Experten sind vor den Gesprächen zwischen Russland und der Ukraine nicht optimistisch. In Moskau sorgt Dmitri Medwedew indes für Wirbel.
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Kremlchef Wladimir Putin. (Archivbild)
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In Abu Dhabi sind am Freitag und Samstag die ersten direkten Gespräche zwischen der Ukraine und Russland seit Monaten geplant. Im Kern geht es darum, wer nach einem Ende des Krieges die ostukrainische Industrieregion Donbass kontrollieren wird. „Die Frage des Donbass ist eine Schlüsselfrage“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vor den Verhandlungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auch der Kreml nannte den Donbass als wichtigsten Punkt des Treffens unter Beteiligung der USA.
Bei den Unterredungen an diesem Freitag und am Samstag würden die drei Seiten ihre Sichtweise auf das Problem vortragen und diskutieren, sagte Selenskyj. Nach Auskunft seines Beraters Dmytro Lytwyn war der Beginn der Gespräche für den Abend geplant.
Eindeutige Signale aus Moskau vor Gesprächen in Abu Dhabi
Aus Moskau gibt es unterdessen bereits vorab eindeutige Signale. Laut dem hochrangigen Kreml-Berater Juri Uschakow habe Kremlchef Wladimir Putin einer US-Delegation um Unterhändler Steve Witkoff mitgeteilt, dass es ohne eine Beilegung der Territorialfrage „keinen Sinn habe, auf eine Beilegung des Krieges Russlands gegen die Ukraine zu hoffen“.
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Moskau sei an einer „Beilegung des Krieges auf politischem und diplomatischem Wege interessiert“, sagte Uschakow nach Angaben russischer und ukrainischer Medien. „Bis dahin wird Russland jedoch seine Ziele auf dem Schlachtfeld weiterverfolgen.“ Zuvor hatte es rund dreistündige Gespräche zwischen Putin und der US-Delegation gegeben, zu der neben Witkoff auch der Schwiegersohn und Berater von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, gehörte.
„Konkrete Anweisungen“ von Wladimir Putin
Nach Uschakows Angaben bestehe Putin weiterhin auf der bereits im August 2025 erhobenen Forderung, dass die Ukraine ihre Truppen auch aus Gebieten abziehen müsse, die Russland bisher militärisch nicht erobern konnte. Für die Gespräche am Freitag und Samstag habe der Kremlchef der russischen Delegation „konkrete Anweisungen“ mit auf den Weg gegeben, betonte Uschakow.
Bei Russland-Experten sorgten die Äußerungen des Putin-Beraters am Freitag für Ernüchterung. Moskau habe „überhaupt nichts“ an seinen Zielen geändert, schrieb etwa der Historiker Matthäus Wehowski auf der Plattform X. „Wenn der Kreml tatsächlich an Frieden interessiert wäre, dann wäre das Mindeste ein Waffenstillstand während der Verhandlungen“, fügte der Russland-Experte hinzu.
Kritik an Europa: „Wir selbst reden nicht mit Russland“
Dass Europa an den nun angesetzten Gesprächen nicht beteiligt ist, sorgt unterdessen für Kritik. Während die Friedenspläne in Zusammenarbeit mit den Amerikanern auch in Europa und Berlin erarbeitet würden, spiele Europa danach keine große Rolle mehr. „Aber überbracht werden die von Herrn Kushner und Herrn Witkoff, also amerikanischen Geschäftsleuten, das ist eine absurde Situation“, kritisierte etwa der CDU-Politiker Armin Laschet im Gespräch mit dem Sender phoenix.
„Wir selbst reden nicht mit Russland und deshalb muss man sich nicht wundern, wenn man nicht am Tisch sitzt“, hieß es weiter von Laschet. Das sei „bedauerlich“, erklärte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag weiter. „Wenn wir wirklich unabhängig werden wollen von den USA, dann müssen wir in der Diplomatie besser werden“, forderte der CDU-Politiker.
Wirbel in Moskau: Dmitri Medwedew vor Imagewandel?
Während Russland hinsichtlich des Kriegs gegen die Ukraine auf Kurs bleibt, sorgen in Moskau Berichte über die Zukunft von Ex-Kremlchef Dmitri Medwedew für Wirbel. Der seit Kriegsbeginn zum Scharfmacher avancierte Weggefährte von Putin strebe derzeit einen Imagewechsel an, um sich einen „Vorsprung im Rennen“ um die Nachfolge von Kremlchef Putin zu verschaffen, zitierte das Exil-Medium „Meduza“ einen Insider.

Dmitri Medwedew, stellvertretender Vorsitzender des russischen Sicherheitsrates und Vorsitzender der Partei „Einiges Russland“, bei einer Militärparade. (Archivbild)
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Da jedoch auch Moskaus Vizechef der Präsidialadministration, Sergej Kirijenko, als möglicher Anwärter als Nachfolger Putins gilt, drohen innerhalb der Regierungspartei „Einiges Russland“ nun offenbar Querelen.
Hat der Machtkampf um Putins Nachfolge bereits begonnen?
„Medwedew muss sein Image aufpolieren und sich den Eliten und Bürgern neu präsentieren“, sagte eine Quelle gegenüber „Meduza“. Derzeit wirke Medwedew „wie ein Internet-Troll mit unklarer Position“, hieß es weiter. Nun wolle der Ex-Präsident jedoch die Kandidatenliste bei den im September stattfindenden Wahlen anführen, berichtete das Exil-Medium weiter – und müsse dafür sein Ansehen bei der russischen Bevölkerung verbessern.
Als Spitzenkandidat der Wahlliste würde Medwedew zum öffentlichen Gesicht der Regierungspartei aufsteigen. Die Besetzung des Postens gilt als bedeutungsvoll. Der Kandidat soll Moskaus Linie nach außen tragen, bestimmte Wählergruppen ansprechen und für mehr Zustimmung bei der Bevölkerung sorgen. Die Position gilt zudem als Schlüssel für einen direkten Draht zu Kremlchef Putin. Ohne die Zustimmung des russischen Machthabers gilt es als ausgeschlossen, ins Rennen gehen zu können.

