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RKI vermeldet Höchstwert an HitzetotenArbeitsgruppe der Stadt Köln soll Konsequenzen aus Hitzesommer erarbeiten

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28.06.2026, Nordrhein-Westfalen, Köln: Kräfte des Malteser-Hilfsdienstes bauen im Notfallversorgungszentrum der Feuerwehr Köln in einer gekühlten Messehalle Feldbeten auf. Foto: Henning Kaiser/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

28.06.2026, Nordrhein-Westfalen, Köln: Kräfte des Malteser-Hilfsdienstes bauen im Notfallversorgungszentrum der Feuerwehr Köln in einer gekühlten Messehalle Feldbetten auf. 

Die hohen Temperaturen brachten viele Menschen an ihre Grenzen – und kosteten manche das Leben. Stadt Köln und Land NRW suchen nach Gegenmitteln

Das letzte Juniwochenende 2026 wird in den Geschichtsbüchern der Stadt Köln einen langen Eintrag bekommen. Zum ersten Mal richtete die Verwaltung ein medizinisches Zentrum ein, um Menschen vor der Hitze zu schützen und Ersthilfe leisten zu können. Zu viele Kölnerinnen und Kölner hatte die Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius an ihre Grenzen gebracht: Die Notaufnahmen waren überfüllt. Als Sofortmaßnahme baten Stadt und Feuerwehr die Kölner Verkehrs-Betriebe um Mithilfe. Sie transportierten Hilfesuchende mit einem Gelenkbus zur Messe. In einer heruntergekühlten Halle konnten Menschen ohne Anmeldung bei 20 bis 22 Grad Raumtemperatur zur Ruhe kommen.

Ärzte und Pflegekräfte arbeiteten an diesem Wochenende in den Kliniken bis zur Belastungsgrenze. An den Notaufnahmen in Merheim und Holweide registrierten die Kliniken insgesamt 791 Patienten – rund ein Drittel mehr als sonst. Alarmierte Rettungskräfte mussten bei 44 Einsätzen Patienten wiederbeleben. „Menschen bei 40 Grad in Einsatzkleidung in ihren Dachgeschosswohnungen zu reanimieren oder herauszuretten – das hat unsere Belastungs- und Leidensfähigkeit auf eine echte Probe gestellt“, sagte Feuerwehrsprecher Ulrich Laschet. Die Polizei registrierte von Freitag bis Sonntag, 26. bis 28. Juni, 120 ungeklärte Todesfälle – fast viermal so viele wie an einem durchschnittlichen Wochenende. Betroffen waren auch jüngere Menschen. Zwar konnte die Polizei zunächst keine Angaben zu den Todesursachen machen, doch lag ein Zusammenhang mit den Extremtemperaturen nahe. 

Den Ausnahmezustand beschrieb auch der Sprecher der Kölner Kliniken, René Hartmann. „Wir sind in den Einrichtungen am Limit“, sagte Hartmann mit Blick auf die Häuser in Merheim, Holweide und Kinderkrankenhaus. „Unsere Teams mussten mehr als doppelt so viele Reanimationen nach Herz-Kreislauf-Stillstand sowie mehr als ein Drittel mehr Schockraumversorgungen von schwerstkranken Patienten durchführen als an einem üblichen Samstag.“ Der 37-Jährige war an dem Tag als Sanitäter im Einsatz. Üblich seien zwei bis drei Reanimationen, sagt er. Am Hitze-Samstag seien es fünf bis sechs gewesen. Oft brachten die Sanitäter Patienten aus überhitzten Wohnungen in ebenfalls überhitzte Krankenhäuser.

Den Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge führte die Hitzewelle allein in der Woche vom 22. bis 28. Juni in Deutschland zu 9.600 Hitzetoten. Insgesamt zählt das RKI in diesem Sommer bundesweit schätzungsweise 14.000 Hitzetote, davon 2.900 in Nordrhein-Westfalen. 

