Alina Hellenthal nahm vor sechs Monaten aus Spaß ein Partylied auf, jetzt darf sie am Ballermann auftreten.
Mallorca-TraumAlina aus Blankenheim steht beim Bierkönig auf der Bühne

Wer den Partypark in Zülpich rockt, der kann sich auf den Ballermann freuen: Alina Hellenthal aus Blankenheim.
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Für Alina Hellenthal begann alles mit dem Song „Playa Märchen“. Was im vergangenen Sommer zunächst wie ein Herzensprojekt wirkte, entwickelte sich innerhalb eines guten halben Jahres zu einer emotionalen Achterbahnfahrt zwischen Euphorie, Zweifel und großen Chancen.
Ihr erster Live-Auftritt an Weiberdonnerstag in der Dreifachturnhalle in Mechernich wird ihr wohl für immer im Gedächtnis bleiben. „Ich hatte richtig Muffensausen“, erinnert sich die Blankenheimerin. Anfangs standen nur wenige Menschen vor der Bühne, das Publikum war verstreut, die Nervosität wuchs. Doch während sie sich hinter der Bühne vorbereitete, füllte sich der Raum.
Fremde in der Halle sangen mit, feierten ihren Song
Als sie schließlich ins Scheinwerferlicht trat, war die Angst greifbar. „Das Intro lief – und ich dachte, ich bekomme einen Herzinfarkt“, erzählt Hellenthal. Was dann folgte, überraschte sie selbst am meisten: Fremde sangen mit, feierten ihre Songs, ihre eigene Fanbase war in der Menge kaum auszumachen. „Das war verrückt. Ich habe erst später in den Videos gesehen, wie viele Menschen wirklich mitgegangen sind“, sagt die Künstlerin, die seit einem Jahr ihren Traum lebt – mit viel Hingabe, viel Gefühl und noch mehr Leidenschaft. Der Auftritt wurde zum Wendepunkt – und zur Bestätigung weiterzumachen.
Nach „Playa Märchen“ legte die 28 Jahre alte Eifelerin direkt nach: Mit „Walk of Shame“ wollte sie keine Zeit verlieren, sondern konsequent ihren Weg gehen. „Für mich war klar: Wenn, dann Vollgas.“ Doch schnell wurde ihr bewusst, wie aufwendig der Weg als Künstlerin wirklich ist. Hinter jedem Song stecken unzählige Stunden Planung – von Outfits über Videodrehs bis hin zur inhaltlichen Inszenierung. „Es ist alles viel Arbeit, aber es macht auch einfach alles so viel Spaß“, berichtet die Eifelerin.
Das Intro lief –und ich dachte, ich bekomme einen Herzinfarkt.
Parallel dazu eröffnete sich eine große Chance: ein möglicher Auftritt im berühmten Bierkönig auf Mallorca. Jenem Ort, an dem sie vor zehn Jahren mit ihrer Mutter das erste Mal war. Ein entsprechendes Foto mit ihrer Mutter veröffentlichte die Eifelerin vor wenigen Tagen auf ihrem Instagram-Account. Natürlich gab es dafür zahlreiche „Herzchen“ von ihren Followern. Am heutigen Mittwoch steht die Eifelerin dort selbst auf der Bühne und präsentiert ihre Songs dem feierwütigen Publikum.
Die Vorfreunde: riesig. Aber auch das Muffensausen ist wieder da. Aber wer Mechernich rockt, für den ist der Bierkönig doch wie ein Bett im Kornfeld. Die 28-Jährige wird ab 17.25 Uhr unter ihrem Künstlernamen „Alina Hell“ beim Newcomer-Contest dabei sein. Eine Bühne, auf die sich Hellenthal einfach nur freut, auch wenn das Teilnehmerfeld schon für ein bisschen Respekt sorgt: etablierte Künstler mit Label im Rücken, erfahrene Acts und Social-Media-Größen mit enormer Reichweite. „Da habe ich mich gefragt: Wie soll ich da mithalten?“
Ihre vierte Single steht kurz vor der Veröffentlichung
Doch wer kurz vor der Veröffentlichung seiner vierten Single steht, darf Respekt, muss aber ganz bestimmt keine Angst haben. „Ich bin stolz, dabei zu sein. Das ist ein großartiges Niveau“, sagt die Blankenheimerin, die mittlerweile drei Singles veröffentlicht hat – und die Vorfreude auf Nummer vier wächst von Tag zu Tag.
