Die RKI-Zahlen zeigen, dass sich Deutschland besser auf Extremtemperaturen vorbereiten muss
Höchststand bei HitzetotenWas jetzt zu tun ist


Ein Notfall-Arztrucksack
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Diese Zahl ist wirklich dramatisch: Der Hitze in diesem Sommer sind nach den neuesten Schätzungen des Robert-Koch-Instituts rund 14.000 Menschen in Deutschland zum Opfer gefallen. Fast 2900 davon sind Tote aus NRW. Die Opfer der Hitzetage der vergangenen Woche sind in dieser Statistik noch nicht eingerechnet. Was diese ebenfalls nicht anzeigt: die vielen Menschen mit Vorerkrankungen, die unter der Hitze massiv gelitten haben, ohne daran zu sterben. Seniorinnen und Senioren, deren Gesundheitszustand sich verschlechtert hat. Geraubte Lebenserwartung und verlorene Lebensqualität durch Hitze: Diese Statistiken gibt es nicht. Dabei sind die Zahlen hier viel höher.
Als bei der großen Flut vor fünf Jahren fast 200 Menschen starben, wurde dies völlig zu Recht als Katastrophe bezeichnet. Katastrophe beschreibt also auch diesen Sommer, von dem wir schon jetzt wissen, dass er in späteren Sommern noch als einer der harmloseren bezeichnet werden wird. Eigentlich ist klar, was getan werden müsste angesichts der Tatsache, dass die meisten Krankenhäuser, Pflege- und Seniorenheime, aber auch Schulen und Kindergärten völlig unzureichend auf große Hitze eingestellt sind. Eine Zumutung im Übrigen auch für die Ärzte, Pflege- oder Lehrkräfte, die unter diesen Bedingungen arbeiten müssen. Alle diese Gebäude müssten umgerüstet werden. Eigentlich. Allerdings ist ebenso klar: Das wird unbezahlbar sein.
Nur wenige Kommunen mit Hitzeschutzplan
Man reibt sich die Augen, wie wenige Kommunen bislang überhaupt einen Hitzeaktionsplan haben. Zwar sind die Bundesländer durch das Klimaanpassungsgesetz des Bundes bereits verpflichtet, dafür zu sorgen, dass Kommunen Klimaanpassungskonzepte erstellen. Doch denen fehlt das Geld. Die Stadt Köln ist immerhin Vorreiter in Sachen Hitzeaktionsplan, der mit Fokus auf vulnerable Gruppen entwickelt worden ist. So vorbildlich das ist, die Wirkung darf nicht überschätzt werden. Hitzetipps, ein Hitze-Telefon, Trinkbrunnen und Kälteschläuche, die an einzelnen Orten in der Stadt für Abkühlung sorgen, sind wichtig. Aber ohne Umbau von Gebäuden wird es eben nicht gehen. Wenn es schon illusorisch ist, alle Gebäude umzurüsten, müsste zumindest schnell mit den wichtigsten begonnen werden. Alle Neubauten müssten unter Hitzeschutz-Kriterien geplant werden.
Wichtig wird sein, dass Maßnahmen zur Klimaanpassung so oft wie möglich Klimaschutzmaßnahmen sind. Denn neu gepflanzte Bäume oder begrünte Häuserwände kühlen runter und schützen gleichzeitig das Klima. Klimaanlagen heizen die Städte weiter auf. Gleichwohl werden auch sie unverzichtbar sein.
Erst wenn Hitzeschutz im Grundgesetz verankert ist, bekommt der Bund die Möglichkeit, Anpassungsmaßnahmen zu finanzieren, argumentiert Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD). Der Deutsche Städtetag hat gerade finanzielle Unterstützung in Milliardenhöhe gefordert. Deutschland steht vor einer weiteren gigantischen Aufgabe, die sich nur mit größtmöglicher politischer, parteiübergreifender Entschlossenheit zumindest ansatzweise lösen ließe. Doch die ist, trotz guter Vorstöße von SPD und Grünen, nicht in Sicht. Kanzler Friedrich Merz verliert immer noch kein Wort über die Hitzetoten, die AfD leugnet den Klimawandel beharrlich. Und so gibt es allen Grund zum Zweifeln, dass vulnerable Gruppen in den kommenden Sommern besser geschützt werden. Jetzt hat es geregnet, der Herbst kommt, neue Probleme werden auf die Tagesordnung drängen. Darum ist es an uns allen, politisch Druck auszuüben, damit diesem heißen Sommer mehr als warme Worte folgen.
