Nach sieben Tagen Fahndung fasst die Polizei den mutmaßlichen Strom-Saboteur Daniel V. bei Eschweiler. Der 48-Jährige trägt Sprengladungen bei sich – und hatte offenbar bereits den nächsten Anschlag vorbereitet.
Zugriff auf dem FeldwegSo endete die Jagd auf den Strom-Saboteur

Beamte der Spurensicherung bringen möglichen Beweismittel in Eschweiler in ihr Fahrzeug
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Die Gegend um das Kohlekraftwerk Weisweiler des Konzerns RWE wurde auf der Suche nach dem mutmaßlichen Stromnetzwerk-Saboteur Daniel V. weiträumig überwacht. Am Montag hatten die Ermittler neue Abschussvorrichtungen entdeckt, um Überspannungsleitungen von Kraftwerksblöcken lahmzulegen. Ferner fand sich ein drittes Bekennerschreiben. Daraufhin intensivierte die Polizei dort ihre Fahndungsmaßnahmen.
Gegen 10.20 Uhr dann führte die Spur nach siebentägiger Suche schließlich zu dem 48-jährigen Mediziner aus Gevelsberg. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ aus Sicherheitskreisen erfuhr, gab eine Streife der Autobahnpolizeiwache Broichweide per Funk durch, dass man den Flüchtigen womöglich auf einem Feldweg nahe der Aldenhovener Straße in Eschweiler gesehen habe. Die Beamten stellten und fesselten Daniel V., der sich widerstandslos festnehmen ließ. Freimütig gab er zu, der Gesuchte zu sein.
Vorrichtungen in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler gefunden
Die Polizisten filzten ihn und stellten Sprengladungen sicher. Auf erste Fragen bekundete der V., dass er ganz in der Nähe im Unterholz die vergangenen Tage im Zelt verbracht habe. Zudem habe er seine Schlafstätte mit weiteren Sprengladungen gesichert. Daraufhin forderte die Einsatzleitung Bomben-Entschärfer des Landeskriminalamts (LKA) NRW an, um etwaige Sprengstofffallen zu untersuchen. Um sich vorab ein Bild machen zu können, setzten die Experten eine Drohne ein. Letztlich prüften die Ermittler mittels Gesichtserkennung, ob es sich bei dem Mann tatsächlich um den Gesuchten handelte. Die Prüfung zeigte einen Treffer.
Noch am Montag hatte der Mann dem Vernehmen nach einen weiteren Anschlag vorbereitet und Abschussvorrichtungen in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler unterhalb mehrerer Hochspannungsleitungen an einem Feldweg aufgebaut. Die Vorrichtungen waren mit einer Zeitschaltuhr gesteuert und sollten einen Draht in die Leitungen tragen, die an dieser Stelle etwa 15 Meter über dem Boden verlaufen. So sollte ein Kurzschluss verursacht werden, der zu einer Kettenreaktion im Stromnetz führt. Der RWE-Werksschutz bemerkte am Nachmittag eine verdächtige Person und alarmierte die Polizei. Die rückte aus, fand Abschussvorrichtungen und machte sie unschädlich. Den Täter indes bekamen die Beamten nicht zu fassen.
Das Katz-und-Maus-Spiel lieferten sich V. und die Ermittlungsbehörden schon seit einer Woche. Am vergangenen Dienstag war es erstmals zu einem Anschlag auf ein Umspannwerk in Brandenburg gekommen. Es folgten Attacken in Bergheim und Dormagen. Am Donnerstag gingen dann mehrere Bekennerschreiben ein, die auch dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegen, in denen weitere Anschläge auf die Energieinfrastruktur in NRW und Brandburg angekündigt wurden. Die Beschreibung der Taten war so präzise, dass die Polizei den Briefen und ihrem Verfasser große Glaubwürdigkeit beimaß. Daniel V. begründete sein Handeln mit der Stromgewinnung aus fossilen Energien, die er für ein Verbrechen hält. So schreibt er es zumindest in seinem Bekennerschreiben.
Staatsanwaltschaft Cottbus federführend
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte mit Blick auf die Sabotage-Serie unlängst von einer Art „Klimaterrorismus“ eines Einzeltäters gesprochen. Nach der Festnahme zeigte sich sein Landeskollege Herbert Reul äußerst zufrieden: „Ich bin froh, dass wir diesen Typen endlich haben.“ Dennoch gebe es Fragen: „Wir wollen wissen, wie dieser Mann vorgegangen ist, wer ihn möglicherweise unterstützt haben könnte.“ Bisher verfüge man hierzu über keine Hinweise, führte der CDU-Politiker aus. „Klar ist, Anschläge auf Umspannwerke sind keine Meinungsäußerung, sondern Angriffe auf die Versorgungssicherheit von Millionen Menschen. Unser Rechtsstaat antwortet darauf mit Aufklärung, Festnahme und Anklage.“
Derzeit agiert die Staatsanwaltschaft Cottbus federführend in dem Ermittlungskomplex, weil die erste Tat in der Nähe des Kraftwerks Jänschwalde in Brandenburg erfolgte. Mit mehr als 20 selbstgebauten Raketen soll der Täter dort leitfähiges Material auf die Hochspannungsleitungen geschossen haben. Nach Angaben des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz gab es zwei Kurzschlüsse, die zum Ausfall eines Kraftwerk-Blocks führten. Die Strafverfolger in Brandenburg haben bereits einen Haftbefehl für Daniel V. wegen Verdachts der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und der Störung öffentlicher Betriebe beim Amtsgericht erwirkt. Vor dem Hintergrund wird der Beschuldigte nach Cottbus überführt. „Die Festnahme des Tatverdächtigen ist ein wichtiger Schritt in den Ermittlungen“, teilte Brandenburgs Polizeipräsident Oliver Stepien mit. „Jetzt gilt es, die Hintergründe und Zusammenhänge der Taten weiter aufzuklären und die gewonnenen Erkenntnisse sorgfältig zu bewerten.“
Auch die Kölner Staatsanwaltschaft führt ein Verfahren gegen Daniel V. unter anderem wegen verfassungsfeindlicher Sabotage.