Die Spuren der Flutkatastrophe sind auch in der Gemeinde Hellenthal längst nicht alle beseitigt. Der Hochwasserschutz ist ein großes Thema.
Fünf Jahre nach der FlutIn Hellenthal ist an den Gewässern noch einiges zu tun

Massive Schäden hatte die Flut im Reifferscheider Tal angerichtet. Der Manscheider Bach hatte die Fassade eines Hauses weggerissen.
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Auch in der Gemeinde Hellenthal ist fünf Jahre danach die Erinnerung an die Flutnacht vom 14./ 15. Juli 2021 noch wach. Etwa im Rathaus für Bürgermeister Martin Berners und Johannes Klein, der für die Abwicklung des Wiederaufbaus zuständig ist. Im Amt war Berners zu der Zeit noch nicht, miterlebt hat er die teils dramatischen Geschehnisse dieser Stunden nicht. „Ich wohne relativ weit oben. Man sah in den Abendstunden nur noch Blaulicht hier“, beschreibt er seine Eindrücke. Aus dem Bereich Oberhausen seien in der Nacht mal Sirenen zu hören gewesen. Der Strom fiel aus. „Das Letzte, was ich mitbekommen hatte, war ein Video, das Ingo Pfennings bei Facebook eingestellt hatte“, berichtete er.
Ab dem Morgen des 15. Juli sei er im Ort unterwegs gewesen und habe sich ein Bild von den Verwüstungen gemacht. Auch wenn er bereits Bilder gesehen habe, habe auch er es sich nicht vorstellen können, wie es etwa in Reifferscheid und Blumenthal aussah. Und erst die Bilder aus Schleiden, Gemünd und Olef, die seien erschreckend gewesen. „Das war schon sehr, sehr übel, was da war“, sagte er.
WVER rekonstruierte die Wassermassen in den Bächen
Ein deutliches Bild der Ereignisse zeigen die Zahlen, die der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) durch seine hydrologischen Berechnungen ermittelt hat. So wurde am Pegel Hellenthal ein Durchfluss von 63 Kubikmetern pro Sekunde ermittelt, während für den in der Flutnacht zerstörten Pegel Reifferscheid ein Wert von 174 Kubikmetern pro Sekunde rekonstruiert wurde. Das sei, erläuterte Berners, laut den Experten vom WVER darauf zurückzuführen gewesen, dass sich ein Hauptregenereignis auf dem Höhenrücken vor Hönningen abgespielt habe, so dass die größten Wassermengen im Einzugsgebiet des Wolferter und Reifferscheider Bachs heruntergekommen seien. „Deshalb sind dort auch die massivsten Schäden entstanden“, so Berners.
In Blumenthal habe in manchen Gebäuden das Wasser fast zwei Meter hoch gestanden. „Aber dort war vor allem die Geschwindigkeit und weniger die Höhe des Wassers das Problem“, so Klein. Durch Holz, Autowracks und Gastanks sei die Brücke blockiert gewesen, so dass sich ein Rückstau und nachfolgend eine Flutwelle entwickelt habe.

