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Kommentar

CSD-Attentat
Wenn Terroranschläge drohen, geht Opferschutz vor Täterschutz

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Die Stille nach dem Angriff: Ein Ort des Gedenkens im Berliner Tiergarten. Sean Gallup

Die Stille nach dem Angriff: Ein Ort des Gedenkens im Berliner Tiergarten. Sean Gallup

Wer wegen des Berliner Attentäters Abdul B. ein schärferes Jugendstrafrecht fordert, muss auch wissen: Gefängnisse sind keine Besserungsanstalten.

Am Montag nach dem fürchterlichen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day wirkt alles wie ein böser Traum. Eine Frau ist tot. Viele Menschen werden lebenslang unter den physischen und psychischen Folgen des Attentats leiden. Der Täter lebt ebenfalls nicht mehr. Fragen können, wenn überhaupt, nur noch seine Angehörigen beantworten oder jene, die beruflich mit dem 21-jährigen Abdul B. zu tun hatten.

Forderungen nach härteren Strafen und Verschärfungen insbesondere des Jugendstrafrechts sind nach all den Vorgängertaten nachvollziehbar. Und sie sind, insoweit politischer Extremismus im Spiel ist, auch richtig. Denn dann sind rasch Menschenleben in Gefahr. Und die Radikalen werden nicht allein im islamistischen Bereich immer jünger.

Der Fall B. zeigt überdies, dass Versuche der Prävention an Grenzen stoßen, wenn Menschen, die deradikalisiert werden sollen, unwillig oder undurchschaubar sind. Dann bleibt als Mittel zum Schutz einer Gesellschaft, die Schutz einfordert und verdient, lediglich Repression übrig.

Prävention erntet keine Lorbeeren

Dass Deradikalisierung bei B. nicht funktioniert hat, heißt aber nicht, dass sie gar nicht funktionieren kann. Es gilt vielmehr erneut die Feststellung: Prävention erntet keine Lorbeeren. Dort, wo sie greift, erfährt die Öffentlichkeit nichts davon. Und dort, wo sie wie bei B. nicht greift, erscheint sie im Ganzen als nutzlos.

Hinzu kommt, dass Gefängnisse selten wie Besserungsanstalten wirken. Auch wenn vor Anschlägen wie in Berlin vorbeugend längere Haftstrafen verhängt werden: Oft kommen die Betroffenen wieder raus. Dann ergeben sich alte Probleme neu, das Risiko ist lediglich auf der Zeitachse verschoben.

Ja, es kann nicht so bleiben wie bisher. Aber nein, Königswege zur Verhinderung von Attentaten gibt es nicht. Es kann sie nicht geben.