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Vor 50 Jahren1976 verloren zwei junge Oberberger beim Flugzeugunglück bei Zagreb ihr Leben

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Eine Frau schaut auf einen alten Zeitungsartikel, in dem über einen Flugzeugabsturz vor 50 Jahren berichtet wird.

Über den Tod des jungen Paares berichtete unsere Zeitung vor 50 Jahren. Dass sich das Unglücksdatum in diesem Monat zum 50. Mal jährt, wühle wieder sehr auf, gibt Carmen Meßing zu.

Die Trauer ist bei Carmen Meßing auch nach 50 Jahren da. Sie verlor bei einem Flugzeugunglück am 10. September 1976 ihren Bruder und ihre Schwägerin.

Für Carmen Meßing hatte lange Zeit der 10. eines Monats etwas Schreckliches. Denn die Gummersbacherin verlor bei dem katastrophalen Flugzeugunglück bei Zagreb (damals Jugoslawien) am 10. September 1976 ihren Bruder und ihre Schwägerin (siehe Kasten). Renate und Ingo Wollenweber waren auf dem Rückflug ihrer Urlaubsreise. Die 23-Jährige und ihr Ehemann hatten gerade fünf Tage zuvor Ingos 26. Geburtstag im Urlaub auf der dalmatinischen Ferieninsel Hrar gefeiert.

Am Flughafen Köln/Bonn, so erinnert sich Carmen Meßing, habe ihre Cousine Diana auf die Urlauber gewartet, um sie abzuholen. Die beiden Reisenden hatten Diana sogar vorher noch per Postkarte scherzhaft gebeten, doch „diesmal bitte pünktlich“ am Flughafen zu sein.

Zwei Jahre war das junge Paar zu diesem Zeitpunkt verheiratet, Ingo arbeitete in der Kreisstadt als Isolierer, seine Frau als Sekretärin für ein Architekturbüro. Ingo, so erzählt seine Schwester in der Rückschau, sei ein sehr ausgeglichener Mensch gewesen, der sich allmählich mit seiner Frau Gedanken zum Thema Nachwuchs gemacht habe und immer ein sehr enges Verhältnis zur Familie pflegte.

In der Zeitung war damals ein Foto der beiden Verunglückten zu sehen

Dass sich das Unglücksdatum in diesem Monat zum 50. Mal jährt, wühle wieder sehr auf, gibt Carmen Meßing zu, während sie vorsichtig über die Zeitungsseite im Lokalteil von 1976 streicht, auf der ein Foto der beiden Verunglückten zu sehen ist. Ihre Mutter Helga habe eigentlich in den Urlaub mitreisen wollen, blickt die heute 68-Jährige zurück. Doch sie bekam keine Urlaubstage. Carmen Meßing, damals in einem Gummersbacher Modehaus tätig, erhielt die Nachricht vom Tod des Bruders und der Schwägerin als erste und wurde gebeten, ihre Mutter, die gerade bei der Arbeit im damaligen Kaufhaus Schramm war, zu informieren. „Ich konnte das nicht, allein hätte ich das nie geschafft. Also habe ich meinen Bruder Rüdiger dazugeholt, der auch sofort zu mir kam.“

Rüdiger und seine damals erst 18-jährige Schwester wurden zu Überbringern einer der schlimmsten Nachrichten, die ein Elternteil treffen kann. Und es wurde noch traumatischer, denn die Identifizierung der teils stark verbrannten Leichen am Unglücksort war äußerst schwierig. „In Renates und Ingos Wohnung in Niederseßmar wurden schon an dem Wochenende Fingerabdrücke genommen. Dann war da alles voller schwarzer Flecken. Wir wurden gefragt, ob wir von Narben wüssten oder Auffälligkeiten am Gebiss. Das war schlimm.“

Wir wurden gefragt, ob wir von Narben wüssten.
Carmen Meßing, Angehörige

Die Leichen konnten schließlich identifiziert und überführt werden. Ein Armband, das Renate getragen hatte, und der Ehering des Bruders wurden der Familie ausgehändigt. Radio, Fernsehen und Zeitungen berichteten über das Unglück.

Am 12. Oktober 1974 hatte Helga Wollenweber ihren Ehemann Horst zu Grabe tragen müssen. Exakt zwei Jahre später, am 12. Oktober 1976, stand sie auf dem Friedhof in Niederseßmar am Grab ihres Sohnes Ingo und ihrer Schwiegertochter Renate. „Das war alles ganz schrecklich für meine Mutter. Und unsere Großeltern lebten noch – Ingo war ihr erster Enkel gewesen. Aber auch der Rest der Familie denkt bis heute immer wieder an diese schwere Zeit, hat die Daten im Kopf.“

Rüdiger Wollenweber, heute 74 Jahre alt, reiste zur offiziellen Trauerfeier in die kroatische Hauptstadt Zagreb, viele Reaktionen kamen auch aus dem Umfeld. „Wir hatten immer einen großen Freundeskreis, da war viel Entsetzen und auch sehr viel Mitgefühl.“


Der Flugzeugabsturz

Am 11. September 1976 stand es als große Schlagzeile auf der Titelseite der Zeitung: „Flugzeuge stießen zusammen: Mehr als hundert Deutsche tot“. Insgesamt starben am Freitag, 10. September 1976, bei Zagreb 176 Menschen, nachdem in 10.000 Metern Höhe eine britische Verkehrsmaschine, eine DC-9 mit 63 Menschen an Bord, und ein jugoslawisches Charterflugzeug, das in Split gestartet war, kollidiert waren. Die Mehrzahl der Opfer, die im Charterflugzeug gesessen hatte, stammte aus dem Kölner Raum und war auf dem Rückflug nach einer Urlaubsreise.

Am Landeflughafen der jugoslawischen Maschine in Köln hieß es nach der Katastrophe zunächst, das Flugzeug habe lediglich wegen eines technischen Defekts Verspätung. Erst am frühen Abend erhielten Verwandte und Freunde schreckliche Gewissheit, dass niemand überlebt hatte. In der Zeitung hieß es montags nach der Katastrophe, der Fehler, der zu dem Zusammenstoß der Flugzeuge führte, sei auf ein falsches Kommando eines Zagreber Fluglotsen zurückzuführen.

Am 15. September wurde der Opfer in einer großen Trauerfeier und einem ökumenischen Gottesdienst im Dom zu Zagreb gedacht. Rund 300 Angehörige waren zu der Gedenkfeier angereist.