitik kommen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kanzler Olaf Scholz (SPD), Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sowie eine Reihe von Ministerinnen und Ministern zum Kirchentag.

Erstmals seit 1979 nimmt die Kurschus‘ Vorgängerin Margot Käßmann nicht am Kirchentag teil. Das größte und wichtigste Treffen evangelischer Christinnen und Christen findet in der Regel alle zwei Jahre statt. Auf dem Nürnberger Kirchentag wünscht de Maizière als Präsident sich „einen offenen, ehrlichen Austausch untereinander, um der Zeit gerecht zu werden und gemeinsame Schritte zu gehen“.

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