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„Zutiefst inhuman“ und „dystopisch“Spahn-Rücktritt gefordert – Empörung über Leihmutterschaft auch in Köln

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Jens Spahn (r.), Vorsitzender der Fraktion der CDU/CSU im Deutschen Bundestag, und sein Ehemann Daniel Funke beim Bundespresseball. Das Paar hat mithilfe einer Leihmutter ein Kind bekommen. (Archivbild)

Jens Spahn (r.), Vorsitzender der Fraktion der CDU/CSU im Deutschen Bundestag, und sein Ehemann Daniel Funke beim Bundespresseball. Das Paar hat mithilfe einer Leihmutter ein Kind bekommen. (Archivbild)

Mit Leihmutterschaft zum Babyglück – das Vorgehen von Jens Spahn sorgt für Rücktrittsforderungen. Klare Worte kommen auch aus Köln.

Nach Bekanntwerden der Elternschaft von Jens Spahn (CDU) und seinem Ehemann durch eine Leihmutter sieht sich der Unionsfraktionschef mit Rücktrittsforderungen und scharfer Kritik aus der eigenen Partei konfrontiert. „Jens Spahn ist als Vorsitzender der Unionsfraktion nicht mehr tragbar und muss zurücktreten“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Chef Daniel Peters der „Bild“-Zeitung. Der Chef der Senioren-Union, Hubert Hüppe (CDU), zeigte sich unterdessen „persönlich geschockt“ von Spahns Entscheidung.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass Spahn und sein Mann Eltern eines in den USA von einer Leihmutter zur Welt gebrachten Kindes wurden. Dieses Verfahren ist in Deutschland verboten. Erst Anfang des Jahres hatte die CDU bei ihrem Parteitag einen Beschluss gefasst, dass es dabei bleiben soll.

Jens Spahn nutzt Leihmutterschaft: Rücktrittsrufe aus der eigenen Partei

Spahn sieht sich daher auch mit Vorwürfen konfrontiert, als Privatmann anders zu handeln als in seiner politischen Funktion. Als Gesundheitsminister hatte Spahn eine Legalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland abgelehnt. 

Jens Spahn, Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag, bekommt Kritik aus der eigenen Partei. (Archivbild)

Jens Spahn, Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag, bekommt Kritik aus der eigenen Partei. (Archivbild)

Spahn habe als Fraktionschef „eine besondere Vorbildfunktion innerhalb der Union“, betonte Peters. Mit einer Leihmutterschaft in den USA habe er sich „in voller Absicht über in Deutschland geltendes Recht hinweggesetzt“. Das gehe nicht, sagte der CDU-Landeschef weiter, die CDU stehe „für Glaubwürdigkeit und Klarheit, gerade in ethisch sensiblen Fragen“, so Peters. 

Grünen-Chef fordert persönliche Erklärung von Jens Spahn

Rücktrittsforderungen kamen auch vom Landesvorstand des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU Thüringen sowie von der Frauen Union Mecklenburg-Vorpommern. Auch aus den Reihen der Opposition war zuvor scharfe Kritik an Spahn laut geworden – diese setzte sich auch am Freitag fort.

Grünen-Chef Felix Banaszak forderte Spahn auf, sich persönlich zu erklären. Es habe „vermutlich Gründe“, warum sich Spahn in der Vergangenheit so positioniert habe, wie er das getan habe, sagte er Welt TV. „Und deswegen steht es erst mal in einem Widerspruch zu seinem eigenen Agieren an dieser Stelle.“ Er müsse daher jetzt Fragen beantworten.

BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht forderte unterdessen ebenfalls Spahns Rücktritt. „Dass der Fraktionsvorsitzende der Kanzlerpartei in den USA auf Baby-Shoppingtour geht, zeigt seine unerträgliche Doppelmoral“, sagte sie gegenüber dem Nachrichtenportal t-online. „Dieser Mann sollte endlich zurücktreten.“

Kritik auch aus Köln: Alice Schwarzer äußert sich zu Jens Spahn

Nach Angaben des Stern-Journalisten Julius Betschka hat Spahn das nun auch vor. „Jens Spahn wird sich heute am späteren Nachmittag ausführlich zur Leihmutterschaft äußern“, schrieb Betschka auf der Plattform X am Freitagmittag. 

Scharfe Kritik an Spahn gibt es derweil auch aus Köln: „Zu Recht ist Leihmutterschaft in Deutschland verboten. Und zu Recht war Jens Spahn als Fraktionsvorsitzender einer christlich-demokratischen Partei bisher gegen die Aufhebung dieses Verbotes. Denn Menschen sind keine Ware“, sagte etwa die Kölner Feministin Alice Schwarzer der Katholischen Nachrichten-Agentur. „Käuflich sollte weder eine Frau als Gebärmaschine sein noch ein für Geld produziertes Kaufkind“, so Schwarzer.

Alice Schwarzer: „Zutiefst inhuman und unchristlich“

„Jens Spahn hat jetzt seine persönlichen Interessen über das Recht gestellt“, führte die Kölner Publizistin weiter aus. „Er trägt damit zur Akzeptanz einer Praxis bei, in der Frauen fremde Kinder für Geld austragen und gleichzeitig den Forderungen der Käufer voll ausgeliefert sind.“

So könnten auf dem Leihmutter-Markt etwa Neugeborene mit Behinderung oder dem „falschen“ Geschlecht abgelehnt oder deren rechtzeitige Abtreibung gefordert werden. „Nicht nur für die UN ist Leihmutterschaft ‚Menschenhandel‘ und ‚Sklaverei‘. Sie ist zutiefst inhuman und unchristlich“, hieß es weiter von Schwarzer. 

„Dass Ärmere die Kinder der Reichen austragen, ist dystopisch“

Mit dem SPD-Politiker Karl Lauterbach, der Spahn als Gesundheitsminister einst beerbt hatte, äußerte sich auch ein weiterer prominenter Kölner zur Debatte. Die Leihmutterschaft sei in der Expertenkommission der Ampel-Regierung untersucht worden, erinnerte Lauterbach.

Der Auftrag dazu sei vom damaligen Justizminister Marco Buschmann und ihm gekommen. „Ergebnis war ein Nein zur kommerziellen und ein Ja zur altruistischen Leihmutterschaft. Das ist auch meine Position“, fügte Lauterbach hinzu. 

„Wenn die Leihmutter mit dem Paar befreundet oder verwandt ist, und es fließt kein Geld, kann dies eine honorige Grundlage für eine neue Familie sein“, erklärte der SPD-Politiker seine Position – und ließ schließlich ebenfalls Kritik an Spahn folgen: „Dass Ärmere die Kinder der Reichen austragen, ist dystopisch und sollte verboten bleiben.“ (mit dpa/kna)