Bundeswehr-General Christian Freuding berichtet von „bestätigten Geheimdienstinformationen“.
Freuding mahnt, Kreml drohtBundeswehr-General warnt vor Russland – Moskau „schreddert“ Kanzler Merz

Generalleutnant Christian Freuding, Inspekteur des Heeres, warnt vor der Bedrohung durch Russland. (Archivbild)
Copyright: IMAGO/Mike Schmidt
Während aus Russland weiterhin martialische Botschaften kommen, sollten sich Deutschland und Europa auf einen russischen Angriff auf ein NATO-Land in der nahen Zukunft vorbereiten, warnt Bundeswehr-General Christian Freuding. „Wir müssen vorbereitet sein. Wir müssen kampfbereit sein“, sagte der Chef des Bundesheeres nun dem US-Medium „Politico“.
Innerhalb der NATO bestehe Konsens darüber, dass Russland noch vor Ende des Jahrzehnts einen Mitgliedsstaat angreifen könnte, führte Freuding aus. „2029 ist kein deutscher Zeitplan. Es handelt sich um von der NATO bestätigte Geheimdienstinformationen“, zitierte „Politico“ den deutschen Top-General. „Alle 32 NATO-Partner sind sich einig, dass Russland im Jahr 2029 möglicherweise in der Lage sein könnte, in ein NATO-Partnerland einzumarschieren.“ Auch ein früherer Zeitpunkt sei jedoch denkbar.
Bundeswehr-General warnt, US-General zweifelt
Es ist nicht das erste Mal, dass die Jahreszahl 2029 kursiert. Auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hatte in der Vergangenheit bereits gewarnt, dass Russland zu diesem Zeitpunkt ein NATO-Land angreifen könnte. Unumstritten ist diese Annahme nicht. Innerhalb des westlichen Verteidigungsbündnisses gibt es auch andere Ansichten.
Auf die Frage nach der Möglichkeit eines zeitnahen russischen Angriffs auf die baltischen Staaten erklärte etwa der amerikanische NATO-General Alexus Grynkewich in dieser Woche, Moskau verstehe, dass es militärisch gegen das Bündnis nicht erfolgreich sein könne, das berichtet die „Financial Times“.
„Russland versteht, dass es keinen Erfolg haben wird“
„Ich habe die Geheimdiensterkenntnisse sehr genau verfolgt“, sagte der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte in Europa bei einer Veranstaltung in Berlin. „Russland sucht keinen Konflikt. […] Sie verstehen den Begriff ‚Verteidigungsbündnis‘ und sie verstehen, dass wir über eine Reihe asymmetrischer Vorteile verfügen“, führte Grynkewich aus.
Auch die Sorgen der baltischen Staaten, die oftmals als mögliches Angriffsziel für Russland gehandelt werden, adressierte der Amerikaner. Es sei seine Aufgabe, sicherzustellen, dass „Russland versteht, dass es bei einem Versuch in den baltischen Staaten keinen Erfolg“ haben werde.

Alexus G. Grynkewich, Oberbefehlshaber der NATO-Truppen in Europa (SACEUR), spricht während der Sitzung des NATO-Militärausschusses. (Archivbild)
Copyright: picture alliance/dpa
Da Moskau jedoch genau wisse, dass ein Angriff auf das Baltikum aussichtslos sei, „werden sie dieses Risiko nicht eingehen“, so Grynkewich, der jedoch auch betonte: „Wenn mich Leute fragen: ‚Bist du bereit, heute Abend zu kämpfen?‘, dann antworte ich: ‚Absolut‘.“
Säbelrasseln in Moskau: Medwedew schreddert EU-Politiker
Moskau setzt unterdessen weiterhin auf Säbelrasseln – explizit auch in Richtung von Deutschland und Europa. So machte der ehemalige Kremlchef und nunmehrige Vizechef des russischen Sicherheitsrates Dmitri Medwedew anlässlich des russischen Nationalfeiertags keinen Hehl aus Moskaus Sicht auf Europa.
Der langjährige Weggefährte von Kremlchef Wladimir Putin veröffentlichte bei Telegram ein KI-generiertes Video, in dem er mit einem Aktenvernichter Portraitbilder europäischer Staatschefs und Top-Politiker schreddert. Medwedew ist in dem Video zu sehen, während ihm zunächst ein Bild von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), dann von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und schließlich vom britischen Premierminister Keir Starmer gereicht wird. Medwedew führt die Portraits dem Aktenvernichter zu und lächelt dabei demonstrativ.
Medwedew: Russland wird Europa „beibringen, wie man lebt“
„Kein Feind wird die Entwicklung und den Wohlstand unseres Vaterlandes behindern. Alles Gute zum Tag Russlands“, schrieb der Moskauer Hardliner, der seit Kriegsbeginn immer wieder mit Drohungen und schrillen Worten an die Öffentlichkeit tritt, zu dem KI-Video. Nach Angaben russischer Medien drohte Medwedew zudem, Russland werde Europa „beibringen, wie man lebt“. Daran gebe es „keinen Zweifel“.
Die europäischen Staaten hatten zuletzt gemeinsam mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj versucht, Friedensgespräche mit Moskau in Gang zu bringen – den Vorstoß hatte der Kreml zu Wochenbeginn jedoch umgehend zurückgewiesen. Kremlchef Putin beharrt weiterhin auf die Erreichung seiner Maximalziele, etwa die vollständige Eroberung der Donbass-Region.
Kreml auf Kriegskurs: Keine Fortschritte auf dem Weg zum Frieden
Auch ein Treffen zwischen europäischen Diplomaten und dem russischen Vize-Außenminister Michail Galusin ist am Donnerstag (11. Juni) ohne Fortschritte verlaufen. Die Botschafter Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens legten im russischen Außenministerium nach eigenen Angaben den jüngsten Aufruf ihrer Länder und der Ukraine zu Gesprächen über ein Kriegsende dar.
Dabei sei es auch um die Unterstützung der Aufforderung Selenskyjs zu direkten Gesprächen zwischen Russland und der Ukraine unter Beteiligung der USA und Europas gegangen, hieß es in einer Mitteilung nach dem Treffen.
Das russische Außenministerium teilte nach dem Gespräch jedoch mit, dass den Diplomaten eine „objektive Einschätzung der destruktiven Politik ihrer Führungen“ dargelegt worden sei. Diese Politik ziele darauf, die Ukraine zur Fortsetzung des Kriegs auf Kosten und mithilfe der Koalition der Willigen anzutreiben, hieß es in der Mitteilung aus Moskau, die Russlands Verweigerungshaltung untermauert. In der sogenannten Koalition der Willigen haben sich Unterstützerstaaten der Ukraine zusammengetan, darunter auch Deutschland. (mit dpa)
