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Fünf Jahre nach der FlutZülpich hat viel in Wiederaufbau und Sicherheit investiert

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Die Luftaufnahme zeigt die Gebäude der Probstmühle, umgeben von einem See aus schlammigem Wasser.

Vom Wasser eingeschlossen war die Probstmühle, an der B56 zwischen Zülpich und Ülpenich gelegen.

Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe ist in Zülpich der Wiederaufbau fast abgeschlossen. Das Hochwasserschutzkonzept soll bald verabschiedet werden.

Ulf Hürtgen hat die Bilder sofort wieder vor Augen. „Die Gullydeckel waren weg, auf dem Bürgersteig lagen Fische. Es war surreal“, so schildert der Zülpicher Bürgermeister die Situation am Abend des 14. Juli vor fünf Jahren. Als die Meldungen von der Flut kamen, verabschiedete er sich von der Geburtstagsfeier seiner Mutter und fuhr in die am schwersten betroffenen Orte. „In Schwerfen herrschte die Apokalypse“, sagt er.

In Sinzenich sah es nicht viel besser aus. Während die Kernstadt von der Flutkatastrophe verschont blieb, traf es vor allem die Orte an Vlattener Bach und Rotbach, nämlich Linzenich-Lövenich, Nemmenich, Nieder- und Oberelvenich, Mülheim-Wichterich, aber auch Geich/Füssenich am Neffelbach.

Drei Menschen aus Zülpich starben bei der Katastrophe

Drei Tote aus Zülpich forderte die Katastrophe, jeweils ein Mensch starb in Schwerfen und Sinzenich, eine junge Frau aus Hoven kam in Bad Münstereifel ums Leben. Es sei ihm schnell klar geworden, dass eine Katastrophe dieser Größenordnung die Stadt nicht nur auf Jahre hinaus beschäftigen würde, sondern auch besondere Maßnahmen nötig würden.

Also wurde eine Stabsstelle eingerichtet, die sich nicht nur mit dem Wiederaufbau beschäftigt, sondern auch mit Hochwasser- und Starkregenschutz. Externer Sachverstand wurde dazugeholt. Neben Teamleiter Jürgen Kremer und Michael Höhn, dem Allgemeinden Vertreter des Bürgermeisters, ist der frühere Beigeordnete Ottmar Voigt dabei, ebenso der Unternehmerberater Dr. Peter Kramp.

Eine Gruppe Menschen steht am Geländer einer neuen Brücke.

Aus drei mach zwei: Die beiden neuen Brücken in Schwerfen sind so konstruiert, dass auch größere Wassermengen hindurchfließen können.

Bei der Flutkatastrophe 2021 ist ein Gebäude vom schlammigen Wasser umgeben.

Der Kindergarten Sinzenich war letztlich ein Totalschaden. Pläne, ihn zu sanieren, wurden verworfen.

Das Luftbild zeigt das neue Kita-Gebäude in Sinzenich

Der Neubau der Sinzenicher Kita wurde an einem neuen Standort errichtet und ist längst in Betrieb genommen.

Ziel war es, die Aufgabe ohne zusätzliches Personal zu stemmen, auch wenn die Bauabteilung damit stark belastet wurde. Denn das Land hat zwar den Wiederaufbau getragen, beim Personal aber nur 250.000 Euro beigesteuert. Wie die Kommunikation mit Düsseldorf gelaufen ist, umschreibt Peter Kramp bildhaft: „Zwischen den Leuten vor Ort und den Ministerien gibt es zu viele Lehmschichten.“

Der Sinzenicher Kindergarten wurde neu gebaut

Die Kosten der Flut beziffert die Stabsstelle auf 14,1 Millionen Euro. Die dicksten Batzen sind die Gebäudeschäden (3,1 Millionen), die Straßen (knapp 3,2 Millionen), die Flutgräben (3 Millionen) und die Wirtschaftswege (2,5 Millionen). Die privaten Schäden sind um ein Vielfaches höher, mehr als 1000 Haushalte in der Stadt waren betroffen. Die gute Nachricht: In Zülpich ist kein Haus so schwer beschädigt worden, dass es hätte abgerissen werden müssen. Allein die Entsorgung von Schlamm, Müll und Bauschutt hat 385.000 Euro gekostet.

Beim Kindergarten Sinzenich war relativ schnell klar, dass das kein Sanierungsfall war. Stattdessen wurde er an anderer Stelle neu gebaut. Und dann auch nicht mehr eingruppig, wie ursprünglich geplant, sondern für zwei Gruppen. Das hat 2,5 Millionen gekostet, die über die Wiederaufbauhilfe, die Versicherung, den LVR und Spenden zusammenkamen. Der Sportplatz in Nemmenich ist im Zuge der Sanierung ebenfalls umgebaut worden. Aus dem Tennenplatz wurde ein Naturrasenplatz. 355.000 Euro hat die Maßnahme gekostet.

Eine Frau schaut auf eine zerstörte Brücke.

Der Rotbach hatte drei Brücken in Schwerfen zerstört.

Ein schwarzes Auto hängt an einer Brücke in den Bach.

Dieses Auto wurde mitgerissen und landete im Rotbach.

In Schwerfen ist die Sanierung der Straßen noch nicht abgeschlossen, aber „auf der Ziellinie“, wie es aus der Verwaltung heißt. Der Kanal musste umfangreich saniert werden. Die Wassermassen hatten die drei Brücken über den Rotbach zerstört, beim Wiederaufbau hat man auf eine verzichtet. Dafür sind die beiden neuen so konstruiert, dass sich ein erneutes Hochwasser dort nicht mehr stauen würde – ein Beispiel dafür, wie Wiederaufbau und Hochwasserschutz Hand in Hand gehen.

Die Flutgräben werden regelmäßig freigehalten

Wie auch bei den Flutgräben. Die Stadt habe eigens einen Bagger angeschafft, um die Gräben künftig freizuhalten. Bis auf die Bereiche um Bessenich und Schwerfen sind alle Flutgräben bereits abgearbeitet. Auch die Sanierung der Straßen ist – bis auf Schwerfen – abgeschlossen. Gebäude, Brücken, Sportplätze und der Seepark sind abgearbeitet.

Zwei Großprojekte sollen die Stadt künftig vor einer Katastrophe wie vor fünf Jahren schützen. Eines ist fertig: der Abschlag des Vlattener Bachs in den Wassersportsee. Eine ähnliche Konstruktion am Neffelbach habe sich 2021 bewährt, sagt Bürgermeister Hürtgen: „Ich möchte mir nicht vorstellen, was sonst in Füssenich und Geich passiert wäre.“

Zwei Projekte für den Hochwasserschutz

Der Wassersportsee soll im Ernstfall rund 800.000 Kubikmeter Wasser aufnehmen können und damit nicht nur den Stadtteil Lövenich, sondern alle flussabwärts gelegenen Orte schützen. Auch beim Hochwasserrückhaltebecken zwischen Schwerfen und Eicks geht es voran. Die Unterlagen liegen jetzt bei der Kölner Bezirksregierung. Wenn alle Genehmigungen da sind und die Beteiligung der Öffentlichkeit abgeschlossen ist, rechnet der Erftverband mit rund einem Jahr Bauzeit.

Damit Zülpich in Zukunft besser gerüstet ist, gibt es zudem eine ganze Reihe an kleinen Maßnahmen wie beispielsweise die Schwammstadtbäume an der Römerallee. Außerdem sind ein Hochwasserschutzkonzept und ein Starkregenschutzkonzept in Arbeit. Ersteres steht am 15. Oktober auf der Tagesordnung der Stadtratssitzung und soll dort verabschiedet werden.