Die Nachflugerlaubnis am Kölner Flughafen läuft 2030 ab. Sollte der Airport in eine wirtschaftliche Schieflage geraten, könnten die Flüge für Urlauber teurer werden, warnt die FDP.
Warnung vor Frachtflug-Stopp am Kölner AirportMüssen Urlauber ab 2030 höhere Gebühren zahlen?

Ein Frachtflugzeug startet vom Flughafen Leipzig/Halle. Am selben Tag gibt der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) einen Überblick über die aktuelle Lage und stellt die Branchen-Kennzahlen für das Jahr 2021 vor. Dabei stehen die Auswirkungen der Pandemie auf die deutsche und internationale Luftfahrt im Fokus sowie die Frage, welche Perspektiven sich daraus ergeben. Auch die Entwicklung im Passagierluftverkehr und das deutsche Luftfrachtgeschäft im internationalen Vergleich werden beleuchtet. +++ dpa-Bildfunk +++
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Die Zahlen für die laufenden Sommerferien klingen nach purer Reiselust: Durchschnittlich rund 19.750 Urlauber heben derzeit jeden Tag am Flughafen Köln/Bonn ab. Insgesamt 1,8 Millionen Passagiere erwartet der Airport in den sechseinhalb Wochen der Hauptsaison. Mitten in die Ferienzeit platzt nun eine Warnung aus dem Düsseldorfer Landtag. Das Urlaubsvergnügen vom Rhein aus könnte schon bald deutlich teurer werden. Hintergrund ist ein politischer Streit um den Kern des Flughafens: das nächtliche Frachtgeschäft.
Im Zentrum der Debatte steht das Jahr 2030. Dann läuft die Betriebsgenehmigung aus, die dem Flughafen die wichtigen Nachtflüge für Frachtmaschinen erlaubt. Christof Rasche, seit 26 Jahren Verkehrsexperte der Liberalen und Landtagsvizepräsident, fordert von der schwarz-grünen Landesregierung eine zügige Verlängerung noch vor der Landtagswahl im April 2027. „Doch dabei stehen die Grünen aus ideologischen Gründen auf der Bremse“, warnte Rasche vor Journalisten in Düsseldorf. Mit ihrer ablehnenden Haltung würden sie aber „nicht nur Frachtflieger, sondern auch die Urlauber“ treffen.
Für den Flughafen steht viel auf dem Spiel. Logistikkonzerne wie das US-Unternehmen UPS, das in Köln sein europäisches Hauptdrehkreuz betreibt, fordern Klarheit. „Es ist gefährlich, wie man mit den Investoren umgeht“, kritisiert Rasche. „In den USA hat man bei UPS null Verständnis dafür, dass es keine Aussage der Landesregierung zur Zukunft des Standorts gibt.“ Zuständig für die Genehmigung ist das Ministerium von Umwelt- und Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne). Die FDP fordert eine Streichung der Befristung bis zum Jahr 2030. Die bisherigen Regelungen müssten ohne Änderungen auf unbestimmte Zeit fortgesetzt werden.
Der Streit über die Paketflieger kann nach Auffassung der FDP auch den klassischen Mallorca-Urlauber treffen. Denn der Fracht- und der Urlauberverkehr sind wirtschaftlich eng miteinander verzahnt. Köln/Bonn ist mit rund 840.000 Tonnen Umschlag pro Jahr der drittgrößte Frachtflughafen Deutschlands und gehört zu den Top-10-Drehscheiben in Europa. Dieses Geschäft subventioniert die gesamte Infrastruktur. „Wenn ein wirtschaftlich wichtiger Geschäftsbereich wegbricht, gerät der gesamte Flughafen unter Druck“, erklärt Rasche. „Die Zeche zahlen am Ende die Passagiere: Ausbleibende Investitionen und steigende Kosten sorgen schlimmstenfalls für höhere Preise und ein verringertes Angebot. Denkbar wäre, dass beispielsweise die Parkgebühren am Flughafen ansteigen“, so der FDP-Politiker.
Um den Lärmschutz zu verbessern, schlagen die Liberalen ein System mit finanziellen Anreizen vor. So sollen die Gebühren für moderne, leise Flugzeuge deutlich günstiger sein als die Abgaben für laute Maschinen. Das soll Airlines zwingen, schneller in besseres Gerät zu investieren.
Gleichzeitig forderte Rasche eine generelle Beschleunigung bei der Infrastruktur. Planungs- und Genehmigungsverfahren müssten verbindliche Fristen erhalten. Für Baustellen auf Autobahnen fordert er ein „24/7-Prinzip“, damit rund um die Uhr gebaut wird.
Der Flughafen Köln/Bonn hat beim Verkehrsministerium NRW eine unbefristete Verlängerung der Nachtflugregelung beantragt, um den großen Expressdienstleistern wie UPS frühzeitig diese geforderte Sicherheit zu geben. Der Konzern warnt davor, dass das europäische Luftdrehkreuz nur dann funktioniert, wenn jede Nacht rund 50 Frachtflugzeuge und 300 Lkw synchron abgefertigt werden. Sollte dieses nächtliche Zeitfenster wegfallen, würden die eng getakteten weltweiten Express-Lieferketten ins Wanken geraten.
Anwohner sowie Bürgerinitiativen lehnen eine unbefristete Verlängerung der Betriebserlaubnis strikt ab und sehen ihre Lebensqualität massiv beeinträchtigt. Die Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln/Bonn verweist auf medizinische Studien, wonach nächtlicher Fluglärm zu Schlafstörungen, erhöhtem Blutdruck und einem steigenden Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt. Besonders in der Kritik stehen nächtliche Urlaubsflüge von Billig-Airlines. Anwohner fordern, dass zumindest dieser reine Freizeitverkehr nachts komplett gestrichen wird, um den Gesamtlärm zu senken.
