Die „Generation Deutschland“ wählte in Iserlohn am Samstag ihren Landesvorstand. Für NRW-Landeschef Martin Vincentz geriet das Treffen zum Fiasko.
Gründung in IserlohnAfD-Jugend erneut in der Hand des völkischen Lagers

Der NRW-Landesverband der „Generation Deutschland“ wurde am Samstag in Iserlohn gegründet.
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Die AfD-Jugend in Nordrhein-Westfalen befindet sich erneut in der Hand des völkischen Lagers. Beim Gründungstreffen der „Generation Deutschland“ (GD) NRW in Iserlohn setzten sich am Samstag die Rechtsaußen-Kandidaten durch. Viele von ihnen waren zuvor in der aufgelösten „Jungen Alternative“ (JA) aktiv.
So auch der neue Vorsitzende: Luca Hofrath gewann mit 165 zu 88 Stimmen deutlich gegen den Aachener Bundestagsabgeordneten Manuel Krauthausen. Der 26-Jährige aus Mülheim an der Ruhr gehört zum rechtsextremen Lager um den Dortmunder Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich. Hofrath kündigte an, unter seiner Führung werde die Parteijugend in NRW „ideologisch gefestigt bleiben“.
Für AfD-Landeschef Martin Vincentz geriet das Gründungstreffen zum Fiasko. Im zerstrittenen NRW-Landesverband entstanden vor der Veranstaltung zwei Listen: Eine mit Kandidaten des Vincentz-Lagers, eine mit Kandidaten des völkischen Lagers um Matthias Helferich. In den frisch gegründeten Vorstand der GD NRW kamen jedoch nur Leute aus dem Helferich-Lager. Nach Krauthausens herber Niederlage traten die weiteren Vincentz-Kandidaten nicht mehr an. „Die Mehrheit der Jugend möchte keine gemäßigte Jugend sein“, sagte ein Mitglied später dieser Zeitung.
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Landeschef durfte kein Grußwort sprechen
Zu Beginn der Veranstaltung habe der GD-Bundesvorstand Vincentz verweigert, ein Grußwort an die Teilnehmenden zu richten, berichten Anwesende. Stattdessen durfte Matthias Helferich auf die Bühne, der vom NRW-Landesverband erstinstanzlich aus der Partei ausgeschlossen wurde. Helferich forderte die Parteijugend auf, „Deutschland als Land der Deutschen zu erhalten“ und für „millionenfache Remigration“ einzutreten. Vincentz soll das Gründungstreffen bereits vor der Abstimmung verlassen haben.
Für die Veranstaltung hatte die AfD den Saalbau Iserlohn-Letmathe gemietet, wo sich am Samstagvormittag mehr als 200 Gegendemonstranten versammelten. Der städtische Saal sei der AfD bereits im Dezember genehmigt worden, schrieb die Stadt Iserlohn auf ihrer Internetseite. Eine Ablehnung sei auf Basis des Gleichbehandlungsgrundsatzes nicht rechtskonform gewesen. „Natürlich bin ich nicht glücklich, dass die Versammlung hier in der Waldstadt stattfindet, aber es gibt Dinge, die muss eine Demokratie aushalten“, zitiert die Stadt Bürgermeister Michael Joithe.
AfD bindet Jugend enger an sich
Vor etwa einem Jahr hatte die AfD die vorherige Parteijugend „Junge Alternative“ beim Bundesparteitag in Riesa verstoßen. Zu sehr hatte sich die JA der Kontrolle der AfD entzogen, zu groß soll die Sorge vor einem Verbot gewesen sein. In Nordrhein-Westfalen galt das Verhältnis zwischen Jugend und Mutterpartei als besonders vergiftet. Während der Bundes-JA der Spitzname „Höcke-Jugend“ verpasst wurde, stieg Matthias Helferich zu einer Art rechtsextremer Schutzpatron der nordrhein-westfälischen Jugend auf. Kurz nach der Einstufung des JA-Landesverbandes als „rechtsextremer Verdachtsfall“ durch den Verfassungsschutz entzog die AfD NRW ihr die Finanzierung.
Nach der Auflösung der JA hoffte ein Teil der AfD auf eine Mäßigung ihrer Jugend. Mit der Neugründung als „Generation Deutschland“ bindet die AfD ihre Jugend enger an sich. Parteimitglieder unter 36 Jahren werden automatisch auch Teil der GD, gleichzeitig müssen alle Mitglieder der Jugendorganisation auch in der AfD sein. Vincentz sagte noch im Oktober gegenüber dieser Zeitung, er rechne mit „vielen frischen und neuen Gesichtern“ an der Spitze der nordrhein-westfälischen AfD-Jugend. Ein anderer Funktionär betonte, er wolle keinen „alten Wein in neuen Schläuchen“.
Diese Hoffnung dürfte das Vincentz-Lager am Wochenende begraben haben. Die Jugend bleibt in völkischer Hand, der Stimmungstest in Iserlohn geriet zum Triumph der Rechtsradikalen. Mögliche Folgen könnten sich beim Landesparteitag im März zeigen, wo das völkische Lager Vincentz als NRW-Chef stürzen will. Die Unterstützung der Parteijugend ist dem völkischen Lager dabei nun sicher.

