SicherheitskontrollenNRW-Verkehrsminister gibt FDP Schuld an Flughafen-Chaos

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Flughafen Köln Schlange Band

Warteschlange am Flughafen

Düsseldorf – Die schwarz-grüne Landesregierung spricht sich dafür aus, die Verantwortung für die Sicherheitskontrollen am Kölner Airport (so lang sind die Warteschlangen aktuell) in die Hände des Flughafens zu übergeben. „Dass Menschen oft stundenlang vor dem Sicherheits-Check warten müssen, ist eine Spätfolge der FDP-Politik ‚Privat vor Staat‘“, sagte NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Flughafenbetreiber müssten „dem Chaos machtlos zusehen“, so der Politiker der Grünen. „Deshalb prüfen wir gerade, ob wie etwa in Frankfurt geplant, die Flughafenbetreiber die Kontrolle und damit auch die Verantwortung für den reibungslosen Ablauf der Kontrollen übernehmen können“, so Krischer.

Outsourcing räche sich nun

Der Bund als zuständige Ebene habe die Sicherheitskontrollen in der Vergangenheit outgesourct und private Sicherheitsfirmen allein „nach Low-Cost-Prinzip“ beauftragt, so der Minister. „Das Ergebnis ist nach der Corona-Krise ein eklatanter Personalmangel, gegen den weder die Flughafenbetreiber in Düsseldorf und Köln/Bonn noch das Land NRW mangels Zuständigkeit etwas unternehmen können“, erklärte Krischer.

Bei den Airports in Düsseldorf und Köln/Bonn scheine es eine Bereitschaft zu geben, die Aufgabe zu übernehmen. „Die Entscheidung, die Aufgabe und damit auch die Verantwortung wie in Frankfurt auf die Betreiber zu übertragen, liegt aber allein beim Bund. Wir denken, das könnte eine sinnvolle Lösung sein, denn die Flughäfen haben naturgemäß ein hohes Interesse an einem reibungslosen Ablauf“, so Krischer.

Verdi: Frankfurter Modell löst die Probleme nicht

Aus Sicht der Gewerkschaft Verdi geht diese Lösung an den Problemen vorbei. „Das Frankfurter Modell bedeutet nichts anderes als die Fortsetzung der Privatisierung. Der einzige Unterschied ist, dass der Flughafenbetreiber anstelle des Staates die Aufträge an private Sicherheitsfirmen vergibt“, sagt Verdi-Sekretär Özay Tarim. „An den Arbeitsbedingungen wird sich dadurch nichts ändern.“

Der einzige Vorteil sei, dass die Flughafenbetreiber schneller Sanktionen aussprechen können, wenn die Sicherheitsunternehmen die vereinbarten Leistungen nicht erbringen. „Die Fluggäste haben von den Sanktionen gar nichts. Sie erwarten zu Recht, dass die Kontrollen reibungslos funktionieren.“ Deshalb sei das bayrische Modell einer halbstaatlichen Gesellschaft, bei der die Mitarbeitenden fest angestellt sind, aus Sicht von Verdi die einzige Lösung. „Solch chaotische Zustände wie in Düsseldorf und Köln/Bonn gibt es in München nicht“, so Tarim.

Ein Sprecher der Bundespolizei sagte unserer Zeitung auf Anfrage, die  Bundespolizei würde die Fachaufsicht über die Kontrollen an den Kontrolllinien in Köln/Bonn durchführen.  Sie hätten aber auch „den Auftrag, einen etwaigen Druck“ von der Kontrollstelle zu nehmen und bei einer besonderen Lage flankierend die Bereiche „Einweisung der Fluggäste" sowie „Rückführung der Gepäckkörbe" zu unterstützen.

Personal mit Kurzausbildung darf eingesetzt werden

Dem beauftragten Sicherheitsdienstleister sei vorübergehend gestattet worden, sogenannte „Teilbeliehene" einsetzen zu dürfen. „Dabei handelt es sich um Personal, welches nach erfolgreicher Sicherheits- und Zuverlässigkeitsprüfung, einer Ausbildung von wenigen Tagen und positiver Prüfung durch die Bundespolizei, ausschließlich für die Einweisung der Fluggäste sowie Rückführung der Gepäckkörbe eingesetzt werden darf“, so der Sprecher.

Eine Sprecherin von Eurowings sagte unserer Zeitung, man sei in Bezug auf die Abfertigungssituation in den Herbstferien „verhalten optimistisch“. Obwohl es branchenweit aufgrund der Überlastung der Luftverkehrs-Infrastruktur weiterhin zu Engpässen komme, „sehen wir insbesondere an den NRW-Flughäfen eine fortschreitende Normalisierung der Abläufe.“ Nach Schätzungen von Experten hat die gesamte Luftfahrtbranche seit Corona europaweit 150.000 Mitarbeitende verloren.

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Der Kölner Flughafen rechnet am ersten Herbstferien-Wochenende mit insgesamt 108.000 Passagieren. Für den gesamten Ferien-Zeitraum hätten die Passagierfluggesellschaften insgesamt rund 4000 Starts und Landungen angemeldet, in der Spitze am Tag 260 Abflüge und Ankünfte, hieß es. Der Flughafen empfiehlt den Reisenden, sich 2,5 bis drei Stunden vor Abflug am Airport einzufinden.

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