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Kinder im NetzMinisterin drängt auf Altersgrenze für Social Media – Experten empfehlen andere Optionen

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Ein Schild mit einem durchgestrichenen Smartphone und der Aufschrift „Auf dem ganzen Schulgelände – zu jeder Uhrzeit! DANKE!“ hängt am Zugangstor zum Schulhof eines Gymnasiums und weist auf ein generelles Handyverbot hin. Auch dazu hat Karin Prien konkrete Forderungen. (Archivbild)

Am Zugangstor eines Schulhofs hängt ein Schild mit einem durchgestrichenen Smartphone und der Aufschrift: „Auf dem ganzen Schulgelände – zu jeder Uhrzeit! Danke!“ hängt am Zugangstor eines Schulhofs. (Archivbild)

Experten lassen mehrere Wege offen, aber Bundesfamilienministerin Karin Prien legt sich auf 13 Jahre fest.

Ab welchem Alter sollten Kinder soziale Netzwerke nutzen dürfen? Über diese Frage wird in Deutschland zunehmend kontrovers diskutiert. Nun hat die von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission zum Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt ihren Abschlussbericht vorgelegt – und dabei bewusst auf eine eindeutige Empfehlung für ein Social-Media-Verbot verzichtet.

Auf 116 Seiten formuliert das Gremium insgesamt 56 Vorschläge, die als Grundlage für eine nationale Strategie zum Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum dienen sollen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie junge Menschen besser vor Risiken wie Cybermobbing, Fake News, Deepfakes, problematischen Schönheitsidealen, gefährlichen Gesundheitstrends oder der emotionalen Abhängigkeit von KI-Chatbots geschützt werden können.

Was die Kommission vorschlägt – und was Bildungsministerin Prien fordert

Gerade bei der viel diskutierten Altersgrenze für soziale Netzwerke bleibt die Kommission offen. Sie schlägt zwei mögliche Modelle vor: Entweder ein gesetzliches Mindestalter von 13 Jahren mit abgestuften Schutzmaßnahmen bis zur Volljährigkeit. Oder einen risikobasierten Ansatz, bei dem einzelne Funktionen und Plattformen je nach Gefährdungspotenzial unterschiedlich reguliert werden.

Einigkeit besteht allerdings in einem Punkt: Die Regeln sollten möglichst europaweit gelten. Nationale Alleingänge seien schwer durchzusetzen, solange große Plattformen grenzüberschreitend arbeiten.

Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) geht deutlich weiter als die Experten. Sie wirbt für eine gesetzliche Altersgrenze von 13 Jahren für Dienste wie TikTok, Instagram oder Snapchat – verbunden mit einer verlässlichen Alterskontrolle und zusätzlichen Schutzvorkehrungen für Jugendliche.

Kinder unter 13 Jahren sollen nach ihrem Willen nur auf nachweislich kindgerechte und risikoarme Angebote zugreifen können. Zudem möchte Prien die elterliche Medienerziehung rechtlich festschreiben, ähnlich wie die gewaltfreie Erziehung. Plattformbetreiber sollen verpflichtet werden, ihre Angebote von Beginn an kindersicher zu gestalten.

An der Altersgrenze gibt es Kritik: Anbieter in die Pflicht nehmen

Noch in diesem Jahr könnten nach ihren Angaben erste Gesetzentwürfe entstehen. Parallel setzt die Bundesregierung auf eine europäische Lösung. Die EU-Kommission plant ihre Vorschläge im September vorzulegen.

Viele Fachleute halten die Altersgrenze allerdings nur für einen Teil der Lösung. Der Entwicklungspsychologe Sven Lindberg warnt davor, die Debatte auf eine einzelne Zahl zu reduzieren. Entscheidend sei, wie digitale Plattformen gestaltet werden.

Die Kommission fordert deshalb tiefgreifende Änderungen bei den Diensten selbst. Personalisierte Werbung für Minderjährige, endlose Feeds, automatische Wiedergaben von Videos oder Belohnungssysteme für möglichst lange Nutzungszeiten sollen eingeschränkt oder verboten werden. Standortfreigaben und Online-Status sollen standardmäßig deaktiviert sein, während Zeitlimits und geschützte Privatsphäre-Einstellungen voreingestellt werden sollen.

Studie: Social-Media-Grenze in Australien hat kaum Auswirkungen

Wie schwierig die Umsetzung sein kann, zeigt der Blick nach Australien. Dort gilt seit Ende 2025 ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige. Erste Untersuchungen fallen ernüchternd aus: Drei Monate nach Einführung der Regelung gaben 85 Prozent der befragten Jugendlichen an, soziale Netzwerke weiterhin zu nutzen. Viele umgingen die Altersbeschränkungen mit falschen Angaben oder fremden Konten. Ein Drittel berichtete sogar, überhaupt keine Alterskontrolle erlebt zu haben.

IT-Sicherheitsexperte Tibor Jager sieht darin ein grundsätzliches Problem – denn Altersverifikationen seien oft leicht zu umgehen. Statt Jugendliche aus digitalen Räumen auszuschließen, müsse man die Plattformen selbst sicherer machen. Den australischen Weg will aber beispielsweise auch Großbritannien gehen.

Handys raus aus der Schule – KI-Begleiter ebenfalls im Fokus

Der Bericht der Kommission geht weit über die Social-Media-Frage hinaus. Empfohlen wird unter anderem ein bundesweites Verbot der privaten Handynutzung im Unterricht und in den Pausen bis einschließlich der siebten Klasse. 

Besondere Aufmerksamkeit widmen die Experten außerdem sogenannten KI-Begleitern. Diese digitalen Gesprächspartner seien darauf ausgelegt, emotionale Nähe aufzubauen. Gerade jüngere Kinder könnten oft nur schwer erkennen, dass es sich nicht um echte zwischenmenschliche Beziehungen handelt. Für solche Angebote schlägt die Kommission daher ebenfalls eine Altersgrenze von 13 Jahren vor.

13, 14, 16 Jahre – oder doch bei digitalen Plattformen ansetzen?

Auch innerhalb der Politik gibt es bislang keine einheitliche Linie. Während Teile von CDU und SPD eine feste Altersgrenze befürworten, deren Höhe allerdings variiert, sprechen sich andere Stimmen für differenzierte Regeln je nach Plattform und Risiko aus. Verbraucherschützer und die Bundesschüler*innenkonferenz setzen vor allem auf mehr Medienkompetenz und strengere Vorgaben für die Anbieter.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer formuliert es so: Nicht Kinder müssten aus sozialen Netzwerken herausgehalten werden, sondern die Plattformen stärker in die Verantwortung genommen werden. Die digitale Welt müsse sich an den Bedürfnissen von Kindern orientieren – nicht umgekehrt. (dpa/afp/sbo)