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Erst Lacher, dann StilleTrumps „Witz“ über Pearl Harbor irritiert Regierungschefin – und sorgt für Kritik

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US-Präsident Donald Trump und Japans Premierministerin Sanae Takaichi nehmen an einem Abendessen im State Dining Room des Weißen Hauses teil.

US-Präsident Donald Trump und Japans Premierministerin Sanae Takaichi nehmen an einem Abendessen im State Dining Room des Weißen Hauses teil. 

Als Trump eine Bemerkung zu Pearl Harbor macht, wird die japanische Regierungschefin Sanae Takaichi plötzlich unruhig.

US-Präsident Donald Trump hat die japanische Regierungschefin Sanae Takaichi mit einem historischen Vergleich zu Pearl Harbor irritiert. Bei ihrem Besuch am Donnerstag im Weißen Haus sprach Trump darüber, dass die USA beim Angriff auf den Iran das Überraschungsmoment genutzt hätten. „Wer kennt sich mit Überraschungen besser aus als Japan?“, fragte Trump und sorgte für Gelächter im Raum. Doch der Präsident war noch nicht fertig.

„Warum haben sie mir nichts über Pearl Harbor gesagt?“, fragte Trump an die Japaner gerichtet. Er glaube, Japan setze noch viel stärker auf Überraschungen als die USA. Plötzlich verstummte das Gelächter im Raum – und Takaichi richtete sich sichtlich angespannt in ihrem Sessel auf und blickte nervös in die Richtung ihrer Delegation. Sie selbst äußerte sich nicht zu dem Vorfall, hob später in einer Rede vor einem Abendessen indes Trumps „herzliche Zuneigung gegenüber Japan“ hervor.

Donald Trump sorgt mit Bemerkung zu Peal Harbor für Stille

Japan hatte am 7. Dezember 1941 den US-Stützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii bombardiert. Bei dem Überraschungsangriff starben mehr als 2400 Menschen. Der damalige Präsident Franklin Delano Roosevelt bezeichnete diesen Tag als „ein Datum, das in Schande leben wird“. Die USA traten daraufhin in den Zweiten Weltkrieg ein.

Für Japan hatte das erhebliche Folgen. Japan kapitulierte im August 1945, wenige Tage nachdem bei den US-Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki Hunderttausende Zivilisten ums Leben gekommen waren.

Während einige Anhänger Trumps spontane Äußerung explizit lobten – so sprach Sohn Eric etwa von „einer der großartigsten Antworten an einen Reporter in der Geschichte!“ – gingen kritische Beobachter mit dem US-Präsidenten ins Gericht. Der Journalist Mehdi Hasan schrieb laut Guardian: „Es tut mir leid, aber das ist wirklich urkomisch. Wenn er nur nicht der Präsident wäre, sondern nur eine Figur im Fernsehen. Dann könnten wir uns vor Lachen biegen, ohne ein Gefühl von Unbehagen, Angst oder Verlegenheit.“

Kölner Politologe Jäger kritisiert Trump: „Unterscheidet nicht zwischen Feind und Verbündetem“

Der Kölner Politologe Thomas Jäger, der in der Vergangenheit bereits mehrfach darauf aufmerksam machte, dass Trump oft völlig uninformiert und historisch nicht sattelfest sei, äußerte sich zu den Aussagen auf X. „Trumps spontane Pearl-Harbor-Äußerung dokumentiert, dass er zwischen Feind und Verbündeter nicht unterscheidet“, so Jägers Einordnung.

Es war nicht Trumps erster peinlicher Moment in Bezug auf den Krieg. Als der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz im vergangenen Jahr den 6. Juni als D-Day ansprach, antwortete Trump, dass dies „kein angenehmer Tag“ für den Kanzler sei. Merz erwiderte: „Nun, langfristig gesehen, Herr Präsident, war dies die Befreiung meines Landes von der Nazi-Diktatur.“

Auch in Japan sorgte Trumps Äußerung nicht unbedingt für Lacher. Toru Tamagawa, ein Kommentator des Fernsehsenders TV Asahi, sagte laut New York Times in einer Morgensendung, dass diese Äußerung „eine unangenehme Seite von Präsident Trump“ zeige. „Es ist ihm völlig egal, dass die japanische Premierministerin neben ihm sitzt“, sagte er.

Izuru Makihara, Professor für japanische Politik an der Universität Tokio, hingegen befürchtete in einem Interview, Trumps Worte könnten heruntergespielt werden. Doch das sei „etwas, was man absolut nicht tun sollte“, so Makihara. „Er könnte anfangen, Dinge zu sagen wie: ‚Hiroshima und Nagasaki waren doch in Ordnung, oder?‘ Für uns Japaner ist das inakzeptabel.“

Trump hatte das Treffen unter anderem dazu genutzt, von Japan mehr Engagement im Iran-Krieg zu fordern und ein Projekt zum Bau von Atomreaktoren in den US-Bundesstaaten Tennessee und Alabama in Höhe von 40 Milliarden Dollar (34,5 Milliarden Euro) zu vereinbaren. (mit dpa/afp)