Nachdem Merz indirekt auf eine Drohung reagiert hat, legt Trump im Streit mit dem Kanzler nach. Spielt ein Telefonat mit Putin eine Rolle?
Spekulationen über ZeitpunktTrump ätzt erneut gegen Merz und Deutschland – nach Anruf von Putin

US-Präsident Donald Trump bleibt gegenüber Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf Konfrontationskurs. (Archivbild)
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Erst eine persönliche Attacke auf den Kanzler, dann die Drohung, die in Deutschland stationierten amerikanischen Truppen abzuziehen – das Verhältnis zwischen US-Präsident Donald Trump und der deutschen Bundesregierung rund um Friedrich Merz (CDU) scheint angespannt.
Nun scheint sich der Bundeskanzler um eine Entschärfung der Lage zu bemühen. Nachdem Trump am Mittwoch eine mögliche Reduzierung der US-Truppenstärke in Deutschland angedeutet hatte, reagierte Merz bei einem Truppenbesuch in Munster indirekt auf die Verbalattacke aus Washington – und betonte die Bedeutung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses.
Friedrich Merz: „Transatlantische Partnerschaft liegt mir am Herzen“
Ihm liege „diese transatlantische Partnerschaft besonders am Herzen“, sagte Merz am Donnerstag bei einem Besuch des Heeres in Niedersachsen. Auch die gestiegenen deutschen und europäischen Verteidigungsausgaben seien „ein Beitrag zu einer erneuerten transatlantischen Partnerschaft“, betonte der Bundeskanzler, ohne Trump namentlich zu erwähnen.
Der US-Präsident konnte durch die Worte des Kanzlers jedoch offenbar nicht besänftigt werden. Am Donnerstagnachmittag ätzte Trump erneut auf seiner Plattform Truth Social gegen Merz. Der Kanzler „sollte mehr Zeit darauf verwenden, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu beenden“, schrieb Trump und fügte hinzu, Merz sei in der Angelegenheit bisher „völlig wirkungslos geblieben“.
Zudem solle Merz „sein angeschlagenes Land wieder in Ordnung bringen, insbesondere in den Bereichen Einwanderung und Energie“, hieß es weiter von Trump, der Merz riet, weniger Zeit darauf zu verwenden, „sich in die Angelegenheiten derer einzumischen, die die nukleare Bedrohung durch den Iran beseitigen und damit die Welt, einschließlich Deutschland, zu einem sichereren Ort machen“.
Johann Wadephul: Trump-Attacken „muss man nicht kontern“
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hatte vor Trumps erneuter Attacke betont gelassen auf Trumps jüngste Drohung in Richtung Deutschland reagiert. Die USA hätten bereits früher unter Präsident Barack Obama deutlich gemacht, sich stärker auf den pazifischen Raum konzentrieren zu wollen, sagte Wadephul gegenüber RTL. „Das mag jetzt kommen. Das schauen wir uns in aller Ruhe gemeinsam miteinander an.“ Von Trumps Drohung sei er nicht verunsichert, hieß es weiter von Wadephul.
„Die USA brauchen diese Standorte“, sagte der Minister mit Verweis auf Ramstein, Landstuhl und Grafenwöhr. Diese Standorte dienten „unserer Sicherheit“ ebenso wie der Sicherheit der Vereinigten Staaten. Trumps Attacke auf Merz in den sozialen Netzwerken „muss man nicht kontern“, fügte Wadephul hinzu. Es gebe weiterhin einen „guten, fruchtbaren Austausch“ mit den USA.
Omid Nouripour, ehemaliger Bundesvorsitzender der Grünen, meldete sich ebenfalls zu Wort: „Leider überrascht mich das nicht. Wir gewöhnen uns langsam an das häufige Ergebnis des Handelns dieser Regierung: Letztendlich profitiert davon nur Putins Russland“, schrieb Nouripour bei X.
Gegenwind für Donald Trump in den USA
Für die erneute Drohung gegen Deutschland – und insbesondere ihren Zeitpunkt – bekam Trump in den USA derweil noch schärfere Kritik zu hören. „Nur Putin würde von einem solch kurzsichtigen Schritt profitieren“, schrieb etwa der ehemalige Oberkommandierende der US-Streitkräfte in Europa, Ben Hodges, auf der Plattform X. „Amerika kann sich und seine Interessen nicht von Fort Bragg oder Norfolk aus verteidigen. Wir benötigen eine Präsenz und Verbündete vor Ort.“
Auch parteiintern wurde schnell Kritik an Trumps Vorstoß laut. „Angriffe auf NATO-Verbündete sind kontraproduktiv. Diese Äußerungen schaden den Amerikanern“, kommentierte etwa der republikanische Abgeordnete Don Bacon.
„Wir schneiden uns damit ins eigene Fleisch“
„Ich habe den riesigen Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Deutschland kommandiert. Die beiden großen Flugplätze in Deutschland verschaffen uns einen hervorragenden Zugang zu drei Kontinenten. Wir schneiden uns damit ins eigene Fleisch.“
Mit Michael McFaul zeigte sich auch der ehemalige US-Botschafter in Moskau auf der Plattform X erstaunt über Trumps erneute Attacke – und thematisierte indirekt auch den Zeitpunkt. Die Drohung des US-Präsidenten folgte auf ein rund anderthalbstündiges Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin.
„Wie viele Geschenke kann Trump Putin noch machen?“
„Der Ukraine die NATO-Mitgliedschaft verweigern, die Hilfe für die Ukraine kürzen, Putin den Donbass versprechen, Putin loben, nachdem er dem Iran geholfen hat, und nun einen Truppenabzug aus Deutschland in Betracht ziehen“, zählte McFaul auf und fügte hinzu: „Wie viele Geschenke kann Trump Putin noch machen?“
In den Reihen der Demokraten wurde ebenfalls Kritik laut. „Trump veröffentlicht nach einem 90-minütigen Telefonat mit Putin einen Beitrag auf Truth Social, in dem er andeutet, dass er erwägt, alle Truppen aus Deutschland abzuziehen“, schrieb der ehemalige Abgeordnete Adam Kinzinger und fügte hinzu: „Zwischen den beiden geht etwas Unheimliches vor sich. Es ist an der Zeit, dass ‚besorgte‘ Republikaner ihre Stimme erheben.“
Kölner Experte: „Trump setzt Politik im Interesse Russlands um“
Der Kölner Politikwissenschaftler Thomas Jäger ordnete Trumps Drohung ebenfalls ein. Der angedrohte Truppenabzug „käme nicht überraschend“, schrieb der Professor für internationale Politik der Universität Köln bei X. „Doch angesichts der militärischen Bedeutung der Basen in Deutschland wäre es in hohem Maß selbstschädigend für die USA.“
Auch Jäger thematisierte den Zeitpunkt der Drohung: „Der zeitliche Zusammenhang zum Gespräch Trumps mit Putin verdeutlicht, dass Trump weiterhin Politik im Interesse Russlands umsetzt.“ (mit afp)
