Köln – Die Coronakrise hat erhebliche Auswirkungen auf die Schwimmausbildung der Kinder in NRW. Jetzt kommt unerwartet Hilfe von einer Seite, die bislang keine Aktien im Thema Schwimmunterricht hatte: Die Hoteliers haben ihre Bereitschaft signalisiert, bei der Auflösung des „Schwimmstaus“ mitzuhelfen.
„Wir stehen bereits im Dialog mit dem Schulministerium und der Staatskanzlei zum Thema Schulschwimmen im Hotel“, sagte ein Sprecher des Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) NRW dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Wenn wir einen kleinen Beitrag leisten können, freuen wir uns“, fügte der Sprecher hinzu.
Wie viele Hotels über geeignete Schwimmflächen verfügen, muss noch geprüft werden. Schwimmlehrer weisen aber darauf hin, dass es beim Schwimmenlernen nicht auf lange Bahnen ankommt. Die Schwimmkurse könnten in Zeiten stattfinden, in denen die Hotelbäder üblicherweise nicht durch die Gäste ausgelastet sind.
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Jetzt stehe es zunächst an, die Rahmenbedingungen und ein Anforderungsprofil für passende Schwimmflächen festzulegen, sagte der Dehoga-Sprecher. Dann könnten die einzelnen Betriebe feststellen, ob sie den gestellten Anforderungen überhaupt gerecht werden könnten.
„Jede Unterstützung ist Gold wert"
In der Landespolitik ist die Unterstützungsbereitschaft des Dehoga positiv aufgenommen worden. „Jede weitere Schwimmfläche ist für uns Gold wert, damit unser Aktionsplan nach Corona Fahrt aufnehmen kann und wir unserem Ziel, jedem Kind in NRW das Schwimmenlernen zu ermöglichen, näher kommen“, sagte Jens Nettekoven, sportpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, dieser Zeitung. Man freue sich über jeden Hotelier, der seinen Pool für Kinder öffne.
„Wertvolle Zeit ist verlorengegangen"
Josefine Paul, Vize-Fraktionschefin und Sportexpertin der Grünen, wirft NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) vor, beim Thema Schulschwimmen wertvolle Zeit vertrödelt zu haben. „Bereits zu den Sommerferien hätten Konzepte und unterstützende Maßnahmen ergriffen werden müssen, um gerade jetzt die Angebote zum Schwimmenlernen noch zu verstärken. Es braucht kreative Lösungen für die fehlenden Wasserflächen und Lehrkräfte, die bereits für die Sommerferien hätten gefunden werden müssen“, sagte Paul.
Auch das Mieten „untypischer Bäder“ wie Hotel- und Klinikbäder sei nicht mit Nachdruck betrieben worden. Die Option, die längere Öffnungszeiten von Hallenbädern im Sommer finanziell zu fördern, habe die Landesregierung fahrlässig verstreichen lassen. „DLRG und Schwimmverbände warnen bereits vor mehreren Jahrgängen von Nichtschwimmern“, erklärte die Grüne. Anstatt dem entgegenzuwirken und vermehrt Sportstudierende als Schwimmlehrer zu gewinnen, laufe die Landesregierung „der Lage einmal mehr hinterher“.
Schulministerin Gebauer bleibt vage
Dass NRW-Schulministerium, das von der FDP-Politikerin Yvonne Gebauer (FDP) geführt wird, blieb auf die Frage, wie die Hilfsbereitschaft der Hoteliers jetzt genutzt werden könne, im Vagen: „Ziel der Landesregierung ist und bleibt, dass alle Kinder am Ende ihrer Grundschulzeit sicher schwimmen können“, sagte ein Sprecher. Das Schulministerium prüfe intensiv „verschiedene Möglichkeiten, für den schulischen Schwimmunterricht auch Wasserflächen jenseits öffentlicher Schwimmbäder und Vereinsschwimmbecken zu akquirieren“.



