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Bahnchefin will an der Konzernspitze 500 Millionen Euro sparenMehr Verantwortung für die Basis

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ARCHIV - 17.10.2025, Berlin: Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der DB, steht vor dem neuen ICE L der Deutschen Bahn am Berliner Ostbahnhof. (zu dpa: «Bahn stoppt Baustellen zu Weihnachten – mehr Züge im Einsatz») Foto: Christoph Soeder/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der DB, steht vor dem neuen ICE L der Deutschen Bahn am Berliner Ostbahnhof. Sie will allein an der Konzernspitze pro Jahr bis zu 500 Millionen Euro einsparen. Foto: dpa

Die verschiedenen Geschäftsbereiche der Bahn wie Fernverkehr, Regionalverkehr und Infrastruktur sind ab sofort für die Qualität ihrer Arbeit verantwortlich und entscheiden eigenständig darüber, wie man zu Verbesserungen kommen kann.

Nach 100 Tagen im Amt hat die neue Chefin der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, für das Jahr 2026 weitere Reformen angekündigt. „Seit dem 1. Oktober ticken die Uhren anders bei der Bahn“, sagte Palla vor Journalisten in Berlin.

„Wir haben neues Tempo an den Tag gelegt, den Konzernvorstand von acht auf sechs Ressorts reduziert und die erste Ebene darunter von 43 auf 22 Organisationseinheiten eingekürzt.“ Ab Sommer werde es eine zweite „Veränderungswelle“ geben. Ziel sei es, allein in der Konzernleitung „eine Kostenreduktion von bis zu 500 Millionen Euro pro Jahr“ zu erzielen.

Vor einigen Wochen hat die Bahn laut Palla eine neue Qualitätssteuerung angestoßen. Den zweiten Punkt, den ich gerne ansprechen möchte, das ist die Qualitätssteuerung. „Wir steuern die Qualität nicht mehr mit übergeordneten Programmen in der Konzernleitung, sondern verlagern die Verantwortung in die Geschäfte verlangen. Und zwar sehr konsequent und ausschließlich. Das heißt also, Maßnahmen für Qualitätssteigerungen dort getroffen, wo wir nah am Kunden sind und dort, wo wir auch die Herausforderungen des Alltags bei der Bahn am besten einschätzen und beurteilen können", sagte die Bahnchefin.

Das heißt übersetzt: Fernverkehr, Regionalverkehr und Infrastruktur entscheiden autonom und müssen Erfolg und Misserfolg selbst verantworten.

Wenn man von den operativen Geschäften verlange, dass sie „mehr Geld verdienen müssen, könne es nicht sein, dass die Konzernleitung diesen Geschäften auch auf der Tasche liegt. Deshalb wird auch sie „einen substanziellen Beitrag leisten“. Man werde den Fokus auf die Funktionen legen, „die uns tatsächlich unterstützen, dass die Qualität der Eisenbahn in der Fläche besser wird. Von allem anderen werden wir uns verabschieden, weil wir uns das einfach nicht mehr leisten können.“

Mehr Pünktlichkeit und mehr Gewinne

Konkret bedeutet das: Bei der Steuerung des Konzerns wird die Bahnchefin sich künftig auf zwei Kennzahlen konzentrieren. „Das ist einmal die Pünktlichkeit und auf der anderen Seite das operative Ergebnis.“

Bei der Infrastrukturgesellschaft der Bahn (DB InfraGo) komme noch eine dritte Kennziffer hinzu. „Es geht um die Gesundung unseres Schienennetzes“, so Palla. „Wenn wir die Qualität in der Summe nach oben bringen wollen, müssen wir auch bei der Sanierung der Infrastruktur einen deutlichen Fortschritt machen.“ Deshalb seien die Generalsanierungen wichtiger Strecken von großer Bedeutung.

Die Bahnkunden müssten sich darauf einstellen, dass „die Pünktlichkeit weiter unter Druck bleibt“, sagte die Bahnchefin. Die Pünktlichkeit hatte 2025 mit 60,1 Prozent einen neuen Tiefstand erreicht. Der Start ins neue Jahr sei wegen des Wintersturms im Norden Deutschlands nicht gerade verheißungsvoll gewesen. „Wir werden in 2026 ein sogenanntes Superbaujahr erleben. Das heißt also mit 28.000 Baustellen werden das noch etwa 2.000 mehr sein als im letzten Jahr.“

Unser Anspruch muss sein, die Deutsche Bahn wieder zum besten Eisenbahnunternehmen in Europa zu machen
Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende

Die Bahn geht davon aus, dass sich die Zahl der Baustellen ab 2027 verringern wird, weil das von der DB InfraGo entwickelte Konzept „Bauen im Takt“ dann bundesweit voll umgesetzt sein soll. Dabei werden standardisierte „Container“, das sind zeitlich und räumlich fest definierte Baufenster, eingesetzt, um Instandhaltungen und Ausbauprojekte zu bündeln. Dadurch soll der Verkehr auf den Strecken trotz Baumaßnahmen stabiler fahren. Außerdem gilt das Prinzip, dass es auf den Strecken, die für den Umleitungsverkehr bei den Generalsanierungen benötigt werden, keine Baustellen gibt.

PRODUKTION - 21.01.2026, Nordrhein-Westfalen, Wuppertal: Ein Regionalzug fährt durch Wuppertal. Die deutsche Bahn bereitet die Generalsanierung der Bahnstrecke zwischen Hagen und Köln vor. (zu dpa: «Strecke Köln–Hagen monatelang dicht – Busse statt Züge») Foto: Oliver Berg/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Regionalzug fährt durch Wuppertal. Die  die Generalsanierung der Bahnstrecke zwischen Hagen und Köln beginnt am 6. Februar. Foto: dpa

Auf Nordrhein-Westfalen rollen in diesem Jahr die beiden ersten von insgesamt vier Generalsanierungen zu: Konkret betrifft das die Strecken Köln-Wuppertal-Hagen (6. Februar bis 10. Juli) und die rechte Rheinseite zwischen Troisdorf-Wiesbaden (10. Juli bis 11. Dezember), die größtenteils mit Vollsperrungen einhergehen. In den kommenden Jahren werden die linke Rheinseite zwischen Köln und Mainz sowie die Strecken Köln-Aachen einschließlich der Modernisierung der Stellwerkstechnik in Aachen folgen.

Trotz der vielen Baustellen sollen „die Menschen da draußen spüren, dass sich bei der dass sich bei der Bahn etwas verändert, dass sich die Dinge zum Positiven wenden“, sagte Palla. Gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium arbeite man „ganz intensiv“ an den drei Sofortprogrammen für mehr Sauberkeit und Sicherheit an den Bahnhöfen, mehr Komfort in den Fernverkehrszügen und eine bessere Reisenden-Information.

„Unser Anspruch muss sein, die Deutsche Bahn wieder zum besten Eisenbahnunternehmen in Europa zu machen. Das wird nicht schnell gehen, das geht nicht von heute auf morgen, aber in kleinen Schritten mit viel Geduld und mit viel Ausdauer“, sagte Palla. Und ich bin davon überzeugt, dass uns das auch tatsächlich gelingen kann, weil wir da draußen so wunderbare Menschen haben, die täglich mit einer riesengroßen Leidenschaft für unser Geschäft kämpfen.“ Deshalb sei es „auch so wichtig, dass wir flache Hierarchien schaffen, damit uns der Blick auf das Wesentliche nicht verstellt wird. Und deswegen brauchen wir eine neue Nähe zur Operative und auch einen tiefen Respekt vor dem, was sie jeden Tag leistet“, so Palla.