- Das deutsche Gesundheitssystem scheint den Corona-Stresstest vorerst bestanden zu haben.
- Bund und Länder wollen in Sachen Corona-Lockerungen vor größeren Richtungsentscheidungen trotzdem noch abwarten.
- Das ist besonnen und richtig. Ein Kommentar.
Wann wird das Kontaktverbot aufgehoben? Wann können die Kinder zurück in die Kita? Wann dürfen Gaststätten wieder öffnen? Wann rollt der Ball in der Bundesliga wieder? Die wohl wichtigsten Fragen in der sechsten Woche des Corona-Lockdowns wurden am Donnerstag leider nicht beantwortet.
Bund und Länder wollen vor weiteren Richtungsentscheidungen abwarten, wie sich die Ladenöffnung auf das Infektionsgeschehen auswirkt. Sollte es keinen signifikanten Anstieg der Erkrankungen geben, wird es bei der nächsten Spitzenrunde am 6. Mai zentrale Richtungsentscheidungen geben. Die Strategie, Schritt für Schritt vorzugehen, ist besonnen und richtig.
Einstweilen müssen sich die Bürger mit kleinen Erleichterungen begnügen. So wurde beschlossen, dass Museen, Zoos und Ausstellungen in allen Bundesländern unter Auflagen wieder öffnen dürfen. Auch gemeinschaftliche Gottesdienste sollen wieder stattfinden. Feste wie Taufen, Beschneidungen oder Hochzeiten sowie Trauerfeiern werden in kleinem Kreis bald möglich sein.
Bei den meisten Beschlüssen handelt es sich um eine Angleichung von unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern. So hatten Zoos und Tierparks in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Brandenburg schon vor acht Tagen wieder öffnen können. Brandenburg und Bremen erlaubten die individuelle Nutzung von Sportanlagen, Rheinland-Pfalz gab die Golfplätze frei. In Brandenburg durften Galerien, Museen und Ausstellungshallen ihre Pforten öffnen. Sachsen hatte Gottesdienste mit maximal 15 Teilnehmern bereits am 20. Mai wieder ermöglicht.
Das könnte Sie auch interessieren:
Eltern und Kinder werden sich darüber freuen, dass die Absperrbänder an den Spielplätzen bald wieder verschwinden. Rutschen und Schaukeln sollen freigegeben werden, wenn die Eltern darauf achten, dass ihre Kinder die Hygieneregeln einhalten.
So wie es aussieht, hat das deutsche Gesundheitssystem den Corona-Stresstest vorerst bestanden. In NRW sind 40 Prozent der Intensivbetten in den Kliniken frei. Die Zahl der Neuinfektionen pro Woche ist seitdem 2. April um 75 Prozent zurückgegangen. Ob der Trend so bleibt, ist allerdings keinesfalls gesichert. Es wäre fatal, wenn die Lockerungen als Entwarnung missverstanden würden. Schon jetzt lässt sich beim Einkauf leider vielfach beobachten, dass die Mindestabstände nicht mehr ernst genommen werden.
Vielen Menschen fällt es schwer, die Corona-Auflagen nach sechs Wochen Kontaktsperre weiter diszipliniert einzuhalten. Aber genau darauf kommt es jetzt an. Eine Normalität, wie wir sie von früher kennen, wird es absehbar nicht geben. Wenn alle achtsam bleiben, kann unser Alltag in der Coronakrise aber erträglicher werden. Die Chance, den Abend demnächst wieder bei Lieblingsitaliener auf der Terrasse ausklingen zu lassen, ist zum Greifen nah. Wir sollten sie nicht verspielen.