Nach dem Hitzewochenende im Juni hat NRW‑Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann Vertreterinnen und Vertreter aus dem Gesundheitswesen eingeladen, um über die aktuellen Herausforderungen des Hitzeschutzes zu beraten. „Wir müssen in allen Bereichen zum konsequenten Handeln kommen“, schreibt sein Ministerium auf Anfrage. Amtliche Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) müssten flächendeckend und ohne Verzögerung von allen Akteuren entgegengenommen werden und automatisch die Aktivierung von Hitzeplänen auslösen. Das Ministerium habe eine Expertenrunde etabliert, in der ein Hitzereaktionssystem für die gesundheitliche und pflegerische Vorsorge entwickelt werden soll. Zudem unterstütze das Land Kommunen und Einrichtungen bei der Erstellung von Hitzeaktionsplänen. 

Das Gesundheitsministerium prüft nun im Rahmen der Haushaltsgespräche die Auflage eines Förderprogramms zur Klimatisierung für Krankenhäuser und Pflegeheime. „Die Beschäftigten im Gesundheitswesen geben zudem ihr Bestes und wir haben grundsätzlich ein hervorragendes Fundament an Strukturen“, so Laumann. „Aber wenn sich die Rahmenbedingungen für die Strukturen ändern, und die extreme Hitze stellt in der Form eine neue Rahmenbedingung dar, müssen wir über zusätzliche Maßnahmen reden. Wir können und müssen uns gesellschaftlich besser auf solche extremen Wetterereignisse einstellen.“

Stadtsprecherin Simone Winkelhog kündigt im Gespräch mit dieser Zeitung eine intensive Auswertung der Hitzewelle dieses Sommers an. „Eine dafür eingerichtete amtsübergreifende Arbeitsgruppe arbeitet fortlaufend an der Entwicklung und Implementierung weiterer Maßnahmen“, sagt sie.  Ziel sei es, Schutzkonzepte dynamisch anzupassen, um die Kölnerinnen und Kölner künftig gesund und sicher durch länger andauernde Hitzeperioden zu bringen. Der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Köln, Alexander Lechleuthner, sagte dieser Redaktion: „Die extreme Hitze bedeutete insbesondere, aber nicht ausschließlich für ältere und vorerkrankte Menschen eine hohe gesundheitliche Belastung und führte zu einer Übersterblichkeit. Es lässt sich jedoch nicht sagen, in wie vielen Fällen die Hitze tatsächlich die Todesursache war.“

In Köln klagte nach dem Hitzewochenende schließlich auch der Bestatterverband: Die Kühlkapazitäten für Verstorbene seien in Köln an ihre Grenzen gestoßen, seitens der Stadt habe es keine ausreichende Krisenkoordination gegeben. Die Situation sei an einigen Lagerorten „hygienisch bedenklich“ gewesen. Leichen hätten in sogenannten Bodybags aufbewahrt werden müssen – das habe es zuletzt während der Pandemie gegeben. „Hierbei geht es auch um den würdevollen Umgang mit Verstorbenen“, so der Verband. Die Kühlraumkapazitäten in der Rechtsmedizin und auf dem Südfriedhof seien voll ausgelastet gewesen. „Das System ist auf solche Ereignisse nicht vorbereitet. Wir brauchen einen Verfahrensplan und ein zentrales Register über die Kühlkapazitäten.“

Die Stadt Köln hat mittlerweile einen sogenannten Hitzeaktionsplan. Er soll helfen, die Bevölkerung vor den gesundheitlichen Folgen „extremer und langanhaltender Hitze zu schützen“. Ein Beispiel ist das Hitzetelefon, es besteht seit 2023: Wer sich dafür registriert, erhält eine kostenfreie telefonische Beratung unter ärztlicher Leitung. Im vergangenen Jahr waren das 484 Menschen mit einem Durchschnittsalter von 82 Jahren, 62 Prozent davon waren Frauen. Zudem gibt es eine interaktive Erfrischungskarte mit kühlen Orten in der Stadt. An besonders heißen Tagen werden öffentliche Plätze mit Wassernebel gekühlt.