Selenskyj berichtet über brisante Geheimdienstinformationen. Die Ukraine greift indes weiter an – und setzt eine neue Rakete ein.
Grausamer Befehl des Kremlchefs?Selenskyj beschuldigt Putin – Ukraine greift große Ölanlage an

Ein Screenshot aus einem vom ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj veröffentlichten Video soll den Start einer FP-7-Rakete zeigen. Die Ukraine greift weiterhin russische Ziele an.
Copyright: Screenshot/X/Wolodymyr Selenskyj
Während die russischen Angriffe auf die Ukraine und die Hauptstadt Kyjiw andauern, hat der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj den russischen Machthaber Wladimir Putin beschuldigt, die Zerstörung ukrainischer Städte angeordnet zu haben.
„Aus Geheimdienstinformationen und von einigen Personen aus Putins Umfeld wissen wir, dass Putin Anfang September gesagt hat: ‚Jetzt gibt es keine Regeln mehr‘“, schrieb Selenskyj auf der Plattform X. Russland habe die Ukraine nicht besetzen können, fügte er hinzu. „Deshalb führen sie nun massive Angriffe durch und töten in großem Umfang.“
Schulen und Kindergärten: Putin soll „Keine Regeln“-Befehl gegeben haben
„Sie wollen unsere Brücken angreifen und, soweit wir das verstehen, unsere Rechenzentren, das Internet, das Mobilfunknetz, Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen, Universitäten – alles“, schrieb Selenskyj weiter. Russland wolle, „dass die Menschen aus ihren Städten fliehen, und wir müssen alles tun, um unser Volk und unsere Städte zu retten.“
Das russische Militär hat die Angriffe gegen ukrainische Städte in den vergangenen Wochen verstärkt. Vor allem die großen Ballungszentren wie Kyjiw, Charkiw oder Odessa stehen im Visier der russischen Luftwaffe, von Kampfdrohnen oder ballistischen Raketen. Immer wieder werden dabei auch Wohnhäuser und zivile Infrastruktur angegriffen. Am Freitag berichteten russische Medien über angebliche Menschenmassen, die aus Kyjiw fliehen würden.
Noch am Donnerstag (1. Oktober) hatte Selenskyj etwa von einem Angriff auf eine Schule in Kyjiw berichtet. Kinder und Lehrer hätten sich in einem Schutzraum aufgehalten. Opfer wurden nicht gemeldet. In mehreren Regionen kam es zudem zu Stromausfällen nach russischen Angriffen. In einigen Gebieten sei am Abend ein sparsamer Verbrauch nötig, teilte Netzbetreiber Ukrenerho mit.
Neue ukrainische Rakete FP-7: Details zu erstem Kampfeinsatz
Das ukrainische Militär setzt indes ebenfalls die Angriffe gegen russische Stellungen und Ziele tief in Russland fort. Nachdem Selenskyj am Donnerstag den erstmaligen Kampfeinsatz der neuen ballistischen Rakete FP-7 bekannt gegeben hat, wurden nun Details zum Einsatz der vom ukrainischen Rüstungshersteller Fire Point entwickelten Rakete bekannt.
Während Kyjiw nicht bekannt geben wollte, welches Ziel mit der Rakete angegriffen wurde, berichtete das „Wall Street Journal“ mit Bezug auf eine mit dem Vorgang vertraute Quelle, die FP-7 sei gegen ein russisches Ziel in den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten eingesetzt worden. Ob der Angriff erfolgreich war, blieb zunächst offen.
Mit der FP-7 gehört die Ukraine nun jedoch zu einer kleinen Gruppe von Staaten, die ballistische Raketen herstellen können. Ob die ukrainische Rüstungsindustrie die Rakete in größeren Stückzahlen produzieren kann, sei allerdings offen, berichtete das „Wall Street Journal“ weiter. Der erste Kampfeinsatz könnte demnach ein symbolischer Schritt gewesen sein.
FP-7 könnte russische Bunker, Brücken und Gebäude angreifen
Ballistische Raketen steigen nach dem Start sehr hoch auf – teilweise bis in den Weltraum – und stürzen anschließend mit hoher Geschwindigkeit auf ihr Ziel herab. Sie gelten deshalb als schwer abzufangen. Zudem können sie eine größere Sprengladung tragen als Drohnen. Mit der FP-7-Rakete könnte die Ukraine künftig etwa Bunker, Brücken und Gebäude angreifen, die ihre Drohnenflotte nur schwer erheblich beschädigen kann.
Die ukrainischen Drohnen-Angriffe gegen Ziele tief in Russland dauern unterdessen weiterhin an. In der Nacht auf Freitag (2. Oktober) seien Ölanlagen in den russischen Regionen Wolgograd und Samara angegriffen worden, teilte der Generalstab in Kyjiw mit.
Ukraine greift erneut Putins Ölindustrie an
Unter den attackierten Zielen befinde sich ein Lukoil-Kraftwerk sowie einer der größten Ölumschlagsplätze Russlands in Samara, hieß es weiter. In der dort angegriffenen Anlage, die rund 900 Kilometer von der Frontlinie entfernt liegt, laufen mehrere russische Ölpipelines zusammen. Dort seien Rohstoffe produziert worden, die zur Herstellung von Artilleriegranaten, Luftbomben, Streumunition und Raketen genutzt worden seien, teilte der ukrainische Generalstab mit.
Staatschef Selenskyj berichtete zudem von „erfolgreichen Operationen“ der ukrainischen Streitkräfte im Schwarzen Meer sowie in den russischen Regionen Woronesch, Nischni Nowgorod und Krasnodar. Flugplätze, Industrieanlagen, Ölraffinerien, ein Raketen- und Raumfahrtzentrum sowie ein Munitionsdepot der russischen Streitkräfte seien angegriffen worden, erklärte der Präsident. Damit reagiere die Ukraine auf die Eskalation Russlands, betonte Selenskyj und lobte die eigenen Streitkräfte: „Praktisch täglich werden wichtige Ergebnisse erzielt.“
