Sein letztes Ensemble, beim dem er am Dirigentenpult stand, war die Chorgemeinschaft „Allegro Vivace“ in Bad Münstereifel. Der Abschied war emotional.
Viele Chöre geleitetPaul F. Irmen geht in den musikalischen Ruhestand

Von Kindesbeinen an mit der Musik verbunden: Nun zieht sich Paul F. Irmen im Alter von 77 Jahren aus seiner Tätigkeit als Chorleiter zurück.
Copyright: Cedric Arndt
Immer wieder huschte ein Lächeln über das Gesicht von Paul F. Irmen, als er durch die Konzertflyer und Festschriften der vergangenen Jahrzehnte blätterte. Bereits im Alter von sieben Jahren trat der heute 77-Jährige aus Marmagen einem Knabenchor bei, lernte Klavierspielen und war seither beruflich und privat eng mit der Musik verbunden.
Zwar schlug der gebürtige Mönchengladbacher zunächst als Schlosser die gleiche handwerkliche Laufbahn ein wie sein Vater, doch schon bald darauf entschloss er sich auf dem zweiten Bildungsweg für ein Studium der Pädagogik, bei dem die Musik wieder einen gewichtigen Schwerpunkt einnahm.
Nach dem Abschied in Bad Münstereifel will er nur noch Gast sein
Zahlreiche Projekte, bei denen er als musikalischer Leiter Kinder-, Kirchen- und Männerchören vorstand, sorgten für ein ereignisreiches Bühnenleben und bescherten ihm viele Erinnerungen. Bei der Verabschiedung ihres Dirigenten durch die Mitglieder der Chorgemeinschaft „Allegro Vivace“ ging die Ära Irmen jedoch zu Ende.
Mit dem Bad Münstereifeler Ensemble, das Paul F. Irmen seit 2009 leitete, beendete er sein letztes aktives Projekt, um sich im Ruhestand neuen Hobbys zuwenden zu können. „Ich muss dabei leider auch Rücksicht auf meine eigene Gesundheit nehmen, freue mich aber, in Zukunft bei den Konzerten einfach nur Gast sein zu können.“
Ein weinendes und ein lachendes Auge hinterließ der Abschied auch bei den Mitgliedern der Chorgemeinschaft. Zwar habe man mit Jori Schulze-Reimpell bereits einen hochkarätigen Nachfolger finden können, dennoch bleibe Paul F. Irmens unnachahmliche Weise, den Chor zu leiten, in bester Erinnerung, wie Kassiererin Christiane Gebhardt lachend erklärte: „Seine Tätigkeit als Förderlehrer hat ihm mit uns sehr geholfen, da wir uns auch häufig als schwer erziehbar erwiesen haben.“
Paul F. Irmen stemmte auch Großprojekte mit 250 Sängern
Mit endloser Geduld und stets einem lockeren Spruch auf den Lippen habe er bei den Proben stets die besten Leistungen bei den Sängerinnen und Sängern herauskitzeln können, stimmte Schriftführer Norbert von Heesen zu: „Er hat uns qualitativ wirklich weit vorangebracht und war auch im persönlichen Umgang immer für uns da.“
Entsprechend emotional sei auch der Abschied verlaufen, für den die Chormitglieder mit ihrem neuen Leiter bereits zwei Musikstücke für Paul F. Irmen einstudiert hatten. „Ich weiß nicht, wie sie es gemacht haben, aber sie haben mit dem Lied Irish blessing eines meiner absoluten Lieblingswerke erwischt“, freute sich der 77-Jährige sichtlich gerührt.
Deutlich schwerer als der Abschiedsschmerz wiege jedoch die Sammlung an Erinnerungen, die in den vergangenen Jahrzehnten entstanden sei. Sowohl mit den Bad Münstereifelern als auch mit dem Männerchor Dahlem, dem Kirchenchor Marmagen und vielen weiteren Ensembles habe er immer wieder besondere Projekte meistern können. „2006 haben wir mit 250 Musikern das Vogelsang-Kino eröffnet und 2016 haben wir das szenische Spiel Der Bettelstudent aufgeführt“, berichtete Irmen. Letzteres habe ihm sogar einen Vergleich mit dem Staatstheater in einem Opern-Fachmagazin eingebracht.
Zwar gehe seine aktive Zeit nun zu Ende, dennoch wolle er die Zukunft seiner ehemaligen Chöre weiter verfolgen. In den meisten Fällen als Gast, aber nur wenige Monate nach seinem Abschied, im September, auch noch mal als Aushilfskraft für seinen Nachfolger bei Allegro Vivace.
„Der neue Leiter ist während des geplanten Auftritts bei einer anderen Veranstaltung gebunden, darum werde ich ihn vertreten“, so Irmen: „Ich bin zutiefst dankbar für die Gelegenheit, dass ich in all den Jahren zusammen mit bewundernswerten Solisten, virtuosen Orchestermusikern und hoch engagierten Chorsängern eine musikalische Botschaft gestalten durfte, die auf nichts anderes hinzielte, als die Herzen der Zuhörer zu bewegen.“
