Groß setzte sich früh für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen ein. Er war einer der Leiter des Widerstandskreises „Kölner Kreis“.
150 aus 150Nikolaus Groß setzte sich gegen den Nationalsozialismus ein

Der ehemalige Bergmann, kirchliche Gewerkschafter und Journalist wurde 1945 von den Nazis hingerichtet.
Copyright: picture-alliance / dpa
Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 69. Teil der Serie geht es um den Gewerkschafter und Widerstandskämpfer Nikolaus Groß.
Bedeutung
Als 14-Jähriger begann Nikolaus Groß seine Berufslaufbahn in einem Blechwalzwerk und war anschließend als Bergmann tätig. Der gläubige Katholik beschloss, sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen einzusetzen und trat 1920 als Gewerkschaftssekretär in den Dienst des Christlichen Bergarbeitervereins Deutschlands. 1927 wechselte er als Redakteur der Verbandszeitung zur Katholischen Arbeiterbewegung (KAB). Als begabter Redner hielt er bis 1933 viele Vorträge.
Er warnte eindringlich vor Kommunismus und Nationalsozialismus, war aber auch Gegner der konservativen Eliten. Nach der Machtübertragung an Adolf Hitler und die NSDAP organisierte Groß seit Mitte der 1930er Jahre Treffen in der KAB-Zentrale, bei denen über die Neuordnung Deutschlands gesprochen wurde. 1938 wurde die KAB-Zeitung verboten. Groß gab nicht auf und verlegte bis zur Papiersperre 1941 Kleinschriften, die er zumeist selbst verfasste.
Mit dem „Kölner Kreis“, der sich in der KAB-Zentrale oder seiner Privatwohnung traf, knüpfte Groß Verbindungen zu anderen Widerstandszirkeln. Mehrfach durchsuchte die Gestapo die Wohnung der Familie. Nach dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 verhaftete ihn die Gestapo und lieferte ihn ins KZ Ravensbrück ein, wo er wochenlang gefoltert wurde. Am 15. Januar 1945 zum Tode verurteilt, ließ ihn das NS-Regime acht Tage später hinrichten.
Nikolaus Groß
Geboren: 30. September 1898 in Niederwenigern, heute Hattingen
Gestorben: 23. Januar 1945 in Berlin
Wirken in Köln
Groß verlegte mit dem Umzug der KAB-Verbandsleitung von Mönchengladbach 1928 seinen Wohnsitz nach Köln, wo er mit seiner Frau und sieben Kindern lebte.
Bemerkenswert
1999 erfolgte die Aufnahme in das Deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts. 2001 sprach Papst Johannes Paul II. Groß selig. Sein Sohn Alexander Groß (1931 bis 2019) kritisierte dies. Seiner Ansicht nach vereinnahmte die Kirche seinen Vater als Widerstandskämpfer, um von ihrer eigenen Rolle in der NS-Zeit abzulenken.
Spuren in der Stadt
An Nikolaus Groß erinnern Straßen in Pesch und in der Neustadt-Nord, wo auch die Katholische Grundschule nach ihm benannt ist. In der Kirche St. Agnes ist eine Krypta den Märtyrern der KAB gewidmet. Seinen Namen trägt auch ein Jugendwohnheim in Kalk.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
