Im Norden Kölns gibt es seit den 1960er Jahren Pläne für den 87. Kölner Stadtteil, es geht aber nur schleppend voran.
Ein Acker, viele AnsprücheWie passt ein Olympia-Stadion in den geplanten Stadtteil Kreuzfeld?

Visualisierung eines umgenutzten Leichtathletikstadions als Herz eines Wohngebiets.
Copyright: Elfers Geskes Krämer GmbH
Das Feld am Dresenhofweg in Köln-Chorweiler ist vermutlich der bestangebundene Acker Kölns. Die naheliegende S-Bahn-Station Blumenberg ist bereits vor mehr als 25 Jahren mit zwei Treppen in seine Richtung versehen worden – vorsorglich, denn wo das Stadion samt Olympischem Dorf entstehen könnte (sollte Köln die Spiele bekommen), ist schon lange ein anderes Großprojekt geplant: Der Bau des 87. Kölner Veedels, Kreuzfeld, neues Zuhause für 8000 Menschen, ersehnter Teil der Lösung für das Problem des Wohnungsmangels in Köln.
Was hat Köln mit der Fläche geplant?
Dass hier ein neuer Stadtteil entstehen soll, ist schon seit den 1960er Jahren Thema in Köln. 1993 wurde das Ergebnis eines ersten Wettbewerbs vorgestellt, der vorsah, den neuen Stadtteil als Spiegelbild des gegenüberliegenden Blumenberg anzulegen. Die Stadt kaufte daraufhin den größten Teil des Geländes. Die aktuelle Planung – nicht mehr als Spiegelbild Blumenbergs, sondern eine von Grund auf eigene Idee – verabschiedete der Rat 2016.
Schnell voran ging es mit dem Stadtteil danach nicht, es dauerte bis 2019, bis ein Leitbild entstand. Seit 2023 kann die Stadt eine Integrierte Planung vorweisen. Demnach soll in diesem Jahr die Bauleitplanung für die Infrastruktur starten und die Realisierung 2030. Geplant sind fünf Mini-Veedel, genannt „Hoods“, zusammen bilden sie eine große Gartenstadt mit „Grüner Mitte“. auf 80 Hektar sind 3500 Wohnungen sowie neue Arbeitsplätze geplant.
Was haben die Köpfe hinter der Olympia-Bewerbung vor?
Im Mai 2025 präsentierte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst das Konzept und gab bekannt, Stadion und Dorf in Köln oder Essen bauen zu wollen. Ein Planungsbüro hatte standortunabhängig die Idee eines ovalen Stadionkomplexes erarbeitet. Der soll im Anschluss an die Spiele stehen bleiben und Gewerbe, Gastronomie, eine Kita und soziale Einrichtungen beherbergen. In der Mitte soll eine öffentliche Grünfläche entstehen. Die Athletenunterkünfte in Blöcken rings um das Stadion sollen Köln als Wohnungen erhalten bleiben, wie üblich bei olympischen Dörfern. Im Dezember wurde klar, dass Köln die Bewerbung der Region anführen soll und Essen als möglicher Standort für das Stadion wegfällt.
Wie geht das zusammen?
Beide Pläne seien vereinbar, sagte Baudezernent Markus Greitemann schon kurz nach Wüsts Präsentation. Das bestehende städtebauliche Konzept von Kreuzfeld sei bewusst flexibel angelegt, ein „Großvorhaben wie Olympia“ ließe sich grundsätzlich integrieren – „die einzelnen Hoods können als olympisches Dorf fungieren und die grüne Mitte temporär für das Stadion zu Olympischen und Paralympischen Spielen genutzt werden“. Nach Beendigung der Olympischen Spiele könne anschließend die grüne Mitte wie geplant umgesetzt werden. Er sagte auch: „Sollte es zum Zuschlag für ein olympisches Dorf kommen, wird diese Planung weiterhin die Grundlage darstellen, die entsprechend der spezifischen Anforderungen für Olympia angepasst werden müsste.“ Das sei „insbesondere hinsichtlich temporärer Nutzungen, zusätzlicher Kapazitäten und infrastruktureller Anforderungen“ nötig. „Diese Weiterentwicklung muss in enger Abstimmung mit allen relevanten Stellen und unter Einbindung der Bürgerschaft erfolgen“, sagte Greitemann.
Bremst es den Bau von Kreuzfeld aus, dass Köln nun auf eine Entscheidung über Olympia wartet?
Die Frage kam unter anderem in der Bezirksvertretung Chorweiler schon auf, die Sorge ist groß, dass in Kreuzfeld nun alles noch länger dauert als ohnehin schon. Inzwischen wird schon so lange über Kreuzfeld gesprochen, dass sich allerdings auch Zweifel ausbreiten, ob der Stadtteil überhaupt jemals gebaut wird. Manch einer hegt nun die Hoffnung, dass Olympia einen ganz neuen Druck auf die Weiterentwicklung der Infrastruktur ausüben könnte, für die Land, Bund und Deutsche Bahn zuständig sin.

Visualisierung für Kreuzfeld
Copyright: Vivid-Vision für ADEPT + Karres
Greitemann dementierte eine mögliche Verzögerung durch die Olympia-Bewerbung schon im Sommer. Laut einer Mitteilung aus dem Baudezernat an den Ausschuss für Stadtentwicklung und die Bezirksvertretung Chorweiler hätte die Planung als Olympiastandort für Kreuzfeld sogar „Beschleunigungswirkung“ und den Vorteil zusätzlicher Investitionen in das neue Viertel und in „begleitende infrastrukturelle Bedarfe“.
Worum geht es dabei?
Um den Ausbau des S-Bahn-Halts Blumenberg und um die Anbindung des Blumenbergswegs an die Autobahn 57. Davon würden schon die jetzigen Bewohner Chorweilers profitieren, besonders diejenigen in Blumenberg. Auch träumen Esch, Pesch und Auweiler davon, eines Tages von einer Verlängerung der KVB-Linie 5 bis Kreuzfeld profitieren zu können. Die Stadt hofft jetzt auf höhere Priorisierung der Kreuzfelder Infrastruktur durch Land und Bund. Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester sagte am Mittwoch: „Ohne Olympia werden wir das nicht schaffen.“
Was sagt ein Wirtschaftsexperte dazu?
Dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ sagte Oliver Holtemöller, Professor am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH): „Wenn man der Auffassung ist, dass man mehr Wohnungen braucht, dann muss man halt mehr bauen, dafür muss man nicht Olympische Spiele durchführen.“ Holtemöller untersucht unter anderem die Wirtschaftlichkeit von Sport-Großveranstaltungen und ist überzeugt: „Olympia ist kein Instrument der Wirtschaftsförderung. Da gibt es 1000 Instrumente, die besser sind.“ Die Fragen seien eher: Bringt uns das in sportlicher Hinsicht weiter, hat das positive Effekte auf Jugendliche, die dann bestimmte Sportarten mehr ausüben, nützt das den Sportvereinen vor Ort, was tut es mit dem gesellschaftlichen Zusammenhalt?“


