Umweltschützer warnen vor den Gefahren der Fracking-Technologie. Die riskante Gasförderung könnte Deutschland unabhängig von Importen machen - und die hohen Preise in den Sinkflug bringen.
NRW sitzt auf großen GasvorrätenKippt der Iran-Krieg das Fracking-Verbot?

Ein Plakat mit der Aufschrift „Stop Fracking“ warnte 2024 in Brünen am Niederrhein vor den dort geplanten Gasförderungen.
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In Deutschland lagern Schätzungen zufolge bis zu 2,3 Billionen Kubikmeter Schiefergas. Mit dieser Menge könnte man den aktuellen jährlichen Gasverbrauch für mehr als 20 Jahre decken. Dafür müsste allerdings die bislang untersagte Fracking-Technologie zum Einsatz kommen. Kippt der Iran-Krieg – und die damit einhergehende Energiekrise – nun das Fracking-Verbot?
Die FDP in NRW hat die schwarz-grüne Landesregierung jetzt aufgefordert, Forschungs- und Erprobungsmaßnahmen zur Aufsuchung von Gasvorkommen in NRW zu ermöglichen. „Damit könnte Nordrhein-Westfalen sofort loslegen, wenn der Bund das Fracking-Verbot aufhebt“, sagte Dietmar Brockes, wirtschaftspolitischer Sprecher der Liberalen im Landtag, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Schwarz-Grün müsse den „energiepolitischen Blindflug“ beenden.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche für Legalisierung
Seit 2017 ist die Gasförderung durch Fracking in Deutschland verboten. Angesichts der Energiekrise setzt sich Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) für eine Legalisierung ein. Die FDP nimmt diesen Ball jetzt auf. „Heimisches Schiefergas kann einen Beitrag dazu leisten, unsere Energieversorgung resilienter, unabhängiger und bezahlbarer zu machen. Nordrhein-Westfalen braucht endlich eine Energiepolitik der Vernunft“, erklärte Dietmar Brockes. „Ideologische Denkverbote“ würden den Mittelständlern, die unter den hohen Energiekosten litten, nicht helfen und dazu beitragen, dass die Industriearbeitsplätze zunehmend unter Druck gerieten.
Beim Fracking wird ein Gemisch aus Wasser und Chemikalien mit hohem Druck in das Schiefergestein gepresst, um das Gas freizusetzen. Umweltschützer warnen davor, dass toxische Substanzen in das Trinkwasser gelangen könnten. In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP lehnte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) eine Neubewertung der Fracking-Risiken kategorisch ab. Importe aus dem Ausland würden eine stabile Gasversorgung sicherstellen, heißt es in dem Schreiben.
Massive Proteste am Niederrhein
Die Liberalen halten diese Haltung für nicht zukunftsfähig. „Heimisches Schiefergas kann einen Beitrag dazu leisten, unsere Energieversorgung resilienter, unabhängiger und bezahlbarer zu machen“, sagte Wirtschaftsexperte Brockes. „Während weltweit demokratische Industriestaaten ihre heimischen Energiequellen nutzen, macht sich Nordrhein-Westfalen weiter abhängig von teuren Importen und geopolitischen Krisen“, sagte der Politiker vom Niederrhein. Statt „teures Fracking-Gas unter schlechteren Umweltstandards“ über den Atlantik zu importieren, sollten alle Optionen heimischer Gasförderung eine Rolle spielen.
Neben Niedersachsen gilt NRW als größte Lagerstätte von Schiefergas in Deutschland. In NRW werden große Vorkommen im Münsterland, im Kreis Wesel und im Kreis Minden-Lübbecke. Am Niederrhein hatten Pläne für Probebohrungen massive Proteste ausgelöst. Gelsenwasser, einer der größten Wasserversorger in NRW, lehnte Fracking kategorisch ab und gab den Umweltverbänden damit fachliche Rückendeckung. Konzerne wie ExxonMobil hatten bereits konkrete Pläne für Probebohrungen vorgelegt. Die CDU dürfe sich einer in der Energiepolitik „nicht aus falscher Rücksicht gegenüber dem grünen Koalitionspartner verschließen“, forderte Brockes.