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Kommentar

Hitzeschutz im Grundgesetz?
Schluss mit den falschen Debatten

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3 min
Am Rhein sind die Folgen der lang anhaltenden Trockenheit eindrucksvoll zu sehen.

Am Rhein sind die Folgen der lang anhaltenden Trockenheit eindrucksvoll zu sehen.

Es gibt so viel dringendere Klimaschutz-Themen als die Aufnahme von Hitzeschutz ins Grundgesetz. 

Nach diesem Dürre-Sommer mit einem ausgetrockneten Rhein und Waldbränden, die nicht mehr in Spanien, Griechenland oder der Türkei, sondern direkt vor unserer Haustüre lodern, können wir uns mal wieder große Gedanken machen. Über die Aufnahme des Hitzeschutzes in das Grundgesetz. Oder über die Verschärfung der Strafen für vorsätzliche und fahrlässige Brandstiftung. Weil es genau jetzt offenbar so dringend nötig ist, über das Für und Wider einer Verfassungsänderung für mehr Klimaanpassung zu diskutieren. Die SPD ist dafür, die CDU dagegen. Eine Grundgesetzänderung ist ohne die Stimmen der Opposition nicht möglich.

Genau diese Debatten können wir uns endlich wieder leisten. Schließlich hat es am Montag nach fast zwei Monaten kräftig geregnet. Fast vier Stunden. Zumindest in Köln. Damit wir in der nächsten Dürreperiode mit neuen Waldbränden und Binnenschiffen, die mit einem Fingerbreit Wasser unter Kiel über den Grund des Rheins schrappen, einen im Grundgesetz verankerten Hitzeschutzschirm über Deutschland spannen können. Der Keller brennt nicht mehr so heftig. Also lasst uns voll darauf konzentrieren, den Dachstuhl aufzuräumen. Dann wird alles wieder gut.

Nein. Nichts wird gut. Weil wir doch längst wissen, dass der Rhein nicht mehr Wasser führen wird, wenn wir die Fahrrinne vertiefen. Es wird bei Niedrigwasser nur noch schneller ablaufen und den Auen endgültig den Todesstoß versetzen. Und es ist auch keine neue Erkenntnis, dass unser Wald keine Holzfabrik ist, in der vor acht Jahren zum Tode verurteilte Fichten bloß durch Douglasien ersetzt werden müssen, weil die sich in den kommenden 50 Jahren als widerstandsfähiger erweisen könnten. Nein. Unserem Wald geht es so dreckig wie nie. Er braucht seine Ruhe. Zu dieser vor zehn Jahren noch radikalen Erkenntnis kommen immer mehr Fachleute. Keine Plantagen mehr, kein Anbau von Mischware aus der Baumschule. Weil jede Aufforstung eine monotone Altersstruktur bedeutet, spätestens seit 2018 mit der historischen Borkenkäfer-Vermehrung nach dem Orkan Friederike im Januar und einem Dürre- und Hitzesommer, der bis vor wenigen Wochen als das Wetterextrem schlechthin galt. Bis zum Sommer 2026.

Doch jetzt erklären Sie mal einem Waldbauern in Nordrhein-Westfalen – der Privatanteil liegt im bevölkerungsreichsten Bundesland zwischen 63 und 67 Prozent und ist damit der höchste in Deutschland – dass er die Finger von seinem Eigentum lassen soll. Für die nächsten 50 Jahre. Weil die erste Aufgabe des Waldes nicht mehr dessen wirtschaftliche Nutzung sein darf. Sondern Klimaschutz und Erholung. Und es deshalb nichts Klügeres gibt, als den Wald einfach wachsen zu lassen. Dabei ist das Konzept, statt mit intakten Wäldern mit Monokulturen und Holzplantagen Geld zu verdienen, spätestens seit der Borkenkäferplage 2018 gescheitert. Sowohl in ökonomischer als auch in ökologischer Sicht. Kaum ein Waldbauer wird das zugeben, doch ein Weiter so darf es nicht geben.

Man wird ihn nur überzeugen können, wenn er mit Fördergeldern unterstützt wird, den Wald in Ruhe regenerieren zu lassen, anstatt immer neue Verwertungsketten mit anderen Baumarten anzuschieben. Und das über eine komplette Waldbauern-Generation. Weil das das Eingeständnis wäre, dass man mit Holz zwar bauen, aber einen Wald nicht umbauen kann. Weil er dann keiner mehr ist. Das schafft keine Bundesregierung – schon gar nicht in einer Legislaturperiode. Dann doch lieber einen Hitzeschutzschirm aufspannen. Als Schattenspender für das Grundgesetz.