Der Osten ist für die Ökopartei seit jeher schwieriges Gelände. Dennoch werfen sie alles in die Wahlkämpfe. Die Chancen sind besser als erwartet.
Fünf-Prozent-HürdeHitzesommer ist Wahlhelfer für die Grünen – auch im Osten

Felix Banaszak, Parteivorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen
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Anders als sonst in diesen Tagen mussten die Bundesvorsitzenden der Grünen am Freitag nicht so weit fahren. Der Weg von Franziska Brantner und Felix Banaszak führte sie nur bis nach Berlin-Kreuzberg, wo der übrige Vorstand und Werner Graf warteten. Das ist der Spitzenkandidat der Ökopartei bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus. Thema war der Klima- und Hitzeschutz.
Dabei bedienten sich die Grünen einer neuen Form: einer öffentlichen Vorstandssitzung mit Gästen. So kam Franziska Aurich, Krankenpflegerin in der Berliner Charité, ebenso zu Wort wie Jonas Gerke von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit.
Aurich berichtete von Temperaturen in der Klinik oberhalb der 40-Grad-Marke und stellte fest: „Dieses Jahr ist ein Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Jahren noch kommt.“ Gerke wies auf jene alten und kranken Menschen hin, die zu Hause unter der Hitze litten. Angesichts der vom Robert Koch-Institut genannten 15.800 Hitzetoten sagte er: „Das Sterben ist ein stilles Sterben.“
„Stilles Sterben“ durch Klimawandel
Die Grünen wollen daher bis 2030 mindestens eine Million zusätzlicher Straßenbäume pflanzen, um der Erhitzung zu begegnen. Ein neues Baumgesetz soll dafür sorgen, dass bei jeder Baustelle geprüft wird, ob dort gleich neue Bäume gepflanzt werden können. Zudem soll der Bund die Modernisierung öffentlicher Einrichtungen mit klimafreundlichen Kühlanlagen fördern.
Wohl auch, weil es beim Klima schlecht aussieht, sind die politischen Perspektiven der Grünen besser. Zwar rangieren sie in der Hauptstadt hinter der Linken. In Mecklenburg-Vorpommern, wo wie in Berlin am 20. September gewählt wird, wird der Einzug in den Landtag allenfalls knapp gelingen. In Sachsen-Anhalt sagte Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz am Freitag hingegen, sie sei optimistisch, dass es klappt mit 5 oder gar 6 Prozent. Da schallte es aus dem Publikum: „7!“ Dem Vernehmen nach ist vielen Menschen inzwischen bewusst, dass eine AfD-Regierung lediglich verhindert werden kann, wenn die kleinen Parteien ins Parlament kommen.
Star des Termins in Magdeburg war der ehemalige Vizekanzler Robert Habeck. Die Parteichefs sind ohnehin dauernd unterwegs. Brantner etwa bricht am Samstag in die Lutherstadt Wittenberg auf, wo sie zum „Feierabend mit Franziska“ lädt, und hat allein in der nächsten Woche 20 Termine in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Da stehen Kommunalwahlen an.
Der Osten ist für die Grünen seit jeher schwieriges Gelände - eigentlich. Dennoch oder gerade deshalb wirft das Duo alles rein.
