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AfD-Kandidat in Sachsen-Anhalt im FokusRazzien gegen mutmaßliche Anhänger der verbotenen „Artgemeinschaft“ auch in NRW

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Polizisten haben in mehreren Bundesländern Wohnungen durchsucht. Gegen die Beschuldigten wird wegen des Verdachts der Fortführung einer verbotenen Vereinigung ermittelt. (Symbolbild)

Polizisten haben in mehreren Bundesländern Wohnungen durchsucht. Gegen die Beschuldigten wird wegen des Verdachts der Fortführung einer verbotenen Vereinigung ermittelt. (Symbolbild)

Die Staatsanwaltschaft  ließ Objekte in fünf Bundesländern durchsuchen, darunter mindestens ein Wohnhaus eines AfD‑Landtagskandidaten in Sachsen-Anhalt.

Weil sie die verbotene rechtsextremistische „Artgemeinschaft“ fortgeführt haben sollen, haben Polizisten am Donnerstagmorgen Razzien bei Beschuldigten in mehreren Bundesländern durchgeführt. Die Staatsanwaltschaft Halle ließ 15 Objekte in fünf Bundesländern durchsuchen – darunter mindestens ein Wohnhaus eines AfD‑Landtagskandidaten in Sachsen-Anhalt. Weitere Razzien bei mutmaßlichen Anhängern liefen in Berlin, Brandenburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

In dem Zusammenhang ließ auch die Staatsanwaltschaft Detmold mehrere Wohnungen im Kreis Lippe und im Kreis Höxter durchsuchen. Konkret soll es um zwei Objekte eines beschuldigten Paares in Horn-Bad Meinberg und um ein Objekt eines weiteren Beschuldigten in Steinheim gehen. Gegen sie laufen Ermittlungen wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Vereinigungsverbot.

Ausgangspunkt waren offenbar Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Detmold und des Polizeipräsidiums Bielefeld gegen die durchsuchten Personen aus dem Kreis Höxter und dem Kreis Lippe wegen des Verdachts der Fortführung der „Artgemeinschaft“. Im Juni sollen die Beschuldigten zur Sonnenwendfeier nach Sachsen-Anhalt gereist sein. Daraufhin informierten die Ermittler aus NRW offenbar ihre Kollegen in Sachsen-Anhalt. Das Treffen soll am Anwesen des AfD-Landtagskandidaten Simon Lansmann in Ipse stattgefunden haben.

Verein wurde vor knapp drei Jahren verboten

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Halle bestätigt, dass die Sonnenwendfeier Anlass gewesen sei, die Ermittlungen gegen die „Artgemeinschaft“ wieder aufzunehmen. Zuletzt hatte der „Spiegel“ über das Treffen in Ipse berichtet: Demnach sollen Teilnehmer ein Lied der Hitlerjugend gesungen haben. Lansmann hatte sich damals auf Anfrage des Magazins von der „Artgemeinschaft“ und nationalsozialistischem Liedgut distanziert.

Auch das Wohnhaus von Lansmann wurde nun am Donnerstagmorgen von der Polizei durchsucht. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge war zudem ein weiterer AfD-Landtagskandidat in Sachsen-Anhalt von den Razzien betroffen. 

Die „Artgemeinschaft“ wurde 1951 gegründet und war ab 1957 ein eingetragener Verein. Ihre Ideologie ist rassistisch, antisemitisch, demokratiefeindlich und antichristlich. Als Symbol nutzen sie unter anderem den Weltenbaum aus der nordischen Mythologie und das Bild eines Adlers, der seine Klauen in einen christlichen Fisch gräbt. Die Ideologie der Artgemeinschaft knüpft direkt an die Rassenlehre des historischen Nationalsozialismus an. So weist der Verein seine Mitglieder beispielsweise an, ihre Partner innerhalb der nord- und mitteleuropäischen „Menschenart“ zu suchen, um das „richtige“ Erbgut weiterzugeben. Menschen anderer Herkunft werden herabgewürdigt. In der Gruppierung werden heidnisch-germanische Feste wie die aus der nordischen Mythologie gefeiert.

Vor knapp drei Jahren wurde der Verein durch die damalige Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) verboten. In Nordrhein-Westfalen durchsuchten Polizisten damals drei Objekte in Essen, Oberhausen und Porta Westfalica. „Die ‚Artgemeinschaft‘ verbreitet unter dem Deckmantel eines pseudo-religiösen germanischen Götterglaubens ein Menschenbild, das gegen die Menschenwürde verstößt“, sagte damals NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Durch einen Buchdienst und Präsenz in den Sozialen Medien habe die Gruppe versucht, Menschen anzuwerben, zu ideologisieren und zu radikalisieren. „Das hat ab heute ein Ende. Den Verein gibt es nicht mehr“, sagte er seinerzeit.