Draußen Proteste, drinnen Wohlfühlatmosphäre: Tausende protestierten in Düsseldorf gegen den radikalen AfD-Politiker Björn Höcke.
AfD-Landesparteichef tourt durch NRWTausende protestieren gegen „Faschist Höcke“ – AfD-Politiker verhöhnt Demonstranten
Mit einem Motivwagen des Künstlers Jacques Tilly, Chören und vielen Aktionsformen haben laut Polizei rund 7000 Menschen gegen einen Auftritt des Thüringer AfD-Landesparteichefs Björn Höcke in Düsseldorf demonstriert. Ein breites Bündnis aus Bürgerinitiativen, Gewerkschaften und zahlreichen weiteren Bereichen der Zivilgesellschaft beteiligte sich an dem bunten Widerstand gegen die AfD.
Von rund 300 Sympathisanten in einer voll besetzten Halle im Düsseldorfer Stadtteil Garath wurde Höcke hingegen gefeiert – und bezeichnete die Demonstranten dort als Opfer. „Viele sind durch die Bildungsanstalten der Bundesrepublik Deutschland ideologisiert worden, sind fehlgeleitet worden“, sagte Höcke unter dem Applaus seiner Zuhörer.
Düsseldorf: Björn Höcke verspottet Demonstranten bei Rede
Es sei nötig, dass „normale Menschen“ Mut zeigten, „wenn da draußen die Therapiebedürftigen stehen, auch mal zu sagen, davon lasse ich mich nicht abhalten und mache mir mein eigenes Bild vom Teufel der Nation“, behauptete Höcke. Deutschland müsse wieder vom Kopf auf die Füße gestellt werden.
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Ein Demonstrant hält ein Plakat mit der Aufschrift „Bernd Höcke ist ein Nazi“. Mehrere antifaschistische Bündnisse hatten zu einer Protestaktion gegen den Besuch des Thüringer AfD-Chefs Höcke bei der Veranstaltung der AfD in Düsseldorf aufgerufen.
Copyright: Federico Gambarini/dpa
Dazu brauche es die AfD als „Partei des gesunden Menschenverstands“, so der rechtsextreme Politiker. Die anderen Parteien sammelten lediglich die Stimmen des Wahlvolks ein, ohne deutsche Interessen zu vertreten. Viel Beifall heimste Höcke auch für seinen postulierten Kampf gegen politische Korrektheit ein, die „wie eine steinerne Grabplatte“ auf Deutschland liege. Auch für sein Bekenntnis „Ich sage Ja zu deutschem Bier“ bekam Höcke Zuspruch von seinen Anhängern.
AfD sieht „Remigration“ als „schiere Notwendigkeit“
Der Düsseldorfer AfD-Kreisvorsitzende Elmar Salinger prangerte in seiner einleitenden Rede „Sprechverbote“ und Vorbehalte gegen Höcke auch von Parteifreunden an. Als „schiere Notwendigkeit“ bezeichnete Salinger unterdessen die „Remigration“.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz definiert „Remigration“ als ein „innerhalb der Neuen Rechten verbreitetes Konzept“, das sich als „notwendige Handlungsanweisung aus dem zentralen neurechten Ideologem des ‚Ethnopluralismus‘ ableitet, der auf die Schaffung ethnisch definierter Gesellschaften und damit die Ausweisung aller ‚Volksfremden‘ abstellt“.
Proteste in Düsseldorf: „Keine Böcke auf Höcke“
Dieser Leitvorstellung folgend setzten sich neurechte Akteure in Deutschland die Bewahrung der „ethnokulturellen Identität und Substanz“ des deutschen Volkes zum Ziel, heißt es weiter. Da neurechte Akteure der Verschwörungstheorie anhängen, dass die Bevölkerung Europas durch Zuwanderer gezielt ersetzt werde, solle mit dem Konzept der „Remigration“ diesem Vorgang entgegengewirkt werden, erklärt der Verfassungsschutz.

Polizisten sichern eine Veranstaltung der AfD. Mehrere antifaschistische Bündnisse hatten zu einer Protestaktion gegen den Besuch des Thüringer AfD-Chefs Höcke bei der Veranstaltung der AfD in Düsseldorf aufgerufen.
Copyright: Federico Gambarini/dpa
Vor der Veranstaltungshalle in Düsseldorf machten Tausende AfD-Gegner ihrem Unmut angesichts derartiger Pläne nun Luft. „Gegen den Faschismus“, skandierten Demo-Teilnehmer lautstark. Auf Transparenten standen Slogans wie „Wir alle sind die wehrhafte Demokratie“, „Rote Karte für Nazis“ oder „Lebe so, dass die AfD etwas dagegen hat“. Andere skandierten „Keine Böcke auf Höcke“ oder wiederholten in lieblich verpackter Melodie den immer gleichen Schmäh-Gesang: „Scheiß AfD.“
Vor dem Veranstaltungsort wurde auch ein Anti-AfD-Wagen des Düsseldorfer Karnevalswagenbauers Jacques Tilly aufgefahren. Darauf zu sehen war ein großer bunter Fisch mit der Aufschrift „Wir sind mehr!“, der einen kleineren mit der Aufschrift „Wir sind das Volk!“ frisst.
Mona Neubaur: „Empfinde ich als widerwärtig“
Im Vorfeld von Höckes Auftritt in Düsseldorf hatte sich auch Nordrhein-Westfalens stellvertretende Ministerpräsidentin Mona Neubaur mit deutlichen Worten gegen Höcke positioniert. „Dass der Faschist Höcke heute Abend in meiner Heimatstadt Düsseldorf reden will, empfinde ich als widerwärtig“, schrieb die Grünen-Politikerin am Montag auf der Plattform X. Höckes Positionen „stehen im klaren Gegensatz zu den Grundwerten unserer Demokratie – zu Vielfalt, Freiheit und der unantastbaren Würde jedes Menschen“, führte Neubaur aus.
„Wer Geschichte relativiert, Sprache verroht und gezielt spaltet, will den gesellschaftlichen Zusammenhalt zerstören“, hieß es weiter von der nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerin. Dass Hass, Hetze und Ausgrenzung wieder salonfähig werden, dürfe man nicht zulassen, forderte Neubaur.
„Unsere Antwort auf Höckes Rechtsextremismus ist klar“
Nordrhein-Westfalen lebe davon, dass Menschen unterschiedlichster Herkunft „hier gemeinsam arbeiten, streiten und Verantwortung übernehmen“, schrieb die Grünen-Politikerin weiter. „Unsere Antwort auf Höckes Rechtsextremismus ist klar: laut widersprechen, Haltung zeigen, zusammenstehen – demokratisch und entschlossen.“
Wie die Polizei berichtete, versuchte eine Gruppe von Gegendemonstranten in unmittelbarer Nähe des AfD-Veranstaltungsorts, eine Absperrung zu durchbrechen. Das sei ihnen aber nicht gelungen, weil die Sicherheitskräfte Pfefferspray eingesetzt hätten. Dabei sei niemand verletzt worden.
Björn Höcke auf Tour durch Nordrhein-Westfalen
Am Sonntag hatten bereits Tausende gegen einen Auftritt Höckes beim AfD-Neujahrsempfang in Dortmund demonstriert. Der rechtsradikale Politiker ist derzeit auf Tour durch das größte Bundesland. Der 53-jährige Höcke ist zweimal wegen der Verwendung einer verbotenen Nazi-Parole rechtskräftig verurteilt worden. Die von ihm geführte Thüringer AfD wird vom dortigen Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und beobachtet. (mit dpa)

