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BildungZahl der Schulabbrecher in NRW steigt auf Zehnjahreshoch

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Eine junge Lehrerin schreibt an eine Schultafel im Mathematikunterricht.

Eine junge Lehrerin schreibt an eine Schultafel im Mathematikunterricht.

In NRW gehen immer mehr Schüler ohne Abschluss von der Schule ab. Im Jahr 2025 lag dieser Anteil bei 4,2 Prozent. 

Immer mehr Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen brechen die Schule ohne Abschluss ab. Im Jahr 2025 haben insgesamt 178.135 Schüler die allgemeinbildende Schule verlassen, davon 7430 ohne Abschluss – ein Anteil von 4,2 Prozent. Das geht aus den Zahlen des Statistischen Landesamtes in Düsseldorf hervor. Sie markieren ein Zehnjahreshoch: 2015 lag der Anteil der Abgänger ohne Abschluss noch bei 2,2 Prozent.  

Die Statistiker heben eine „gegenläufige Entwicklung“ hervor: Durch den demografischen Wandel sank die Zahl der Schulabgänge in den letzten 10 Jahren deutlich. Gleichzeitig nahm die Zahl der Abgänge ohne Abschluss zu. „Diese beiden Entwicklungen führten zu einer nahezu Verdopplung der Quote der Schulabgänge ohne Abschluss von 2,2 Prozent auf 4,2 Prozent in NRW im Zehnjahresvergleich“, schreibt das statistische Landesamt. 

Der Anstieg verlief nicht gleichmäßig. In den ersten Jahren der Corona-Pandemie brachen deutlich weniger Jugendliche die Schule ab. Seit 2021 steigt die Zahl der Abgänge ohne Abschluss jedoch deutlich an. Was sich in den letzten zehn Jahren nicht verändert hat: Ein Großteil der Schulabbrecher ist männlich. 

Ukrainische Schüler verlassen Schule besonders häufig ohne Abschluss

Die Statistiker sehen einen möglichen Grund für die Zunahme in dem Krieg gegen die Ukraine. 1200 Abgänger ohne Abschluss besaßen die ukrainische Staatsangehörigkeit. Eine separate Erhebung zeigt: Von den ukrainischen Schulabgängern verließen 38 Prozent die allgemeinbildende Schule ohne Abschluss.

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs habe NRW viele zugewanderte Kinder und Jugendliche aufgenommen und in das Schulsystem integriert, heißt es aus dem NRW‑Schulministerium. „Viele dieser Schülerinnen und Schüler kommen erst in einem höheren Alter nach Deutschland, müssen zunächst Deutsch lernen und verlassen das allgemeinbildende Schulsystem zum Teil altersbedingt wieder, bevor sie überhaupt die Möglichkeit hatten, einen Schulabschluss zu erwerben.“

Kehren sie in die Ukraine zurück oder wechseln sie in die Ausbildungsvorbereitung am Berufskolleg, werden sie in der Statistik als Schulabgänger ohne Schulabschluss erfasst. Zudem hätten viele ältere Schüler neben der deutschen Schulpflicht auch am Fernunterricht ihrer ukrainischen Schule teilgenommen, um zunächst einen ukrainischen Schulabschluss zu schaffen. Gleichzeitig betont das Ministerium: Ziel bleibe, allen Schülerinnen und Schülern unabhängig von ihrer Zuwanderungsgeschichte einen Abschluss zu ermöglichen.

Auch ohne die ukrainischen Schulabgänger zeigt die Statistik: Der Anteil der Schulabbrecher steigt deutlich. Stefan Behlau, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) NRW sieht eine Ursache dafür im Lehrermangel. „Lehrkräfte und pädagogisches Personal begleiten Jugendliche durch schulische Berufswahlorientierung, fördern sie individuell und helfen dabei, Bildungsbiografien erfolgreich zu gestalten“, sagt Behlau. Für diese Arbeit fehle zu oft die Zeit und das Personal. „Wir können es uns menschlich und gesellschaftlich nicht leisten, junge Menschen ohne Schulabschluss zurückzulassen.“