Einen entscheidenden Rückhalt auf ihrem Weg bietet ihr Umfeld. Familie und Freunde unterstützen sie mit vollem Einsatz – sei es bei Videodrehs, Organisation oder kreativen Ideen. Besonders ihre Freundin Jenny sprang kurzfristig ein, entwickelte Konzepte und kümmerte sich um Details. „Ich wünsche mir, dass ich ihnen irgendwann etwas zurückgeben kann, was sich genauso anfühlt“, sagt Hellenthal und wird fast schon ein wenig wehmütig.
Auch beim Dreh für ihre dritte Single „Rich Kid“ zeigte sich, wie unerwartet sich Türen öffnen können: Ein wohlhabender Unterstützer aus der Eifel stellte nicht nur Luxusautos zur Verfügung, sondern auch seinen Hubschrauber. Rund um den Nürburgring wurde das Video zu ihrem aktuellen Song „Rich Kid“ gedreht – eine Erfahrung, die für die junge Künstlerin kaum greifbar ist. „Ich lag abends im Bett und dachte: Das kann doch alles nicht real sein“, so „Alina Hell“.
Ich wünsche mir, dass ich ihnen irgendwann etwas zurückgeben kann, was sich genauso anfühlt.
Doch der Weg nach oben ist nicht nur von Unterstützung geprägt. Gerade im Künstlerumfeld habe sie auch Distanz gespürt. Zuspruch und Reichweite blieben nach ersten Erfolgen teilweise aus. „Plötzlich war man für viele unsichtbar“, sagt Hellenthal, die für den ersten Song „Playa Märchen“ mit Oliver deVille (bürgerlich Oliver Hintz) zusammengearbeitet hat, einem der bekanntesten Produzenten in der Partyschlager-Szene. „Als er sich meldete, konnte ich es gar nicht glauben“, sagt Hellenthal.
Der 52-Jährige produzierte unter anderem für Malle-Größen wie Ikke Hüftgold, Markus Becker, Anna-Maria Zimmermann oder auch Mickie Krause. Für „Dicht im Flieger“ von Julian Sommer gab es Schallplatten in Gold und Platin.
Alina setzt bei ihren Auftritten auf Spontanität
Zurück zu Distanz und fehlender Reichweite: Eine Entwicklung, die sie heute anders einordnet. „Das ist ein Zeichen, dass man ernst genommen wird“, sagt sie. Gleichzeitig hat Alina Hellenthal auf der Bühne eine wichtige Erkenntnis gewonnen: Perfektion ist nicht alles. „Ich habe gelernt, gar nicht mehr alles bis ins Detail durchzuplanen“, sagt sie.
Statt einstudierte Abläufe abzuspulen, setzt sie zunehmend auf Spontanität. Ob ein zugeworfenes T-Shirt, eine Rose aus dem Publikum oder unerwartete Reaktionen der Menge – sie baut diese Momente bewusst in ihre Auftritte ein. „Das ist einfach echter.“ Authentizität stehe bei ihr ganz oben. „Es macht so viel mehr Spaß, die Situation zu nehmen, wie sie kommt.“
Dass diese Herangehensweise funktioniert, zeigte sich auch bei einem schwierigen Auftritt, bei dem technische Probleme den Ablauf durcheinanderbrachten. Als die Musik plötzlich ausfiel, improvisierte sie kurzerhand, sang gemeinsam mit dem Publikum Klassiker wie „Verdammt, ich lieb dich“ – und traf damit genau den richtigen Nerv. „In dem Moment hat es einfach gepasst“, so die 28-Jährige.
Nun blickt sie voller Vorfreude auf die Tage am Ballermann. Besonders wichtig ist ihr dabei, dass ihre engsten Freunde sie begleiten. „Ich bin unfassbar stolz, dass sie dabei sind“, sagt sie. Trotz aller Unsicherheiten über den weiteren Verlauf ihrer Karriere überwiegt die Freude: auf die Auftritte, die gemeinsame Zeit – und auf alles, was noch kommt.
„Ich liebe den Ballermann einfach. Viele sehen das kritisch, aber für mich ist es ein Ort, wo alle zusammen feiern, niemand verurteilt wird und jeder einfach er selbst sein darf“, sagt sie. Ihr Traum vom Partyschlager – er ist greifbarer denn je. Oder, wie Alina sagt: „Ich wollte nur einen Song schreiben – und jetzt erlebe ich mein eigenes Playa-Märchen.“
