Bei der Veranstaltung für Mütter mit Spielprogramm für die Kinder informierten sich mehr als 100 Frauen bei 18 Unternehmen.
Job-Speed-DatingArbeitgeber zeigen in Firmenich, wie Mütter in den Beruf zurückkehren können

Beim Job-Speed-Dating für Mütter, die wieder in den Beruf einsteigen möchten, stellten sich in der Spielfabrik in Firmenich 18 potenzielle Arbeitgeber vor.
Copyright: Frank Neuenhausen
Der Schritt zurück in den Beruf ist für Mütter nicht immer ganz leicht. Zahlreiche Fragen stellen sich: Wie koordiniere ich die Arbeit mit dem Alltag als Mutter? Kann ich auch Teilzeit arbeiten? Welche Firma hat Interesse an mir? Um Brücken zwischen familienfreundlichen Unternehmen und jobsuchenden Frauen zu bauen, gibt es das Job-Speed-Dating-Format, zu dem Mütter auch die Kinder mitbringen können: „Wer wird Mamas Chef*in?“ fand dieses Mal in der Eifeler Spielfabrik in der Zikkurat statt.
Veranstalter sind das „Competentia NRW“ (Kompetenzzentrum Frau und Beruf Region Aachen), das Jobcenter Kreis Euskirchen, die Agentur für Arbeit und die Stabstelle Struktur- und Wirtschaftsförderung im Kreis. Mit jeweils einer Vertretung haben diese Einrichtungen vor elf Jahren das Netzwerk Familie und Beruf im Kreis gegründet. Bei der Eröffnung stellte Landrat Markus Ramers fest: „Es wird ja gern vom faulen Deutschen geredet. Hier wird das Gegenteil bewiesen.“ Über 100 Frauen waren gekommen, um sich über Möglichkeiten für den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu informieren. Für die Kinder gab es ein Programm beim Gastgeber Spielfabrik, der auch Mitarbeiterinnen sucht.
Nur zwei Unternehmen abseits der Themen Gesundheit und Soziales
Wo man auch hinschaute, man sah neugierige, aufgeschlossene und engagierte Frauen, die an den 18 Ständen über Jobchancen mit den Arbeitgebern sprachen. Für jeden schien etwas dabei zu sein. Gesucht wurden sowohl Arbeitskräfte ohne Vorkenntnisse als auch qualifizierte Facharbeiterinnen. Auffällig war, dass die meisten Angebote den Bereichen Pflege, Gesundheit, Betreuung und Soziales zuzuordnen waren. Nur zwei Stände wichen davon ab, die Eifeler Wach- und Schließgesellschaft und das Logistikunternehmen Berners.
Dieter Schulz von der Firma Berners bedauerte dies: „Das ist ein tolles Format hier. Hier findet man eher potenzielle Bewerber als bei den üblichen Jobbörsen. Mehr Interesse von Seiten der Industrie wäre schön. Ich bin hier ein echter Exot.“

An der Organisation beteiligten sich verschiedene Einrichtungen. Im Bild von links: Christine Johanny (Jobcenter), Laura Meyer (Wirtschaftsförderung), Markus Ramers (Landrat), Birgitt van Megeren (RAZV), Leonie Kehr (RAZV) und Carsten Hemberger (Jobcenter).
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Die Effizienz der Veranstaltung bestätigten die Mitarbeiter an anderen Ständen. „Ich bin sehr froh über das Interesse“, so Kathrin Regh von der Marienborn gGmbH: „Ich habe schon einen ganzen Karton voll mit interessanten Bewerbungen.“ Vor allem suche man Pflegekräfte und Mitarbeiter in Service und Verwaltung.
Annette zu Jeddeloh vom LVR-Verbund Wohnen Plus Leben bestätigte das: „Ich hätte diesen Andrang nicht erwartet. Ich hatte schon mehrere Kontakte mit Fachkräften und Frauen, die sich ausbilden lassen wollen. Der Vorteil hier ist, dass man zielgenaue Gespräche führen kann.“ Sie sieht den Wert dieser Speed-Dating-Plattform besonders darin, dass ein erster Kontakt entsteht, der eine Bewerbung enorm erleichtern kann: „Es ist etwas anderes, ob ich mich anonym bei einer Firma bewerben muss oder ob ich denjenigen, dem ich mein Bewerbungsschreiben zusende, schon kenne.“ In ihrem Bereich sucht man vor allem Heilerziehungspfleger und Sozialassistenten.
Arztpraxis fand beim vorigen Mal zwei neue Mitarbeiterinnen
Die Hausärztliche Praxis Flamersheim war zum zweiten Mal dabei und blickte auf den Erfolg der vorigen Veranstaltung. „Wir haben beim letzten Mal zwei Mitarbeiterinnen gewonnen, die bis heute bei uns beschäftigt sind“, so Marc Ingenhaag-Marten. In diesem Jahr suchte die Praxis wieder zwei Mitarbeiter im Bereich Anmeldung und Ärzte oder Weiterbildungsassistenten.
Für einen Jobeinstieg in der Haushaltshilfe verlangt die „Agentur für Haushaltshilfe“ nicht viel. Wie Mark Papst erklärte, benötigt man dazu ein einwandfreies Führungszeugnis und eine Basishelfer-Qualifikation, die man auch im Unternehmen erwerben kann. Pflegefachkräfte werden als Teamleiterkoordinatoren gebraucht. Ohne Anforderungen an besondere Fähigkeiten finden hier Frauen Arbeitsmöglichkeiten für 15 Euro Stundenlohn als Minijobber und 17 Euro als Teilzeitkräfte. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Neuss qualifiziert auch für die Unterstützung von Menschen mit ADHS oder Long Covid.
Geflüchtete übten mit ihrer Mentorin Bewerbungsgespräche
Für eine Gruppe von Frauen war die Börse ein besonderes Erlebnis. Die Geflüchteten übten mit einer Mentorin Bewerbungsgespräche. Das Projekt TaRA (Tandem Region Aachen) will ihnen bei der Arbeitsfindung helfen, Ehrenamtler unterstützen beim Bewerbungsprozess. Das berichtet Birgitt van Megeren, Leiterin des Kompetenzzentrums, die das Mentorenprogramm mit ihrer Kollegin Leonie Kehr begleitet.
Die Ukrainerin Svitlana Davydova berichtet von ihren Eindrücken: „Für mich ist das hier eine Brücke zu meinem Traum, Arbeit zu finden. Ich möchte arbeiten und mit meiner Familie zusammenleben.“ Ihr Mann hat eine Stelle als Automechaniker gefunden. Sie selbst hat studiert und ist Spezialistin für außenwirtschaftliche Verträge. Ihr ältester Sohn studiert in Marburg Geschichte und Geografie auf Lehramt und will in Deutschland Lehrer werden. Der jüngste Sohn geht aufs Thomas-Eßer-Berufskolleg in Euskirchen.
Alle Frauen aus der Ukraine müssen sich beim Jobcenter melden
Da sich alle Ukrainerinnen beim Jobcenter melden müssen, so Christine Johanny vom Jobcenter EU-aktiv, klappe die Vermittlung an das TaRA-Projekt wunderbar. Van Megeren sucht weitere Ehrenamtliche, die Frauen wie Davydova begleiten: „Es gibt viele Anfragen, die bisher nicht bedient werden können.“
Das Veranstaltungsformat hat das Ziel erreicht, Unternehmen und jobsuchende Wiedereinsteigerinnen zusammenzubringen. 103 Unternehmen sind inzwischen verknüpft und bezeichnen sich als familienfreundlich.

