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„Letzte Generation“ blockiert in München So bereiten sich Flughäfen in NRW auf mögliche Klimaproteste vor

Durch einen zerschnittenen Zaun hindurch sieht man die Klimaaktivisten auf einer Art Straße, die zum Rollfeld führt. Um sie herum sind Polizisten.

Klimaaktivisten klebten sich auf dem Zubringer einer Start- und Landebahn am Airport Franz-Josef Strauß fest. 

In Berlin und München haben Klimaaktivisten Airports blockiert. Nun bereiten sich auch die Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf auf mögliche Stör-Aktionen vor.

Klimaaktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ haben sich am Donnerstag auf einem Rollweg zu einer der zwei Start- und Landebahnen des Münchener Flughafens festgeklebt. Auch am Berliner Flughafen BER drangen Aktivisten auf das Gelände ein. Es ist nicht der erste Protest der Klimaaktivisten dieser Art: Nun bereiten sich auch die Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf auf mögliche Stör-Aktionen vor.

Die Aktivisten zerschnitten am Donnerstagmorgen einen Zaun zum Flughafengelände in München, vier von ihnen klebten sich auf einem Rollweg fest. Aus Sicherheitsgründen stellte der Flughafen daraufhin den Betrieb auf einer der Start- und Landebahnen ein. Die Polizei rückte zu einem Großeinsatz aus. Laut einem Sprecher des Flughafen München war die Störung nach weniger als einer Stunde behoben. Die Aktivisten wurden in Gewahrsam genommen. Ungefähr zeitgleich drangen in Berlin Aktivisten auf das Gelände des BER ein: Zwei Aktivisten klebten sich auf einem Vorfeld nahe des Zauns fest, bis zum Rollfeld schafften sie es jedoch nicht.

Alles zum Thema Herbert Reul

Wie die Gruppe „Letzte Generation“ auf Twitter mitteilte, sei die Polizei vor der Aktion über das Vorhaben informiert worden. Eine Sprecherin der Bundespolizei wies dies zurück.

Düsseldorf: Sicherheitskräfte sind auf Protest sensibilisiert

Der Flughafen Köln/Bonn beobachtet die aktuelle Entwicklung der Klimaproteste und deren neue Formen nach Angaben eines Sprecher „sehr genau“. „Zu dieser Thematik steht der Airport im ständigen Austausch mit den zuständigen Sicherheitsbehörden.“ Auch beim Flughafen Düsseldorf betrachtet man die Vorkommnisse in München und Berlin aufmerksam: Die Sicherheitskräfte seien für die aktuellen Formen des Protests sensibilisiert, sagte ein Sprecher. „Auf Basis unseres regelmäßig aktualisierten Sicherheitskonzeptes schützen wir durch die Kombination von personellen, physischen und technischen Sicherheitsmaßnahmen das Flughafengelände auf bestmögliche Weise.“

Wer sich widerrechtlich Zutritt in den Sicherheitsbereich eines Flughafens verschafft, begehe einen Eingriff in die Sicherheit des Luftverkehrs. „Die vorsätzliche Gefährdung der Sicherheit der Luftfahrt ist strafrechtlich geregelt und wird mit bis zu zehn Jahren Freiheitsentzug bestraft. Als Straftatbestand zählt unter anderem auch die vorsätzliche Beschädigung der Einrichtungen der Luftfahrt oder Beeinträchtigung in ihrem Betrieb, wenn auf diese Weise die Sicherheit des Luftfahrzeugs im Flug gefährdet ist“, so der Flughafen-Sprecher weiter. Die für die Flughafensicherheit zuständige Bundespolizei verwies in dieser Angelegenheit auf Nachfrage an die jeweiligen Betreiber der NRW-Airports.

Der Flughafenverband ADV (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen) kritisierte die Aktion am Donnerstag. Dem Verband fehle dafür „jedes Verständnis“, hieß es. Es sei nicht hinnehmbar, wenn die Sicherheit des Luftverkehrs gefährdet werde. „Schwerere Eingriffe in den Luftverkehr werden zurecht strafrechtlich verfolgt.“

NRW-Innenminister Reul kündigt konsequentes Vorgehen der Polizei an

NRW-Innenminister Herbert Reul kündigte ein konsequentes Vorgehen der Polizei an. „Die Politik darf sich von diesen Leuten, die medienwirksam Straftaten begehen, nicht unter Druck setzen lassen“, erklärte Reul im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wo Straftaten wie Nötigung oder ein gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr im Raum stehen, können die Störer sich darauf verlassen, dass die Polizei auch Strafanzeigen fertigt“, fügte er hinzu.

Bei den Störaktionen „der sogenannten Klima-Kleber“ arbeiteten Feuerwehr, Polizei und weitere Einsatzkräfte Hand in Hand, so Reul. „Ziel ist es immer, die Beeinträchtigung schnellstmöglich zu beseitigen - egal ob auf der Straße oder auf dem Rollfeld.“ Dabei könne auch Speiseöl, Aceton und andere Lösungsmittel zum Einsatz kommen. „Dort, wo Straftaten wie Nötigung oder ein gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr im Raum stehen, können die Störer sich darauf verlassen, dass die Polizei auch Strafanzeigen fertigt.“

München: Flieger mit Notfall-Patient wurde umgeleitet

Die „Letzte Generation“ schrieb am Donnerstag, der Flugverkehr auf „zwei der größten deutschen Flughäfen“ sei durch den Protest zum Erliegen gekommen. Dies bestätigen beide Flughäfen nicht: „Das ist an den Tatsachen vorbei behauptet“, sagte ein Sprecher des Münchener Flughafens dieser Zeitung. „Wir haben unseren Flugverkehr fortgesetzt.“ Während der Störaktion seien alle Flüge über das südliche Rollfeld abgewickelt worden.

Lediglich eine Maschine aus den USA, die laut einem Flughafensprecher aufgrund eines medizinischen Notfalls eine priorisierte Landung auf der nördlichen Landebahn angemeldet hatte, musste eine Runde über dem Flughafen drehen und landete mit 20 Minuten Verspätung. Der 80-jährige Passagier ist derzeit in einem stabilen Zustand, ein Verdacht auf einen Herzinfarkt bestätigte sich nicht. Ausfälle oder weitere Verspätungen habe es nicht gegeben. Aktivisten, die versuchten an der Südseite des Flughafens einzudringen, wurden von der Polizei aufgehalten.

Bereits vor zwei Wochen klebten sich Aktivisten der Letzten Generation am Berliner Flughafen BER auf dem Rollweg fest. Damals mussten beide Start- und Landebahnen gesperrt werden, der Flughafen lag mehr als eine Stunde lahm. Es kam zu massiven Verspätungen. „Flugverkehr ist staatlich hochsubventioniert und ein direkter Klimakiller“, begründen die Aktivisten von der „Letzten Generation ihre Aktion. Sie fordern unter anderem die Wiedereinführung des Neun-Euro-Tickets und ein Tempolimit von 100 Stundenkilometern auf deutschen Autobahnen.