Über die Ufer getreten war der Reifferscheider Bach in Blumenthal.
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In Reifferscheid wurden die Straßen in der Flutnacht teilweise aufgerissen und Versorgungsleitungen freigelegt.
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Am Netto-Markt in Blumenthal wurde auch das Fundament beschädigt.
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Entlang des Manscheider und des Reifferscheider Baches hatten sich die Verwüstungen von Manscheid aus nach Wiesen und durch die Römerstraße, die komplett aufbrach, nach Reifferscheid und Blumenthal gezogen. Viele Häuser und Gewerbebetriebe wurden massiv in Mitleidenschaft gezogen. Viel schlimm: In Reifferscheid forderte die Flut ein Menschenleben.
13,8 Millionen Euro hat die Gemeinde für den Wiederaufbau der kommunalen Infrastruktur beantragt und auch bewilligt bekommen. Ende September 2025 wurde ein Änderungsantrag eingereicht, der ohne den präventiven Hochwasserschutz die Gesamtkosten mit 18,9 Millionen Euro bezifferte, so Klein.
Wiederaufbau der Wirtschaftswege in Hellenthal wird deutlich teurer
Vor allem Brücken und Straßen entlang des Reifferscheider Bachs waren betroffen: „Kreis- und Landstraßen waren sehr betroffen, aber auch unsere Straßen.“ In Reifferscheid waren es vor allem die Römer- und die Liebfrauenstraße. In Blumenthal wurde unter anderem eine Fußgängerbrücke komplett zerstört, in Wolfert eine Brücke, die samt Widerlager weggespült. Rund 4,1 Millionen Euro umfasst dieser Posten im Wiederaufplan.
Zu niedrig geschätzt worden sei mit rund 2,1 Millionen Euro der Betrag für die Wiederherstellung der Wirtschaftswege, erläuterte Klein. Das habe man festgestellt, als nun dieser Posten angegangen werden sollte. „Ich merke in den Bürgersprechstunden, dass ich immer wieder auf die Wirtschaftswege angesprochen werde“, so Berners. Er müsse die Menschen dann vertrösten: Die Wege seien zwar im Wiederaufbauplan, müssten aber erst genehmigt werden. Denn mittlerweile wird der dafür notwendige Betrag mit rund 5,8 Millionen Euro kalkuliert. Dazu kommen die privaten Forst- und Wirtschaftswege, die nach der Neuberechnung 1,9 Millionen Euro erfordern statt der ursprünglich beantragten 346.000.

Neu errichtet wurde die Fußgängerbrücke über den Reifferscheider Bach am Ortseingang von Blumenthal.
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Der größte Posten im Wiederaufbauplan ist mit rund sieben Millionen Euro die Wiederherstellung der Gewässer. Klein: „Wir haben damals die Gewässer direkt von einem Gutachter bewerten lassen.“ Die Schäden wurden in Klassen von eins bis vier eingeordnet. Die Klasse eins, Schäden mit der höchsten Priorität, sei komplett abgearbeitet. Doch an den Gewässern ist vieles noch in Arbeit. „Am Anfang ging das relativ zügig, doch mittlerweile sind wir im Außenbereich in den Naturschutzgebieten. Da ist der Abstimmungsbedarf ein anderer“, erläuterte Klein. Um zügiger arbeiten zu können, sei inzwischen ein Gewässerunterhaltungsplan zur Abstimmung zum Kreis geschickt worden.
Mittlerweile abgerechnet seien 9,05 Millionen Euro, so Klein. Was an Straßen, Brücken und Gebäuden im Wiederaufbauplan gestanden habe, sei seit rund einem Jahr abgearbeitet. Die Maßnahmen an den Gewässern sollen bis 2029 abgeschlossen sein. Dazu kommen, wenn sie genehmigt werden, die präventiven Hochwasserschutzmaßnahmen. „Wir wollen damit aber erst an die Öffentlichkeit, wenn es wirklich final ist“, betonte Berners.
Anderthalb Stellen habe sein Vorgänger Rudolf Westerburg für den Bereich Wiederaufbau schaffen lassen, als deutlich geworden sei, dass das im Tagesgeschäft nicht zu leisten sei, so Berners: „Es wäre schön, wenn diese Kosten übernommen werden würden, denn die leisten auch keine andere Arbeit als die Planungsbüros.“ Ohne die Mitarbeiter wäre die Gemeinde nicht so weit, da es immer schwieriger sei, Ingenieurbüros zu finden. Da so viele Kommunen betroffen seien, haben die Büros alle Hände voll zu tun.
Auch, wenn die Schäden nicht so hoch seien wie in anderen Kommunen, dürfe nicht vergessen werden, dass auch hier die Menschen betroffen gewesen seien, betonte Berners: „Es gibt Betroffene, die immer noch mit den Emotionen zu kämpfen haben, wenn es wieder stark regnet.“
