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150 aus 150Gerhart Baum engagierte sich für Menschenrechte, Demokratie und Kultur

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Der Ex-Bundesinnenminister Gerhart Baum während eines Interviews in seiner Wohnung im Jahr 2023.

Der Ex-Bundesinnenminister Gerhart Baum während eines Interviews in seiner Wohnung im Jahr 2023.

Der FDP-Politiker war von 1978 bis 1982 Bundesinnenminister. Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag 1994 arbeitete er als Rechtsanwalt.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 70. Teil der Serie geht es um den Politiker Gerhart Baum.

Bedeutung

Baum war ein bundesweit bekannter Politiker mit hohem Engagement für Demokratie, Menschenrechte und Kultur. Prägendes Erlebnis war 1945 die Bombardierung seiner Heimatstadt. Er studierte Jura in Köln und trat 1954 in die FDP ein. Dort musste er sich mit anderen Jungliberalen gegen starke konservative Kräfte durchsetzen. 1972 kam der Linksliberale über die Landesliste in den Bundestag und wurde Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium. 1978 übernahm er in der sozialliberalen Koalition das Amt des Bundesinnenministers.

Damals beherrschten staatliches Handeln gegen den Linksterror der RAF und die Verteidigung von Bürgerrechten seinen Alltag. Baum wollte die Ursache des Terrorismus verstehen, ohne auf die Instrumente des Rechtsstaates zu verzichten. 1982, nachdem die FDP die Wende von der SPD zur CDU vorgenommen hatte, blieb er, obwohl anderer Meinung, in der Partei, und war bis 1991 Vizevorsitzender. Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag 1994 arbeitete er als Rechtsanwalt.


Gerhart Baum

Geboren: 28. Oktober 1932 in Dresden

Gestorben: 15. Februar 2025 in Köln


Beschwerden vor dem Bundesverfassungsgericht und die Übernahme schwieriger Fälle, wie die der Opfer des Ramstein-Flugunglücks, zeugten von seinem hohen juristischen Sachverstand. Mehrfach griff er ein, wenn die FDP seiner Meinung nach in die neoliberale Richtung driftete. Als vielgefragter Gesprächspartner warnte er bis zu seinem Lebensende vor Extremisten, besonders von rechts. Baum übernahm internationale Ämter zur Verteidigung der Menschenrechte. Von 2005 bis 2023 war er Vorsitzender des Kulturrates NRW.

Wirken in Köln

Seit 1950 lebte Baum in Köln, wo er 1953 am heutigen Leonardo-da-Vinci-Gymnasium in Nippes sein Abitur ablegte. 1962 bis 1972 war er Kreisvorsitzender der FDP und von 1969 bis 1973 Mitglied des Rates.

Bemerkenswert

Im März 1974 entging Baum bei einem Hubschrauberunglück in Kiel knapp dem Tod.

Spuren in der Stadt

Mit seiner zweiten Frau Renate gründete er eine Stiftung, die einen Menschenrechtspreis vergibt und die Kölner Kultur mit einem Sonderpreis für Aktuelle Musik unterstützt. 2023 bekam er die Alternative Ehrenbürgerschaft verliehen, ein Jahr später die Ehrendoktorwürde der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.