Neuer Corona-ImpfstoffExperten erwarten Infektionswelle im Herbst

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Ein Selbsttest für Covid-19: Tests aus dem vergangenen Jahr funktionieren noch – und sie werden wohl auch wieder häufiger zum Einsatz kommen.

Ein Selbsttest für Covid-19: Tests aus dem vergangenen Jahr funktionieren noch – und sie werden wohl auch wieder häufiger zum Einsatz kommen.

Ab heute stehen angepasste Corona-Impfstoffe zur Verfügung. Vor allem ältere Menschen und Risikogruppen sollten sich impfen lassen, so Experten.

Die nächste Impf-Runde kann beginnen: Laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ist ein an die aktuelle Variante angepasster Corona-Impfstoff von diesem Montag an in den Arztpraxen verfügbar. Obwohl die Pandemie vorüber ist, sollten vor allem ältere Menschen und Risikogruppen von der neuen Impfung Gebrauch machen, rät Lauterbach – und will am Montag persönlich mit gutem Beispiel vorangehen.

Tatsächlich deuten die aktuellen Daten darauf hin, dass Corona in der kalten Jahreszeit wieder stärker um sich greifen wird. Der Epidemiologe und Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation beim Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie, Hajo Zeeb, warnte deshalb vor dem Anstieg der Fallzahlen von Corona-Patienten und vor einer nachlassenden Immunität. „Eine Impfung mit einem auf aktuelle Varianten angepassten Impfstoff, am besten zusammen mit dem diesjährigen Grippeimpfstoff, macht da Sinn“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Es sollten sich insbesondere die Gruppen impfen lassen, für die die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Impfung mit der neuen Booster-Impfstoff von Biontech empfiehlt – dazu zählen Menschen ab 60 Jahren. Auch Menschen, die zu einer Risikogruppe zählen, weil sie infolge einer Grunderkrankung ein besonderes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf haben, sollten sich laut Stiko impfen lassen. Hinzu kommen Bewohner von Pflegeheimen und Beschäftigte in Pflegeheimen und im Gesundheitsbereich. „Im Verlauf des Winters wird sich zeigen, ob weitere Gruppen ebenfalls geimpft werden sollten“, so Zeeb weiter.

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Maskenpflicht in Krankenhäusern vor der Rückkehr

Bei den während der Pandemie praktizierten AHA-Regeln – Abstand, Hygiene, Alltagsmasken – müsse man künftig wieder stärker auf Masken im Innenbereich achten, sagte Zeeb dem RND: „In Krankenhäusern und Pflegeheimen erwarte ich im Lauf der kommenden Monate vielfach auch wieder eine Maskenpflicht, wenn die Fallzahlen weiter ansteigen und damit auch die Fehlzeiten zunehmen“, so der Epidemiologe.

Allerdings geht Zeeb angesichts der aktuellen Virus-Varianten, die allesamt Omikron-Verwandte seien, nicht von vielen Corona-Patienten mit einem schweren Verlauf aus: „Es ist auch weiterhin mit niedrigen Krankenhausbelegungen zu rechnen, und so sollte es – mit Vorsicht und Impfungen – weiterhin bleiben.“

Ähnlich schätzen die Gesundheitspolitiker im Bundestag die Lage derzeit ein. „Zurzeit gibt es noch keine generelle Notwendigkeit, die es erforderlich macht, wieder eine Maske zu tragen“, sagte etwa der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen, Janosch Dahmen, dem RND. „Aber mit dem Anstieg der Atemwegserkrankungen im Herbst und im Winter kann es durchaus empfehlenswert sein, in Risikobereichen wie etwa im Gesundheitswesen wieder Maske zu tragen.“

Ärzte könnte mehr als 14 Millionen Impfdosen anbieten

Seit rund sechs Wochen stiegen die Corona-Infektionszahlen wieder an: „Vor der Herbst-Winter-Saison mit den üblichen Atemwegserkrankungen ist es deshalb sinnvoll, die eigene Corona-und Grippe-Impfung entsprechend der medizinischen Empfehlungen rechtzeitig aufzufrischen“, so Dahmen. „Aber auch Menschen, bei denen die letzte Impfung lange zurückliegt oder der Impfschutz unvollständig war, sollten Kontakt zu ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten aufnehmen und mit ihnen eine Auffrischungsimpfungen besprechen.“

Für die Impfsaison 2023/24 sollen laut Gesundheitsministerium 14 Millionen Dosen des angepassten Biontech-Präparats zur Verfügung stehen. Ausgeliefert werden sie demnach bis November. Erwartet werden 13,6 Millionen Dosen für Menschen ab zwölf Jahren, 300.000 Dosen für Kinder von fünf bis elf Jahren sowie 200 000 Dosen für Kleinkinder.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt Auffrischimpfungen vor allem für Menschen ab 60, Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen ab einem Alter von sechs Monaten sowie für Pflege- und Gesundheitspersonal und Angehörige von Risikopatienten. War man kürzlich infiziert, so bedeutet das in der Regel bereits eine Auffrischung der Immunität, eine extra Impfung ist dann nicht nötig. Laut Stiko sollen in der Regel mindestens zwölf Monate seit der letzten Impfung oder Infektion vergangen sein.